Alte Stadtmauer gefunden

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Feinarbeit mit der Spachtel: Archäologin Ramona Baumgartner (Bild unten) legte zusammen mit drei Kollegen in den vergangenen Tagen Reste im Garten des Caritas-Altenhaums der alten Stadtmauer und die Fundamente eines kleinen Gebäudes frei.

Mühldorf - Bei Arbeiten zum Bau des neuen Altenheims sind Teile der alten Stadtmauer aufgetaucht. Noch bis heute dokumentieren Archäologen die historischen Funde.

Weil das neue Caritas-Altenheim und der Garten in Richtung Spital tiefer gelegt werden, haben dort bereits vor dem Abriss des derzeitigen Caritasheims die ersten Baggerarbeiten begonnen. Dabei kamen Überreste historischer Bauten ans Licht. Es handelt sich vor allem um Teile der alten Stadtmauer sowie Fundamente eines kleineren Gebäudes.

Die Funde kamen nach Angaben des Altenheim-Leiters Hubert Radan überraschend. "Die Überreste entsprechen zwar dem vermuteten Verlauf der alten Stadtmauer. Aber wir haben nicht gewusst, dass sie genau dort entlang geführt hat", sagt Radan. Das Landesdenkmalamt hat die Ausgrabung und Dokumentation übernommen.

Archäologin Ramona Baumgartner spricht von einem "schönen Stück" - auch deshalb, weil sich an den rund zehn Metern freigelegter Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert gut verschiedene Stationen Mühldorfer Baugeschichte ablesen ließen. Bestes Beispiel sind die Fundamente des kleinen Gebäudes, das direkt an die Stadtmauer angebaut war.

Dabei handelt es sich nach einer ersten Einschätzung der Expertin um einen kleinen Anbau des ehemaligen Bruderhauses, das 1563 an dieser Stelle errichtet wurde und über mehrere Jahrhunderte als Altenheim diente. Der Hauptbau des Bruderhauses wurde nach Auskunft von Stadtarchivar Edwin Hamberger erst 1972 im Zuge des Caritas-Neubaus abgerissen.

Außerdem sei die Stadtmauer an weiteren Stellen immer wieder aufgebrochen und neu befüllt worden, erklärt Ramona Baumgartner - sei es um Rohre zu verlegen oder Gebäudeteile anzubauen.

Zusammen mit drei Kollegen legte die Archäologin in den vergangenen Tagen die Mauerreste frei. Dabei kam auch viel Keramik zum Vorschein. "Ein genaueres Datum lässt sich für diese Stücke erst bestimmen, wenn sie gereinigt sind", erläutert Baumgartner. Die älteren Scherben dürften aus dem Mittelalter stammen. Auch mehrere Tierknochen hat Baumgartner in kleine Tüten gepackt: "Hund und Schaf."

Bis heute wollen die Experten noch dokumentiern, zeichnen, fotografieren und vermessen. "Dann werden wir die Stadtmauer ihrem Schicksal überlassen", sagt Baumgartner. Laut Altenheimchef Radan wird die Mauer abgerissen. Für die Archäologin ein Verlust, der sich in Grenzen hält, da "dieses Mauerstück ohnehin schon sehr gestört war".

Eine nennenswerte Verzögerung gibt es durch die archäologischen Arbeiten laut Radan nicht. Eine Woche Baupause schade dem Zeitplan nicht. Die Kosten, die der Bauträger, sprich Caritas und Stadt Mühldorf für die archäologischen Arbeiten bezahlen müssen, belaufen sich nach Auskunft von Dr. Martin Pietsch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für das vierköpfige Team vor Ort auf rund 6000 Euro pro Woche.

Froh ist Hubert Radan, dass ein anderer Fachmann bereits wieder unverrichteter Dinge abgereist ist. Aus Sorge, Überbleibsel der Mühldorfer Bombennacht aus den letzten Kriegstagen zu finden, war ein Bombenexperte während der gesamten Grabungsarbeiten anwesend. Im Falle eines Bombenfundes wäre sogar eine Evakuierung der Umgebung nicht auszuschließen gewesen.

ha/hon/Mühldorfer Anzeiger

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