Massive Kritik an Museumsleiterin

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Sieht sich derzeit heftiger Kritik ausgesetzt: Museumsleiterin Dr. Susanne Abel.

Mühldorf – Heftige Kritik üben die Mitarbeiter des Kreismuseums an Leiterin Dr. Susanne Abel. In einem internen Dossier werfen sie ihr mangelnden Führungsstil und fehlende Fachkompetenz vor.

Außerdem soll Abel einen mutmaßlichen Neonazi im Museum beschäftigt haben, der von dort aus ein rechtsradikales Internet-Forum gepflegt hat.

35 Seiten ist das Dossier stark, das dem Mühldorfer Anzeiger vorliegt. Unterzeichnet ist es von elf Mitarbeitern des Kreismuseums, die dort entweder fest angestellt, über einen Werkvertrag, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder ehrenamtlich tätig sind. Die Rede ist von fachlichen und sozialen Missständen im Kreismuseum, die Mitarbeiter würden zum Teil von Dr. Susanne Abel „psychisch gedemütigt“, heißt es weiter. Das Schriftstück enthält mehrseitige Erfahrungsberichte, die über Wochen hinweg angefertigt wurden, allerdings namentlich nicht zuzuordnen sind.

Pikant wird es vor allem auf Seite drei des Schriftstücks. Dort beschreiben die Mitarbeiter einen Vorfall, der sich im vergangenen Jahr abgespielt haben soll. Demnach hat Abel nach einem Vorstellungsgespräch einen neuen Mitarbeiter eingestellt, der aufgrund seiner äußeren Erscheinung eindeutig als Neonazi zu identifizieren gewesen sei. „Er hat T-Shirts mit rassistischen Aufdrucken getragen. Außerdem hatte er das Wort ‚Hass‘ auf den Fingergliedern tätowiert, wobei das Doppel-S im Stil der SS-Runen geschrieben ist“, bestätigten die Mitarbeiter gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger. Von Februar bis Oktober habe der Nationalsozialist im Museum gearbeitet und dabei unter anderem ein rechtsradikales Internet-Forum über die Dienstcomputer gepflegt. Bei einer Datensicherung durch das Landratsamt sei dies bemerkt worden, heißt es in dem Dossier. Das Beschäftigungsverhältnis des Ein-Euro-Jobbers endete im Oktober, weil er nicht mehr zur Arbeit erschien.

Darüber hinaus wollten sich die Mitarbeiter nicht äußern. Sie machten aber deutlich, dass sie an einer Weiterbeschäftigung interessiert sind. Bei einigen laufen die entsprechenden Verträge aus. Das Dossier landete in der ersten Juni-Woche zunächst als internes Papier in den Briefkästen der Stadtverwaltung, des Landratsamts und des Fördervereins Kreismuseum. Es enthält den Vermerk: „Da viele Mitarbeiter aufgrund der bereits vorgefallenen Ereignisse im Umgang mit Frau Dr. Abel betreffend ihres äußerst fragwürdigen Gemütszustandes sehr verängstigt und verunsichert sind, bitten wir um konsequente Unterstützung und um Mitarbeiterschutz ab dem 10. Juni.“ Bis 18. Juni erhielten die Mitarbeiter nach eigenen Angaben weder vom Landratsamt, noch von der Stadt, noch vom Förderverein eine Reaktion auf ihr Dossier.

Mittlerweile wurde das Papier nach Informationen des Anzeigers auch an zahlreiche Stadt- und Kreisräte weiter gereicht. Der Grund: Anfang Juli entscheidet der Kreistag über die Weiterbeschäftigung Abels.

Landrat Georg Huber wollte als oberster Dienstherr von Dr. Susanne Abel nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen: „Die Anschuldigungen sind so massiv, dass ich erst die internen Gespräche abwarten muss, ehe ich dazu etwas sage. Außerdem handelt es sich in weiten Teilen um personalrechtliche Angelegenheiten.“ Mit dem gleichen Hinweis gab auch Bürgermeister Günther Knoblauch keine Stellungnahme ab. Die Stadt teilt sich mit dem Landkreis die Kosten für das Kreismuseum.

Die Vorsitzende des Fördervereins, Eva Köhr, will ebenfalls erst ein klärendes Gespräch abwarten, das am 29. Juni mit allen Beteiligten stattfinden soll. Fachlich ist ihrer Meinung nach Dr. Susanne Abel über jeden Zweifel erhaben, auch seien in den Mitarbeiterbesprechungen nie derartig schwere Vorwürfe aufgetaucht. Von der angeblichen Beschäftigung eines Neonazis habe sie erst durch das Dossier erfahren.

Dr. Susanne Abel wollte sich zu den „internen Vorgängen“ nicht öffentlich äußern. „Sie können aber sicher sein, dass ich zu keiner Zeit rechtsradikale Umtriebe im Museum geduldet oder unterstützt habe.“

ha

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