Mehr Platz für Entwicklung

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Im Franziskushaus in Au am Inn und in der Stiftung Attl erhalten behinderte Kinder und Jugendliche die Zuneigung und den Raum für ihre Entwicklung, die sie andernorts oft nicht bekommen können. Durch einen Neubau sollen in Au zusätzliche Therapieräume und in Attl mehr Therapieplätze geschaffen werden.

Rosenheim/Mühldorf - Heuer macht die OVB-Weihnachtsaktion Hilfe für diejenigen möglich, die sich selber nicht helfen können: "Leser helfen behinderten Menschen" lautet das Motto.

Den Kindern und Jugendlichen, die im Franziskushaus Au am Inn und in der Stiftung Attl betreut werden, soll durch die Spenden ein würdiges Leben in einem für sie geeigneten und liebevollen Umfeld ermöglicht werden.

Die 23 kleinen Bewohner des heilpädagogischen Kinderheims Haus Maria des Franziskushauses in Au am Inn haben Hilfe der Heimatzeitung besonders nötig. Die Kinder sind momentan noch in einem denkmalgeschützten Haus in Gars untergebracht. Die meisten der Bewohner haben neben ihrer primären geistigen Behinderung eine Doppeldiagnose. Wegen tiefgreifender Entwicklungsstörungen, massivsten Verhaltensauffälligkeiten oder Aggressionen sind sie in den meisten der oberbayerischen Betreuungseinrichtungen nicht mehr tragbar. "Oft kommen die Kinder schwer sediert und manchmal sogar fixiert zu uns", erklärt Heimleiter Peter Thomas. "Wir versuchen, den Kindern ein Leben ohne Medikamente zu ermöglichen, ihnen einen Platz zu geben, an dem sie sich geborgen fühlen und sich ihren Möglichkeiten entsprechend entwickeln können."

Das Problem: Die wenigen Plätze der Einrichtung sind begehrt und die ohnehin schon langen Wartelisten werden immer länger. Die Mitarbeiter des Heims arbeiten seit Jahren an ihrer Kapazitätsgrenze. Die Heimaufsicht, angesiedelt bei der Regierung von Oberbayern, fordert nun, angesichts stetig steigender Bedarfszahlen, eine räumliche Vergrößerung des Heims. "Aber die angemieteten Räume in Gars können wir aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht umbauen", klagt Geschäftsführer Haslberger. Und das Kloster Au, in dem die übrigen Einrichtungen des Franziskushauses untergebracht seien, platze ohnehin aus allen Nähten. "Uns bleibt nur ein Neubau", fasst es Haslberger zusammen.

Seit Herbst 2008 laufen in Au nun die Planungen für die neue Unterkunft der Kinder. Die veranschlagten Kosten liegen bei rund drei Millionen Euro. Trotz staatlicher Zuschüsse fehlen 839000 Euro. Haslberger: "Die muss das Kloster nun über Spenden, Kredite oder das Anzapfen seiner Substanz aufbringen." Scheitert der Plan, macht die Regierung von Oberbayern ernst: Das Heim wird geschlossen, die Kinder stehen auf der Straße.

Das Problem der wachsenden Wartelisten kennt auch die Stiftung Attl. "Hinter jeder Ablehnung, die wir an die Eltern von mehrfachbehinderten Kindern schicken müssen, steckt aber ein persönliches Schicksal", macht Herbert Prantl-Küssel, der verantwortliche Bereichsleiter, deutlich.

Ab sechs Jahre nimmt die Stiftung Attl Kinder auf, in der Regel dann, "wenn es in den Familien einfach überhaupt nicht mehr geht." Kinder, die zu ihrer geistigen Behinderung hoch aggressiv sind und andere psychische Auffälligkeiten zeigen, brauchen einfach 24 Stunden am Tag intensive Fachbetreuung. "Das können Eltern irgendwann nicht mehr leisten", so der Pädagoge. Rund 40 Anfragen pro Jahr erreichen die Stiftung, Platz ist aber nur für durchschnittlich drei neue Kinder. Dazu kommt, dass das Gebäude, in dem die derzeit 24 Betreuten untergebracht sind, eigentlich nicht für Kinder genehmigt ist.

Daher liegt seit längerem ein Neubauplan auf dem Tisch von Stiftungs-Direktor Wolfgang Slatosch. 30 Plätze für Kinder möchte man in Attel künftig anbieten, in kleinen Gruppen will man sie intensiv fördern und betreuen. Doch bisher führte kein Weg zur Finanzierung der Maßnahme. Denn: Ein Drittel der rund 4,5 Millionen Euro muss die Stiftung selbst aufbringen, um an staatliche Fördermittel zu kommen.

Wolfgang Slatosch und seine Mitarbeiter setzen daher genau wie die Verantwortlichen in Au große Hoffnung in die Hilfsbereitschaft der OVB-Leser. Die bekommen neben dem guten Gefühl, auf alle Fälle etwas Gutes getan zu haben: Mit jeder Spende über mindestens zehn Euro die Chance, einen neuen Ford Ka im Wert von 11200 Euro zu gewinnen. Das Auto stiftet das Autohaus Eder aus Kolbermoor.

Als Starthilfe überweist die OVB-Medienhaus-Stiftung 10 000 Euro: 5000 Euro auf das Sonderkonto der Stiftung Attl mit der Nummer 76877 und 5000 auf das Konto 76844 des Franziskushauses Au am Inn. Zahlscheine für die OVB-Aktion "Leser helfen behinderten Menschen" liegen unserer heutigen Ausgabe bei. Auch bei dieser OVB-Weihnachtsaktion sind alle Spenden steuerlich absetzbar. Bei Beträgen bis 200 Euro gilt der Überweisungsbeleg als Bescheinigung, bei höheren Summen werden entsprechende Quittungen verschickt.

zip/koe/Oberbayerisches volksblatt

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