Nur der Borkenkäfer jubelt

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Es staubt auf den Feldern im Landkreis, die Landwirte sehen es mit Sorge.

Landkreis - Trotz der vereinzelten Niederschläge in den vergangenen Tagen dürsten Raps, Mais und vor allem die Wiesen nach dauerhaftem Regen.

Nach dem zweitwärmsten April seit 1881 drohen auch in der Region den Landwirten starke Ernteeinbußen. Die Waldbrandgefahr steigt, auch die Bienen könnten unter der Trockenheit leiden. Nur einer freut sich über die Trockenheit: Der Borkenkäfer.

Der Borkenkäfer.

"Die Tiere werden nichts zu fressen haben", befürchtet Rupert Thaler, Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Töging. Der Boden sei vergleichbar trocken wie der in der Sahara. Trockenheit und warme Temperaturen dominierten im April. Seit Wochen hat es nicht ausreichend geregnet, die daraus resultierenden Folgen sind fatal.

Am stärksten betroffen ist das Grünland, all die Wiesen, die als Futtermittel unverzichtbar sind. "2011 ist das Wiesenwachstum um 50 Prozent geringer als noch im Jahr zuvor. Da die anstehende Futterernte mit enormen Kosten verbunden ist, wollen die Landwirte nicht ernten, weil der Ertrag zu gering ist. Sie befinden sich in einem Zwiespalt: Wenn es in den kommenden Wochen nicht ausreichend regnet, ist das Gras unbrauchbar", erklärt Thaler.

Auch der Raps werde in Mitleidenschaft gezogen. Ohne ausreichende Wasserversorgung fallen die Blüten ab, die notwendinge Schotenbildung bleibe dadurch aus. Die Hauptfrucht im Landkreis, der Mais, sei heuer schon wegen der warmen Witterung zu 95 Prozent ausgesät. Nun könne der Mais aber nicht auf der vollen Fläche keimen, er müsse letzte Wasserreste aus dem Boden ziehen. Demnach kann auch die Ernte nach den Worten Thalers nur noch gerettet werden, wenn der Regen innerhalb der nächsten Tage kommt.

Der einzige Vorteil der Trockenheit sei derzeit die ausbleibende Bodenerosion. Ein trügerischer Zustand, denn sobald der Regen einsetzt, werde die oberste Bodenschicht flächenmäßig abgetragen. "Weil dann kein Halt mehr auf dem steinharten, vertrockneten Untergrund besteht."

Nur der Borkenkäfer jubelt. Ab Ende April erwacht das Ungeziefer zum Leben. Da die Käfer Wärme und Trockenheit lieben, werde in diesem Jahr die dreifache Brutmenge erwartet als in den Jahren zuvor, erläutert Andreas Schlegel, Mitglied der Waldbesitzervereinigung Mühldorf. Ein Fest also für Buchdrucker und Kupferstecher, die gezielt in Fichten nisten. Als wäre das übermäßige Vorkommen nicht genug, fehlt auch den Pflanzen die Abwehrmöglichkeit. "Die Bäume befinden sich im Trockenstress und sind dadurch extrem geschwächt", weiß Schlegel. Nur bei ausreichender Bewässerung können sie ihr "Immunsystem", das Harz, produzieren und damit die Borkenkäfer bekämpfen. "In diesem Jahr werden 200, das ist in etwa ein Teelöffel voll, dieser Rüsselkäfer genügen, um eine ausgewachsene Fichte von 40 bis 60 Metern Höhe vollständig zu zerstören", sagt Schlegel.

Darüber hinaus erwarten auch die Imker Einbußen, wenn der Regen ausbleibt. "Der Nektar in den Pflanzen wird umso dicker, je trockener sie ist", berichtet Georg Wendlinger vom Bienenhof Aham. "Wenn es den Bienen zu warm wird, verlassen sie den Stock nicht mehr und fressen die angelegten Reserven, also unsere Honigwaben, wieder auf."

Die Regierung von Oberbayern sorgt sich unterdessen um ein anderes Problem. Inzwischen hat sie die Gefahrenstufe vier für die Waldbrandrisiko ausgerufen. Ab dieser Stufe kommt die Luftrettungsstaffel zum Einsatz, die in Oberbayern mit sieben Stützpunkten vertreten ist. Einer davon ist der Mößlinger Flugplatz. Zweimal täglich startet von dort seit 20. April ein Flieger, der über fünf Landkreise fliegt und gefährdete Gebiete auf Waldbrände hin untersucht. Die Flugbesatzungen stehen im Kontakt mit der Integrierten Leitstelle Traunstein und können zeitnah verdächtige Rauchentwicklungen weitergeben und bodengebundene Einsatzkräfte zum Brandort lotsen.

Laut der Wetterprognose für die nächsten Wochen wird sich die Situation kaum verändern: Durchgängig trocken, warm und ein Niederschlagsrisiko unter zehn Prozent.

sh/Mühldorfer Anzeiger

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