Die Anwohner und der Bürgermeister sind sauer

Fluglärm sorgt für Ärger in Mettenheim

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Richard Obermaier zählt zu den lärmgeplagten Mettenheimern. Der Landwirt und Gemeinderat ist aber froh, dass er dank des "Lärmschutzwaldes" wenigstens von den Starts nichts mitbekommt.
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Mühldorf/Mettenheim - Der Mühldorfer Flugplatz sorgt erneut für Diskussionstoff: Die Anwohner ärgern sich über die Lärmbelastung, Mettenheims Bürgermeister Schalk ist sauer.

Spektakulär sind sie, die Kunstflugmanöver der Pilotin Yvonne Schönek, laut sind sie aber eben auch. Ebenso gehen die Flüge der beiden Flugschulen sowie die Freizeit- und Geschäftsflüge am Mühldorfer Flugplatz nicht geräuschlos vonstatten. Alle Maßnahmen des Fliegerclubs, wie das teure Umrüsten auf lärmärmere Motoren und Auspuffe, sind in den Augen einiger Anwohner nicht ausreichend.

Ultraleichtflieger entnervt Landwirt

Richard Obermaier etwa hätte eigentlich großes Glück mit seinem Hof in Eibelsgrub 1. Das Anwesen liegt in einem dünn besiedelten Fleck der Gemeinde Mettenheim, ringsherum sieht man fast nur Bäume und Wiesen. In der Nähe gebe es keine größere Straße und auch von der Autobahn höre man so gut wie nichts, erzählt Obermaier. "Wenn die Melkmaschine aus ist, hört man nichts, nur ein paar Vögel. Das ist schon schön", schwärmt der Landwirt, zugleich Gemeinderat in Mettenheim.

Regelmäßig allerdings wird es laut über Eibelsgrub 1. Richtig laut, wie Obermaier findet. Wenn die Ultraleichtflugschule unterwegs sei, um Starts und Landungen zu üben, drehe der Flieger eine kleiner Runde, deutlich kleiner als die Platzrunde, und komme genau an seinem Grundstück vorbei. "Nach sechs bis sieben Minuten ist er wieder da. Das macht der dann 20 mal." Der Flieger brauche alleine zwei Minuten, bis er wieder weg ist. "Da steht man schon mal draußen und denkt sich: Da wäre es toll, wenn dir dein Sprit ausgehen würde."

"Wie das heult in meinem Hof!"

Auch bei ihm zuhause in der Mettenheimer Ortschaft Lochheim seien die Anwohner lärmgeplagt, erzählt Alois Lechner. Er selbst wohne nicht einmal einen Kilometer vom Flugplatz entfernt, so der Landwirt. "Es ist aufreizend laut." Hauptlärmbelastung ist für den 62-Jährigen der Kunstflug von Yvonne Schönek. "Das können Sie sich gar nicht denken, wie das heult in meinem Hof!" Vom Fliegerclub fühlt sich Lechner nicht wirklich ernst genommen: "Die machen die Lärmbelästigung auf Kosten der Bevölkerung." Der Lochheimer ist außerdem überzeugt, dass sich die Flieger nicht immer an die Vorgaben hielten.

Beide lärmgeplagten Anwohner haben aber durchaus Verständnis für die Piloten, auch für die Kunstfliegerin aus Taufkirchen an der Vils. "Ich stelle mich zwei, drei Minuten raus, wenn die Kunstfliegerin fliegt. Das ist schon eine Leistung", lobt etwa Obermaier und Lechner betont: "Die Yvonne Schönek hat sich sehr zurückgenommen. Das muss man schon sagen." Schönek fliegt seltener als früher ihre Manöver direkt über dem Flugplatz, darf dies derzeit nur zehn Minuten pro Woche tun.

Anwohner wünschen sich Entgegenkommen

Obermaier versteht auch die Notwendigkeit der Übungsflüge mit den Ultraleichtfliegern, vom Landwirt aufgrund der Geräuschkulisse als fliegende Rasenmäher bezeichnet. Dass die Ultraleichtflugschule eine kleine Runde dreht, um möglichst viele Starts in kurzer Zeit üben zu können, leuchtet Obermaier ein. Der Landwirt aus Eibelsgrub betont aber auch, dass er selbst noch Glück hat, weil er von den Starts am Flugplatz nicht wirklich etwas mitkriegt, schließlich befinden sich zwischen seinem Hof und dem Fluggelände jede Menge Bäume, von Obermaier gerne "Lärmschutzwald" genannt.

Gespräche mit dem Fliegerclub habe es schon viele gegeben, erzählt der Gemeinderat. Eine regelmäßige Runde einmal im Jahr habe sich aufgelöst, weil die Beschwerden der Anwohner nicht weniger wurden. Obermaier wünscht sich vom Fliegerclub einen konkreten Vorschlag zur Entlastung der Anwohner, als "Zeichen guten Willens", wie der Landwirt sagt. Konkret schwebt Obermaier eine Art Mittagsruhe an Sonntagen vor, in welcher auf Starts verzichtet wird.

"Sie gehen auf uns nicht zu", ärgert sich Alois Lechner. Ein Zeichen des guten Willen würde auch der 62-Jährige begrüßen - dieses Zeichen müsste aber von Dauer sein. Wenn man in der Vergangenheit mit dem Fliegerclub geredet habe, sei es eben immer nur kurzzeitig besser geworden.

Bürgermeister Schalk: "Die Anwohner sind stinksauer"

Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk

Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk kennt die Klagen. "Die Anwohner sind stinksauer, weil sich niemand an die Vorgaben hält." Den Piloten nehme es keiner ab, dass sie nur zehn Minuten über den Flugplatz fliegen. Die Gemeinde ist immer wieder in Kontakt mit dem Luftamt Südbayern. Doch er weiß auch, dass das Problem schwer in Griff zu kriegen ist. "Die Flieger sagen, dass sie nicht zu viel fliegen. Die Anwohner sagen aber etwa anderes."

Miteinander reden hält Bürgermeister Schalk für wichtig, aber: "Es braucht spürbare Verbesserungen." Es helfe nichts, bei Versammlungen Argumente auszutauschen, welche die Gegenseite nicht einsehe. Auch der Gemeinderat hatte es initiiert, jährlich ein Treffen mit dem Fliegerclub abzuhalten. "Doch dabei wurden nur Meinungen ausgetauscht, passiert ist nichts." Der Fluglärm sei auch regelmäßig Thema im Gemeinderat: "Gebracht hat es nichts, die Zeit kann man sich daher auch sparen", klagt Schalk.

"Der Flugplatz wird immer ein Problem bleiben"

Die Übungen der Kunstfliegerin würden zwar spektakulär aussehen, doch es macht keinen Spaß, wie "der Motor jault". Stefan Schalk würde es daher begrüßen, wenn Flugübungen nur über unbewohnten Gebieten durchgeführt werden. "Ich habe nichts dagegen, wenn die Flugzeuge starten und dann weiterfliegen. Es ist nur blöd, wenn diese Übungen gemacht werden."

Bei den Anwohner jedenfalls sind die Zweifel groß, dass sich eine langfristige Verbesserung einstellt. "Es wird schon 20 Jahre geredet. Passiert ist gar nichts. Man sieht keinen guten Willen", sagt etwa Alois Lechner und Richard Obermaier befürchtet: "Der Flugplatz Mößling wird für Mettenheim immer ein Problem bleiben."

bla/redis24, hi/Mühldorfer Anzeiger

Aus unserem Archiv: Kunstfliegerin Yvonne Schönek im Interview

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