Kundenzentrum und Arbeitsplätze in Gefahr

Mühldorf - Das Kundenzentrum der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung ist in Gefahr, wenn eine geplante Bundesträgerlösung kommt. Es stehen rund 100 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Die Verantwortlichen fürchten eine weitere Zentralisierung.

Bundestagsabgeordneter, Landrat und Bürgermeister sind einmütig für den dezentralen Vor-Ort-Service und Standorterhalt im Falle einer Bundesträgerlösung. Zwar steht ein Gesetzesentwurf noch aus, wird aber für Mitte des Jahres erwartet, dennoch dürfte auch das Kundenzentrum in Mühldorf von den Plänen eines Bundesträgers für die Landwirtschaftliche Sozialversicherung (LSV) betroffen sein.

Georg Huber, Landrat von Mühldorf, hat es auf den Punkt gebracht: "Ich befürchte, die Kosten steigen und die Menschen werden dabei vergessen", prognostizierte er die Folgen einer noch weitergehenden Zentralisierung in der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung."

Personalvertretung und Geschäftsführung der LSV-Träger Franken und Oberbayern luden ihn sowie Bürgermeister Günther Knoblauch und den Mühldorfer Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer zu einem Gespräch über die geplante LSV-Bundesträgerlösung ein. Mit dabei in der Runde waren auch Oberbayerns BBV-Präsident Max Weichenrieder, Landesbäuerin und Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl, BBV-Kreisgeschäftsführer Matthias Niederer sowie BBV-Kreisobmann und Mitglied der LSV-Vertreterversammlung, Otto Baumgarten.

Fast 100 Personen sind derzeit in Mühldorf bei der LSV beschäftigt, viele stammen selbst aus landwirtschaftlichen Betrieben der näheren Umgebung. Rund 50.000 Versicherte werden vom Kundenzentrum aus versorgt, 3000 Unfälle pro Jahr werden hier bearbeitet sowie 12.000 Rentenempfänger betreut: "Landwirte bevorzugen das persönliche Gespräch. Die Meisten mögen nicht so gern telefonieren", berichtete Theresia Hinterberger, die im Kundenzentrum die erste Anlaufstelle für Fragen und Anliegen aller Art ist.

Dass diese Arbeit nur mit einer Präsenz in der Fläche und vor Ort sinnvoll möglich ist, darin waren sich alle am Gespräch Beteiligten schnell einig. Nicht zuletzt aus dieser Erkenntnis heraus hat der Gesetzgeber kürzlich gefordert, vor Ort Pflegestützpunkte einzurichten - zusätzlich zu einer zentralen Telefonberatung. Dass der Vor-Ort-Service sehr gut angenommen wird, bestätigte auch Robert Scheitler, Pflegeberater der Land- und Forstwirtschaftlichen Pflegeversicherung. 1200 Beratungsgespräche in einem Jahr, darunter viele direkt zu Hause bei Versicherten, sprechen eine eindeutige Sprache.

Hintergrund für die kürzlich vom Deutschen Bauernverband ins Rollen gebrachte erneute Diskussion um einen Bundesträger war ein Streit zwischen den Ländern um den finanziellen Lastenausgleich in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat inzwischen ihre Zusage zu einer nur abgestuften Kürzung der Bundesmittel von derzeit 200 Millionen Euro in diesem Bereich um jährlich 25 bis auf dann 100 Millionen Euro ab 2012 von der Schaffung eines einheitlichen Bundesträgers abhängig gemacht.

Auch dahinter steht letztlich die Unzufriedenheit über die anhaltende Diskussion über den Lastenausgleich zwischen dem Norden und Osten auf der einen Seite und dem Süden Deutschlands auf der anderen Seite. Aufgrund unterschiedlicher Strukturen (vor allem der höheren Versichertenzahlen und der kleineren Hofgrößen) muss der Süden wesentlich höhere Aufwendungen für alte Unfallrenten (sogenannte Alte Last) aufbringen als die übrigen Regionen Deutschlands. Als Solidaritätsbeitrag fließen deshalb beim Lastenausgleich jährlich Finanzmittel von Nord und Ost nach Süd. Ein einheitlicher Beitragsmaßstab - so die Überlegung der Bundesträger-Befürworter - macht den Lastenausgleich überflüssig. Wie sich das allerdings auf die Beitragshöhe für die einzelnen Regionen auswirken würde, ist derzeit noch unklar. Deshalb hat der LSV-Spitzenverband Professor Enno Bahrs, Universität Hohenheim, beauftragt, hierzu ein Gutachten zu erstellen, das erst noch abgewartet werden muss.

Ein Vorschlag ging dahin, auf der nächsten Tagung der Landräte mit denjenigen ein Gespräch zu suchen, in deren Verwaltungsgebiet sich ein LSV-Träger beziehungsweise ein Kundenzentrum befindet. Weiter soll über das Büro von Stephan Mayer ein Gespräch zwischen den Vorständen der beiden LSV-Träger in Bayern und dem zuständigen Arbeits- und Sozialministerium in Berlin vermittelt werden. Landesbäuerin Biechl meinte dazu, man müsse auch über den BBV auf den DBV einwirken, um letztlich eine versicherten- und selbstverwaltungsnahe Ausgestaltung der künftigen LSV-Organisationsstruktur zu erreichen.

sb/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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