Das Original: „Wishbone Ash“ im Haberkasten

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Knapp 200 Besucher waren gekommen, um sich selbst eine Meinung zu bilden.

Mühldorf - Der Retro-Boom in Sachen Musik treibt zuweilen bizarre Blüten. So gibt es momentan gleich zwei Bands mit dem Namen Wishbone Ash, die auf der Bühne jeweils ein Mitglied der Originalbesetzung stehen haben.

Zum einen ist das Andy Powell's Wishbone Ash, mit Ur-Asher Andy Powell an Gitarre und Gesang. Zum anderen gibt es Martin Turner's Wishbone Ash. Turner, mit mittlerweile 63 Jahren im fortgeschrittenen Rockstaralter, war Gründungsmitglied der Band und zeichnet als Komponist für viele der größten Hits der Band verantwortlich. Er spielt seit 40 Jahren auf seinem abgerockten weißen Gibson-Thunderbird-Bass und singt dazu, ebenfalls wie seit 40 Jahren, die meisten Leadvocals.

Zum einen ist das Andy Powell‘s Wishbone Ash, mit Ur-Asher Andy Powell an Gitarre und Gesang. Zum anderen gibt es Martin Turner‘s Wishbone Ash.

Bereits im Vorfeld des Auftritts im Mühldorfer Haberkasten gab es einmal mehr Diskussionen der Wishbone Ash-Fans darüber, welche der beiden Bands denn nun die "echtere" sei. Sogar eine Lesermeinung mit Warncharakter war auf der OVB-Online Seite zu finden.

Im Haberkasten hatte Martin Turner Dave Wagstaffe an den Drums, Ray Hatfield und Danny Willson an den Gitarren und Gesang im Gepäck. Knapp 200 Besucher waren gekommen, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Das sorgte für ein gutes Ambiente im Zuschauerraum und Punkt 20 Uhr erklang das wohl bekannteste Ash-Gitarrenriff, das Variationen über einen D-Moll Akkord setzt und "The King will come" einleitet. Die Fans jubelten, schon jetzt.

Und sie sollten auch im weiteren Verlauf auf ihre Kosten kommen. Kurze und witzige Ansagen zu "Rock'n'Roll Window", pardon: "Widow", halfen denjenigen Besuchern, die nicht alle Alben der Band im Kopf haben, dabei, die Titel in 40 Jahre Bandgeschichte einzuordnen. Solide Handarbeit einer Band, die voll und ganz überzeugte.

Egal, ob es die ganz großen Hits aus den 70ern und Alben wie "Argus" oder "Live Dates" waren oder neuere Stücke wie "In the skin" von Nouveau Calls, die Band klang authentisch und die Gitarristen waren bei bester Spiellaune.

Die erste Halbzeit verging wie im Flug: Turner & Co. packten bereits in dieser Phase des Konzerts die gesamte Bandbreite des Ash-Sounds auf die Bühne. Nach der Pause zeigte sich bei "Phoenix" die gesamte Ausdrucksstärke des Quartetts. Wie eine kleine Oper aufgebaut, mit allerlei verschiedenen Teilen und Tempi - wie Rhythmuswechseln - war das die pure musikalische Urgewalt einer Formation, die spätestens jetzt auch den letzten Zweifler davon überzeugt hatte, dass genau hier und jetzt die legitime Band Wishbone Ash aufspielte. Ehrlich, direkt, dynamisch und charismatisch. Mit allen wichtigen Songs: "Ballad of the beacon", FUBB, und - zum Ende - "Warrior", "Throw down the sword" und "Blowin' Free".

Dreistimmiger Gesang, kräftige Leadvocals auch von Hatfield und Willson, hätten bereits für ein fantastisches Konzert ausgereicht, aber im Laufe des Abends wurde zunehmend klar, dass der authentische Sound dieser Band besonders zwei Dinge braucht: Die unnachahmliche Stimme von Martin Turner mit allen ihren Facetten und seine typische Bassarbeit, die sich radikal von der aller anderen Bassisten von 1970 bis heute abhebt. Sie sind und waren immer das Rückgrat von Wishbone Ash.

Und während Andy Powell an diesem Abend wahrlich nicht vermisst wurde, kann ein Konzert ohne Martin Turners Stimme und Bass wohl niemals wie Wishbone Ash klingen.

Mühldorfer-Anzeiger

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