Verhandlung am Amtsgericht Mühldorf

Tiermisshandlung? Prozess gegen Hundezüchter

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Mühldorf - Wegen der mutmaßlichen Misshandlung mehrerer Hunde musste sich ein Züchter vor Gericht verantworten. Im Prozess ging es auch um die Frage, wann ein Hund leidet.

Anfang 2014 waren angebliche Missstände im Betrieb eines Mettenheimer Hundezüchters publik geworden. Das Mühldorfer Wochenblatt hatte unter Berufung auf einen anonymen Informanten über angeblich unhaltbare Zustände berichtet. In etwa zur selben Zeit war auch das Veterinäramt, das den Züchter schon zuvor über Jahre routinemäßig immer wieder kontrolliert hatte, aktiv geworden. Im März und April 2014 kontrollierten Experten des Veterinäramts und des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit das Anwesen des Züchters - und wurden mutmaßlich fündig. Der Züchter bekam einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte. Am Montag kam es deshalb am Amtsgericht Mühldorf zu einer öffentlichen Hauptverhandlung.

Hund mit Juckreiz nicht zum Tierarzt gebracht?

Laut Anklage waren vier Hunde verhaltensauffällig, zeigten ein sogenanntes Angst- und Meideverhalten. Ein weiterer Hund soll an einem Juckreiz gelitten haben, gegen den der Angeklagte trotz Aufforderung durch das Veterinäramt nichts unternommen haben soll. Die Staatsanwaltschaft warf ihm deshalb Tiermisshandlung in fünf tateinheitlichen Fällen vor.

Vor Gericht wies der 55-Jährige die Vorwürfe zunächst von sich. Vermeintliche Verhaltensauffälligkeiten der Hunde erklärte er damit, dass es nach den Berichten über die angeblichen Missstände bei ihm "richtig rundgegangen" sei. Seine Hunde (damals 38 erwachsene Hunde und zehn Welpen) hätten viel Platz gehabt und miteinander spielen und scherzen können. Zudem verwies der Angeklagte darauf, dass bei vorherigen Kontrollen nichts beanstandet worden sei. Den starken Juckreiz bei einem seiner Hunde habe es schlicht nicht gegeben.

Wann leiden verhaltensauffällige Hunde?

Eine Vertreterin des Veterinäramts, die als Zeugin gehört wurde, zeichnete ein ganz anderes Bild. "Fast im gesamten Bestand" habe es Verhaltensauffälligkeiten gegeben, so die Expertin. Besonders auffällig war aber das Verhalten der vier in der Anklage erwähnten Hunde. Nach Einschätzung der Amtstierärztin waren diese einfach nicht an Menschen gewöhnt, zeigten ein unterwürfiges Verhalten, duckten sich und ließen sich nicht oder nur schwer von Menschen berühren oder für eine Untersuchung fangen. Hunde mit einem solchen Verhalten sind der Expertin zufolge schlecht oder gar nicht sozialisiert. Ihnen droht ein Leben in Angst und Schrecken. "Ein Welpe, der in einer reizarmen Umgebung aufwächst, wird immer Angst haben", so die Zeugin, die nicht ausschloss, dass solche Hunde ein Leben lang unter ihrer mangelhaften Sozialisation leiden werden.

Richter Florian Greifenstein setzte sich ausführlich mit den Erläuterungen der Zeugin auseinander, meldete letztlich aber Zweifel an, ob bei den vier Hunden ein direktes Leiden erwiesen werden kann. Ob Verhaltensauffälligkeiten an sich schon ein Leiden seien, sei eine "etwas knifflige Frage", so der Richter. In einem Rechtsgespräch verständigten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung deshalb darauf, die Strafverfolgung auf den Hund mit dem Juckreiz zu beschränken.

Angeklagter zu Geldstrafe verurteilt

Die Anzeichen für den Juckreiz dieses Hundes waren für die Amtstierärztin eindeutig. "Er hat sich quasi an allem, was sich ihm geboten hat, gekratzt." Anders als vom Veterinäramt gefordert, sei der Angeklagte mit dem Hund aber nicht zum Tierarzt gegangen. Nur dort hätte die Ursache für den Juckreiz abgeklärt werden können. Knapp zwei Monate später, bei der zweiten Kontrolle, hatte der Hund nach Aussage der Zeugin noch immer einen Juckreiz. Dass er über all die Wochen buchstäblich gelitten hat, ist für die Zeugin klar.

Den Vorwurf, einen Hund mit einem Juckreiz nicht zum Tierarzt gebracht zu haben, räumte der Angeklagte schließlich ein. Im Rechtsgespräch hatte das Gericht zuvor im Falle eines Geständnisses eine Geldstrafe im Korridor von 20 bis 40 Tagessätzen in Aussicht gestellt. Nach dem Geständnis des 55-Jährigen musste die Beweisaufnahme nicht weiter fortgesetzt werden, nach kurzen Plädoyers verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen à 20 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Anklage und Verteidigung haben die Rechtsmittel der Berufung und der Revision.

Verbleib der Hunde ist unklar

Die Hundezucht in Mettenheim gibt es schon lange nicht mehr, Hunde hält der Angeklagte nach eigener Aussage auch keine mehr. Schon bei der zweiten Kontrolle 2014 befanden sich deutlich weniger Hunde auf dem Gelände als zuvor, bald darauf waren alle weg. Wo die Hunde jetzt sind, kann das Veterinäramt nicht nachvollziehen, die eigentlich obligatorischen Unterlagen über den Verbleib der Hunde kann der 55-Jährige nicht vorweisen. Der Angeklagte selbst gab vor Gericht an, manche Hunde weggegeben zu haben. Einige Hunde seien aber "auf einmal" weg gewesen. Der 55-Jährige behauptete, Tierschützer hätten sie weggeholt als er nicht zuhause war. "Da kann man nur hoffen, dass die jetzt in guten Händen sind", sagte Richter Greifenstein.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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