Leben wie im Mittelalter

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Zuschauermagnet auf Mittelalterfesten: Die Mitglieder des "Inn-Gsindl" spielen gerne das historische Sackspiel.

Mühldorf - "Inn-Gsindl" heißt der erste Mittelalterverein der Stadt. Ins Leben gerufen haben ihn Irena und Lea Lauxen zusammen mit Matthias Joas. 15 Mitglieder treffen sich regelmäßig und lassen gemeinsam eine längst vergangene Zeit aufleben.

Nein, Kartoffeln gibt es nicht, wenn sich Irena und Lea Lauxen um das Mittagessen kümmern. Schließlich landeten die ersten Kartoffeln erst nach der Entdeckung Amerikas in Europa. Viel zu spät für die 15 Mitglieder des Mittelaltervereins "Inn-Gsindl". Denn sie orientieren sich an einem für die Region markanten Datum. "Wir haben uns für die Zeit um 1322 entschieden, die Schlacht bei Mühldorf", erklärt Matthias Joas.

Eine Entscheidung mit Folgen: Alles, was die Gruppe um Irena und Lea Lauxen anpackt, soll schließlich historisch korrekt sein. Das betrifft nicht nur Essen und Besteck, sondern vor allem die Wahl der Kleidung oder Ausrüstung. Weil die finanziellen Mittel begrenzt sind, ist Handarbeit angesagt. "Wir teilen das auf", sagt Irena Lauxen. "Die Frauen nähen die Kleider, die Jungs zimmern Betten, Tische und Bänke."

Ein Zelt war die erste Anschaffung des Vereins, der eigentlich noch gar kein Verein ist. "Wir sparen erst noch für die Eintragung ins Register. Also sind wir offiziell nur eine Interessengemeinschaft", betont Irena Lauxen, die sich zusammen mit ihrer Schwester schon immer für Geschichte im Allgemeinen und das Mittelalter im Speziellen interessiert hat. "Irgendwann wollten wir auf den Mittelalterfesten nicht mehr in normalen Klamotten rumlaufen, sondern dazugehören", erinnert sich Lea Lauxen.

Zusammen mit Irena und einer Freundin begann sie zu recherchieren: In Büchern, im Stadtarchiv, im Internet. Mit Matthias Joas und ein paar Schulkameraden fanden sich immer mehr Gleichgesinnte, 15 Mitglieder zählt das "Inn-Gsindl" bereits. Tendenz steigend.

Guten Appetit: Bei Mittelalterfesten kommen nur historisch korrekte Speisen auf den Tisch.

In Selb nahm die Gruppe erstmals an einem Mittelalterfest teil. Eine tolle Erfahrung sei das gewesen. "Drei Tage ohne Uhr und ohne Handy, das ist richtig erholsam", schmunzelt Lea Lauxen. An die Herausforderungen des Mittelalters hätten sie sich schnell gewöhnt: "Im Fell schläft es sich besser als im Schlafsack. Und ein echter Gemüseeintopf nach altem Rezept schmeckt einfach unvergleichlich", schwärmt Matthias Joas. Da spiele es auch keine Rolle, wenn die Zubereitung einen halben Tag in Anspruch nimmt. "Zeit haben wir ja im Mittelalter genug."

Bauern, Handwerker, einfaches Volk stellen die Mitglieder des "Inn-Gsindls" dar. "Das ist wie im richtigen Leben. Unter dem Strich kommt das erst Mal am billigsten", sagt Joas. Das Emblem der Gruppe zeigt deshalb neben dem Salzburger Wappen auch die Werkzeuge der Bauern: Sense und Mistgabel.

Im nächsten Jahr wollen die Mittelalterfans am Burgfest in Burghausen teilnehmen. Außerdem suchen sie Kontakt zu anderen Mittelaltervereinen. Aber auch vor Ort will das "Inn-Gsindl" einiges bewegen. "Wir könnten zum Beispiel bei besonderen Stadtführungen in Mühldorf mitmachen", überlegt Irena Lauxen. "Oder einen echten Mittelaltermarkt am Haberkasten organisieren."

Bei aller Begeisterung für die Vergangenheit, versichern die Drei: "In Wirklichkeit sind wir ganz normal." Matthias ist Krankenpfleger, Irena Schülerin, Lea Studentin. "Und wir schlafen zu Hause auch nicht auf Strohballen."

Weitere Informationen zum Verein gibt es bei Irena Lauxen unter Telefon 08631/13522 oder im Internet.

www.inn-gsindl.de

ha/Mühldorfer Anzeiger

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