Das Model aus Ampfing

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In unterschiedliche Rollen schlüpfen und den Anweisungen der Fotografen zu folgen - für Yvonne Schwippl längst Routine.

Ampfing/München - Ganz oder gar nicht - halbe Sachen gibt es bei Yvonne Schwippl (23) nicht. Und diese Einstellung hat sie schon des Öfteren vor die Wahl gestellt.

Ob die letzte Entscheidung die richtige war, darüber denkt sie nicht nach. Der Sieg bei der zweiten Staffel "Model WG" bestätigt sie.

Die Skyline taucht ein in die Dunkelheit, ringsum erleuchten die Hochhäuser den Nachthimmel. Drei junge Frauen warten auf einer Terrasse hoch über den Dächern von New York gebannt auf die Entscheidung eines Mannes, von Model-Agent Peyman Amin. Es ist kalt und es nieselt. Yvonne Schwippl möchte die Entscheidung so schnell wie möglich hinter sich bringen, wer Siegerin der zweiten Staffel "Model WG" wird. Gerechnet hat sie mit dem Sieg ohnehin nicht. Doch das sollte anders kommen. "Ich hatte das zunächst nicht umrissen, schließlich hatte ich vorher die Entscheidung schon abgehakt", sagt Yvonne Schwippl. Gedanklich hatte sie längst ihre Freundin und Konkurrentin Mira als Siegerin gesehen.

Die Einladung zum Castingzur Fernsehsendung kam für die gebürtige Frau aus Ampfing überraschend, die Zusage erst zwei Wochen vor Drehbeginn. "Ich hatte etwas gemischte Gefühle. Immerhin hatte ich noch keine Erfahrung mit Fernsehen", erzählt Yvonne Schwippl. Weil sie "nichts zu verlieren hat", lässt sie sich auf dieses Abenteuer ein. Vier Wochen ist sie Mitglied der "Model WG" in Berlin, ist bei Dreharbeiten in London, Hamburg, Paris. In Abu Dhabi absolviert sie bei 50 Grad ein Fotoshooting in Stiefeln und Jacken. Von dort geht es direkt nach New York und zur Entscheidung.

Mit ihrer Karriere als Model hat Yvonne Schwippl vor vier Jahren begonnen. Zum ersten Mal hat sie ein Fotograf auf der Straße angesprochen, da war sie gerade 13 Jahre alt. Zu jung fühlte sie sich damals, außerdem wollte sie zuerst die Schule beenden und eine Ausbildung abschließen. Erst sechs Jahre später fängt sie parallel zu ihrem Job als Bürokauffrau mit dem Modeln an.

"Im ersten Moment dachte ich: Jetzt geht's los. Aber mit der ersten Absage bin ich schnell in der Realität angekommen", erinnert sich die junge Frau, die in München lebt. Verbissen wird sie dadurch nicht, sondern nur lockerer. Und das schlägt sich auch auf ihre Ausstrahlung aus. Mit ihrem Lächeln wirkt die Dunkelhaarige unbekümmert und fröhlich. Mittlerweile zählen Escada und Strenesse zu ihren Kunden.

Der fröhliche Gesichtsausdruck kann sich aber schnell ändern - dann, wenn es so gewünscht ist. Während ihre Mutter sie in solchen Situationen kaum wiedererkennt, ist es für Yvonne Schwippl nur ein Rollenspiel. "Das Styling macht viel aus. Ich fühle mich dadurch anders, kann mich besser in die Rolle hineinversetzen", sagt sie.

An ihren ersten Auslandsaufenthalt kann sie sich noch gut erinnern. Ein Monat lang versuchte sie in Mailand ihr Glück. Mit Horden anderer junger Frauen hastet sie in flachen Schuhen durch die Stadt, noch schnell ein Blick in den Spiegel vor dem nächsten Casting und rein in die hohen Schuhe. "Die Termine sind immer so knapp, dass man gar nicht pünktlich kommen kann", erzählt die junge Frau. Ihr Fazit nach dieser Zeit fällt eher "mittelmäßig aus".

Oft steht sie am Wochenende vor der Kamera oder nimmt kurzfristig Urlaub, um Termine wahrzunehmen. "Beruf und modeln - die Zeit war anstrengend, aber ich habe diese Entscheidung nie bereut", erzählt Yvonne Schwippl. Die Doppelbelastung gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Als die Aufträge immer mehr werden, entscheidet sie sich voll und ganz für das Modelleben. Der Erfolg bei "Model WG" bestätigt ihren Schritt.

Ob sie auf ihre Ernährung achtet? Auf diese Frage hin lacht sie nur. "Es wär gelogen, wenn ich nicht darauf achten müsste", erzählt sie. Aber ganz sind Hamburger oder Süßigkeiten auch für sie nicht passé. "Bei meinen Eltern gibt es eine Schublade voll mit Süßigkeiten. Daran kann ich einfach nicht vorbei gehen."

Der Koffer steht bei Yvonne Schwippl immer griffbereit. Ständig in Bewegung sein, zum Model-Leben gehört das unweigerlich dazu. Doch die junge Frau ist das schon seit ihrer Jugend gewohnt. Sie geht in München zum Balletttraining. Bereits als Kind hatte sie es geschafft, bei der Heinz-Bosl-Stiftung aufgenommen zu werden, die klassische Balletttänzer ausbildet. Doch der Traum als Balletttänzerin zerplatzt. "Das war mein Lebensziel, aber ich bin zu groß", sagt Yvonne Schwippl. Zehn Zentimeter wächst sie über ihren Traum hinaus, ihre Spitzenschuhe hängen seitdem im Schrank. "Halbe Sachen, das funktioniert nicht."

hi/Mühldorfer Anzeiger

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