Lieber Kinder als Computer

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Schon ganz in ihrem Element: Anika Holz ist die neue Leiterin des AWO-Kinderhorts.

Mühldorf - Auf die neue Leiterin des AWO-Kinderhorts, Anika Holz, kommen wichtige Entscheidungen zu. Denn seit der Einführung der Ganztagesklassen an den Schulen sinken die Anmeldungen.

Ein neues Konzept soll diesen Trend stoppen.

Lebhaft geht es zu am neuen Arbeitsplatz von Anika Holz. Die Kinder kommen gerade aus dem Garten, Jacken wandern an die Haken, Mützen fallen. Und immer wieder ruft jemand: "Hallo, Anika, schau mal".

Vor zehn Wochen hat die Waldkraiburgerin die Nachfolge von Ingrid Kellner angetreten, die sich in den Ruhestand verabschiedet hat. "Schwer ist mir die Eingewöhnung nicht gefallen. Die Buben und Mädchen haben mich mit offenen Armen empfangen", erzählt die 25-Jährige. "Und der Trubel hier gehört einfach dazu."

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können für Anika Holz - ruhiger. "So seltsam sich das anhört: Kinder oder Computer, darauf lief es bei mir immer hinaus." Erst waren die Computer an der Reihe: Ein Semester lang studierte Anika Holz in Landshut Informatik - um schnell zu merken: "Das ist nix für mich."

Also meldete sie sich an der Fachakademie in Starkheim an und schloss 2009 die vierjährige Ausbilung zur Erzieherin ab. Ein Jahr lang war Anika Holz dann in einem heilpädagogischen Kinderheim bei Dorfen tätig, wo zwölf verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche ein Zuhause haben.

Eine spannende Zeit sei das gewesen, erzählt sie. "Sehr intensiv, sehr lehrreich, aber auch sehr anstrengend. Denn im Alltag des Heims werden die Erzieherinnen ganz automatisch zum Mutter-Ersatz." Nun wartet im AWO-Kinderhort eine neue Herausforderung auf sie: Anika Holz soll die Einrichtung in die Zukunft führen.

Denn das Konzept in seiner jetzigen Form mit Freizeit- und Hausaufgabenbetreuung für Schüler und Vorschulkinder konkurriert automatisch mit den Ganztages- und Betreuungsangeboten an Kindergärten und Schulen - was sich auch in Anmeldezahlen des Kinderhorts ablesen lässt. "Waren vor fünf Jahren noch alle Plätze ausgebucht, haben wir heute noch Kapazitäten frei", bestätigt Anika Holz. In Zahlen: 41 von 56 Plätzen sind derzeit belegt.

Deshalb macht sich die neue Leiterin schon reichlich Gedanken, wo der Kinderhort künftig seine Nische findet - als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden oder gerade entstehenden Betreuungsangeboten. "Die ersten Überlegungen gehen in Richtung einer integrativen Schülerbetreuung mit einem psychomotorischen Schwerpunkt", erklärt Holz. Völlig überraschend ist das nicht, schließlich absolviert die 25-Jährige gerade noch ein heilpädagogisches Aufbaustudium mit dem Schwerpunkt Psychomotorik.

In den nächsten Monaten will Anika Holz verstärkt den Kontakt zu den Schulen suchen und ausloten, wie viele Kinder mit einem erhöhten Förderbedarf für die Betreuung im AWO-Hort in Frage kämen. Doch schon nach den ersten Gesprächen sei klar: "Etwas in dieser Richtung fehlt in unserem Raum."

Spruchreif sei aber noch nichts, betont Anika Holz. "Wir werden erst einmal sehen, wie sich 2012 unsere Zahlen entwickeln." Wie die Entscheidung auch ausfällt, eines wird sich ganz sicher nicht ändern: Der Trubel, wenn die Kinder aus dem Garten kommen.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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