Leise und sehr sauber

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Roland Gerich mit dem ersten serienmäßigen Elektroauto, das Mühldorfs Autohändler anbieten. Es ist schnell, wendig, sehr gut ausgestattet und hat eine ordentliche Reichweite. Mit mehr als 34000 Euro allerdings ist es auch sehr teuer.

Mühldorf - Viele Jahrzehnte nach dem Adler, dem ersten Auto in der Stadt, sieht Mühldorf ein ganz neues Gefährt: Mit dem Mitsubishi "iMiev" rollt das erste serienmäßige Elektroauto durch die Straßen. Eine Probefahrt.

Der Vater mit den beiden Kindern dreht sich erstaunt um, der Briefträger auf dem Fahrrad eher ärgerlich. Sie tun das nicht, weil der "iMiev" ein aufsehenerregender Sportwagen wäre. Sie tun das, weil sie das Auto nicht gehört haben und zumindest der Briefträger einen Zusammenstoß nur knapp vermeiden konnte.

Wie ein Sportwagen wirkt der kleine Viersitzer mit dem leicht gewöhnungsbedürftigen Namen nur an der Ampel. Beim Tritt auf das - nun ja, Gaspedal kann man nicht mehr sagen - also beim Tritt auf das Fahrpedal steht dem Elektroauto sofort die volle Kraft und Beschleunigung zur Verfügung. Kein langsames Anfaren, der "iMiev" ist sofort da, bis gut 100 Stundenkilometer zieht er wunderbar durch. Wie ein richtiges Auto und sogar noch etwas besser. Für Autofans: 180 Newtonmeter bringt der "iMiev" von der ersten Sekunde an.

Nicht nur die Beschleunigung stimmt. Der Elektromobil ist ein richtiges Auto mit Klimaanlage, ABS und EBD, vier Türen und elektrisch verstellbaren Außenspiegeln. Der ADAC bescheinigt dem Auto gute Crash-Test-Werte. Überhaupt: Stünde auf seiner Außenhaut nicht in großen Lettern E-Mobil, ging er als ganz normaler Kleinwagen durch. So rollt der "iMiev" durch Mühldorf, ist äußerst wendig und hat eine gute, stabile Straßenlage. Vor der Stadt in Richtung Ampfing wird er dann etwas lauter: Ab 80 Stundenkilometern übertönen die Windgeräusche den nicht vorhandenen Motorlärm.

Wie weit der "iMiev" fährt, hängt vom Fahrer ab. Stets Vollgas, die Klimaanlage bis zum Anschlag aufgedreht, dazu Lichter und Radio eingeschaltet, zwingen schneller an die nächste Steckdose. 135 Kilometer gibt Mitsubishi als Reichweite an, realistischer sind wohl die gut 90, die der ADAC ermittelt hat. Sechs Stunden braucht der "iMiev" dann, um wieder zu Kräften zu kommen, aufgeladen an der heimischen Steckdose in der Garage.

Schneller ginge es mit dem Schnellladessystem, das in jedem "iMiev" eingebaut wird und das in Japan laut Mühldorfs Mitsubishi-Händler Roland Gerich bereits an Tankstellen oder in Parkhäusern vorhanden ist. In Europa und Amerika müssen sich Hersteller und Anbieter erst noch auf ein einheitliches System verständigen. Denkbar sei auch, sagt Gerich, die leere Batterie an der Tankstelle gegen eine geladene zu tauschen. "Das dauert drei Minuten, so lange wie ein normaler Tankvorgang." Klar wird aber: Es gibt in Europa noch keine Infrastruktur für Elektroautos. Dabei tun sie der Umwelt offensichtlich gut: Auf nur 100 Gramm je 100 Kilometer beziffert der ADAC den CO2-Ausstoß bei der Nutzung konventionell hergestellten Stroms, wer nur Öko-Strom nutzt, belastet die Umwelt lediglich mit sechs Gramm.

Der Energienachschub ist nicht das einzige Problem des Elektroautos. Es wird nämlich auf absehbare Zeit eher unerschwinglich bleiben. Über 34.000 Euro kostet der Kleinwagen, fast so viel wie ein A6 oder ein Fünfer BMW. Roland Gerich weiß, wie teuer das ist, auch wenn er betont: "Man bezahlt sozusagen die gesamte Energie, die das Auto verbraucht, vorweg." Denn der große Teil des Geldes kommt an der Steckdose zurück, weil die Batteriefüllung um ein vielfaches preiswerter ist als das Benzin an der Tankstelle. Der Akku ist der Kostentreiber, weshalb verschiedene Hersteller über Leasingmodelle nachdenken, sodass die Mehrkosten für die Batterien über mehrere Raten abgefangen werden könnten.

Bis dahin dürften die kleinen, leisen und sauberen Autos vor allem für die interessant sein, die sie aus Imagegründen einsetzen. Energieunternehmen und Verwaltungen, Verbände oder Firmen aus der Ökobranche.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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