Im Schwimmkurs mit 82

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„Mit 82 ist sie meine älteste Schülerin“, sagt Bademeister Jürgen Lübke über Hildegard Plass. „Und eine der eifrigsten.“

Mühldorf - Mit 82 Jahren hat Hedwig Plass Schwimmunterricht genommen, um über die Folgen eine Autounfalls wegzukommen.

Nun zieht sie als eine der eifrigsten Besucherinnen im Mühldorfer Freibad ihre Bahnen. „Was hätte ich denn machen sollen?“ Hedwig Plass zuckt mit den Schultern. „Mich nur noch auf die faule Haut legen?“

Nein, ganz sicher nicht. Den ganzen langen Tag zu Hause auf der Couch, vielleicht auch noch mit der Fernebdienung in der Hand, kann man sich die 82-Jährige nun wirklich nicht vorstellen. Dafür ist sie viel zu quirlig. „Zum alten Eisen kann ich in ein paar Jahren auch noch gehören.“ Und um einen flotten Spruch im feinsten Wiener Dialekt ist sie sowieso nie verlegen.

Hedwig Plass gehört zu den fleißigsten Besuchern im Mühldorfer Freibad. „So oft es eben geht bin ich da, auch wenns mal regnet. Mir ist das Wasser eher zu warm als zu kalt.“ Und so zieht sie im Schwimmerbecken ihre Bahnen – langsam und bedächtig und gut zu erkennen an dem gelben Schwimmreifen, der filzbestift ihren Namen trägt. Er hält sie über Wasser, falls der rechte Bein mal wieder aussetzt, der mit der künstlichen Hüfte. „Einmal musste mich der Jürgen schon rausziehen, mein Lebensretter“, erzählt sie und schmunzelt. „War aber nicht weiter schlimm.“ Lebensretter Jürgen Lübke ist Bademeister im Mühldorfer Freibad. „Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich überhaupt noch schwimmen kann.“ Nicht nur, weil er ihr das eine Mal geholfen hat, sondern vor allem, weil er ihr das Schwimmen wieder beigebracht hat.

Denn hinter der älteren Dame mit dem gelben Reifen steckt auch eine Geschichte vom Hinfallen und wieder Aufstehen. Vor zwei Jahren hatte Hedwig Plass einen Autounfall. Ein Lastwagen drängte ihren roten Panda von der Straße ab, der Fahrer war alkoholisiert. Der 20 Jahre alte Fiat landete im Graben – und Hildegard Plass konnte sich kaum mehr bewegen: eine gebrochene Hüfte, fünf gebrochene Rippen, ein kaputter Meniskus. Drei Wochen lag die gebürtige Wienerin im Mühldorfer Krankenhaus, dann ging es zur Reha.

Wieder im Freibad konnte sich Hedwig Plass alleine nicht mehr über Wasser halten: „Ich bin einfach abgesoffen. Meine Beine wollten einfach nicht mehr.“ Für die Österreicherin brach eine kleine Welt zusammen: „Ich schwimme doch für mein Leben gern. Das wollte ich nicht aufhören.“ Also nahm sie Schwimmunterricht, trainierte mit Jürgen Lübke zunächst im Frei-, später im Hallenbad – und machte nicht nur im Wasser Fortschritte. „Meinem Rücken geht es seitdem besser und ich kann wieder ohne Stock gehen.“

Lesen Sie mehr am morgigen Donnerstag im Mühldorfer Anzeiger

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