Häufung von Zugausfällen: Das sagt die Bahn

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Elfmal gab es eine Störung bei der neuen Traxx-Diesellokomotive von Bombardier
  • schließen

Mühldorf - Die Südostbayernbahn hatte jüngst mit einer Reihe von Pannen zu kämpfen, nicht immer konnte die SOB etwas dafür. Die Gründe und was sich jetzt ändern soll:

Die Südostbayernbahn blickt auf eine enttäuschende Pannenstatistik. Im Januar lag die Pünktlichkeit bei 96 Prozent, im Dezember waren es gar nur 94 Prozent. "Das ist für unsere Qualitätsansprüche schlecht", kommentiert SOB-Geschäftsführer Christoph Kraller. Im neuen Jahr erlebte die SOB eine ungewöhnliche Häufung von Pannen, vielfach verbunden mit Zugausfällen.

Elf Störungen bei der neuen Traxx-Lok

Tatsächlich war aber in 17 Fällen die SOB nicht selbst daran schuld. Viermal haben fremde Güterverkehrsunternehmen die Strecke mit defekten Loks blockiert, davon einmal auf der Strecke nach München. Zudem gab es einen Kabelschaden am Mühldorfer Bahnhof, einen Oberleitungsschaden zwischen München und München Süd und zwei Bombenfunde (in Rosenheim und in Landshut). Zweimal lagen Bäume auf den Gleisen, viermal waren Personen im Gleis und dreimal hatte ein Suizid eine Sperrung von zwei Stunden zur Folge.

Insgesamt 19 Störungen liegen allerdings in der Verantwortung der SOB. Bei der Baureihe 218, den alten Loks also, gab es sechs Heizungs- und zwei Batteriestörungen. Besonders ärgerlich dürften aber die elf Störungen bei der neuen Traxx-Diesellokomotive von Bombardier sein (Baureihe 245). "An sich sind wir hochzufrieden mit der Traxx-Lok", sagt Kraller. Vor allem der Mehrmotoren-Betrieb laufe "wie ein Glöckerl". Probleme gebe es nur bei "Kleinigkeiten".

Heizungsstörungen wegen Bedienfehlern

Kleinigkeiten, die für die Fahrgäste ebenso zum Ärgernis werden können wie große technische Probleme. Bislang gab es beispielsweise vier Heizungsstörungen, jedes Mal lag allerdings kein technisches Problem, sondern ein Bedienfehler vor. "Die vier Störungen, die die Zugheizung betreffen, waren hausgemacht", so Kraller. Die Loks von Bombardier hätten bei den Heizungen eigentlich eine höhere Qualität als die alten Loks. Fällt vor Fahrtbeginn die Heizung aus, wird entweder eine Ersatzlok eingesetzt (was auch einige Minuten dauert) oder der Zug fällt komplett aus. Besonders ärgerlich war, dass die jüngsten Heizungsfehler ausgerechnet dann passiert sind, als die Temperaturen deutlich unter null Grad lagen. "Das ist halt zu einem Zeitpunkt passiert, wo es saukalt war", so Kraller.

Sieben technische Störungen

Hinzu kommt, dass die Fehler bei der Traxx-Lok besonders auffallen, weil die neuen Loks von der SOB bei sogenannten Premiumzügen eingesetzt werden - also bei Zügen mit besonders vielen Fahrgästen. Auch die sieben technischen Störungen werden deshalb vielen Menschen aufgefallen seien. Zwei Bremsstörungen, vier Rechnerstörungen und eine Störung der Zugbeeinflussungsanlage gab es jüngst bei der Traxx-Lokomotive. All diese Störungen münden zwangsläufig in einer Notbremsung, weshalb die Fahrgäste Zeit verlieren.

Eine Notbremsung hat eine reine Standzeit von fünf bis sieben Minuten zur Folge. Die Reisenden verlieren jedoch oft deutlich mehr Zeit. "Es kann passieren, dass wir in Markt Schwaben hinter die S-Bahn fallen", erklärt Kraller. So könnten aus sieben schnell zwanzig Minuten werden. Viele Fahrgäste müssen in München zudem eine bestimmte Anschlussverbindung erwischen und haben nur ein Zeitfenster von zwei oder drei Minuten. Wie Kraller erläutert, könnten fünf Minuten Verspätung des Zugs so 15 Minuten Gesamtverspätung bedeuten, weil die Fahrgäste "in eine anderen Takt" kämen.

Firmware-Probleme, defekte Relais

Bei den Traxx-Loks der SOB steckt der Teufel offenbar im Detail. Wie Frank Pradella vom Traxx-Hersteller Bombardier erklärt, hat man in der Federspeicherbremse defekte Zeitrelais ausgemacht. Diese liegen nun beim Zulieferer und es werde überprüft, ob ein Chargenproblem vorliege, so Pradella. Bei Traxx-Lokomotiven, die in Kempten im Einsatz sind, gebe es keine Probleme. "Das deutet darauf hin, dass wir irgendein Chargenthema haben." Auch die Rechnerstörungen bereiten Bombardier Kopfzerbrechen. "Dieses Rechnersystem ist an sich nichts Neues", erklärt Prandella. Mögliche Ursache der Rechnerstörungen sei deshalb ein Firmware-Problem.

Kraller lässt keinen Zweifel daran, dass mit Nachdruck an der Behebung aller Probleme gearbeitet wird - alleine schon, weil in fünf Jahren die nächste Ausschreibung ansteht. Man dürfte sich nicht zurücklehnen, so Kraller. "Da würden wir massiv an dem Ast sägen, auf dem wir draufsitzen."

Archiv: Die Traxx-Diesellokomotive von Bombardier

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser