Nach 60 Jahren in den Ruhestand

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Nach 60 Jahren hat Michael Aimer als Mesner aufgehört: Als Dank für sein segensreiches Wirken zur Ehre Gottes überreichte ihm Pfarrer Paul Janßen im Rahmen eines Festgottesdienstes die Ehrenurkunde der Erzdiözese.

Schönberg - Selten war Michael Aimer (82) so gelassen in der Kirche, noch nie verlief die Weihnachtszeit so ruhig. 60 Jahre arbeitete er als Mesner, jetzt ist er im Ruhestand.

Am ersten Adventssonntag vor 60 Jahren hat alles begonnen. Von einem Tag auf den anderen hat er als 22-Jähriger das Amt von seinem Vorgänger übernommen. "Er ist am Samstag zu mir gekommen und hat gesagt, dass ich ab morgen den Mesner machen soll", erinnert sich Michael Aimer. Bedenken hatte er keine.

Schon über Jahre hinweg hatte er als Ministrant Einblicke erhalten und dabei viel über die Aufgaben gelernt. "Ich habe mir nicht viel dabei gedacht. Das lief ganz automatisch", erzählt er. Zur Routine wird die Arbeit, die Aufgaben gehen ihm leicht von der Hand. Hektisch wird es für ihn nur, wenn mehrere gleichzeitig ihre Gewänder suchen oder größere Kirchenfeste anstehen. "Dann ist immer mehr vorzubereiten", sagt er.

60 Jahre lang steht er jeden Sonntagmorgen auf, bereitet alles für den Gottesdienst vor. Bis zum ersten Adventssonntag: Aus gesundheitlichen Gründen hat er einen Schlussstrich unter das Mesner-Sein gezogen. ""Es ist mir schon schwergefallen, als ich aufgehört habe. Aber es hat keinen Sinn mehr gemacht", erzählt er. Die letzte Anspannung war, als er vor der Kirchengemeinde im Gottesdienst von Pfarrer Janßen mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet wurde. Die Ministranten schenkten ihm ein Bild mit den Namen aus den letzten 60 Jahren.

Entspannt sitzt Michael Aimer in seinem Sessel und erzählt von seiner Zeit als Mesner. Mit drei Pfarrern hat er zusammengearbeitet, vier Primizen gefeiert und Fahnenweihen erlebt. Diese lange Zeit bedeutet aber auch Einschränkungen: Für Sonntagsausflüge bleibt kaum Zeit, Michael Aimer fehlt in all den Jahren nur, wenn er krank ist. "Die Priorität war vorgegeben. So etwas funktioniert aber nur, wenn die Familie zusammenhält", sagt er.

Ohnehin nimmt die Kirche in Michael Aimers Familie einen hohen Stellenwert ein. Sein verstorbener Bruder war Pfarrer, seine Mutter kümmerte sich um den Blumenschmuck in der Kirche. Später hat er sich mit seiner Frau darum gekümmert, die Blumen zum Teil sogar im eigenen Garten gezogen. Zur Weihnachtszeit hat er einen Christbaum gesucht, anfangs sogar noch im Wald. Verständlich, dass auch seine beiden Söhne Ministranten waren.

Viel verändert hat sich in der Kirche, seit Michael Aimer als Mesner begonnen hat. Der Gottesdienst wurde vom lateinischen auf den deutschen umgestellt, Mädchen dürfen Ministrantin sein - seine Tochter durfte das noch nicht - und die Laiendienste wurden eingeführt.

Aufmerksam schweift sein Blick hin und her, wenn er eine andere Kirche betritt. Passen die Kerzenständer, sind die Altartücher ordentlich angeordnet? Nichts entgeht seinen Augen. In 60 Jahren hat sich das bei ihm eingeprägt. Michael Aimer kümmert sich in seiner Kirche nicht nur darum, dass alles passt. Auch in seiner Freizeit ist er aktiv für die Kirche. Als gelernter Schreiner zimmert er Ambo und ein Lesepult, das sich auch als Kerzenständer verwenden lässt.

Nach 60 Jahren erlebt er die Kirche von nun an aus einem ganz anderen Blickwinkel - von hinten. Nur beim Gottesdienst anlässlich seiner goldenen Hochzeit saß er auf den Kirchenbänken. Sonst spielte sich seine Arbeit hinter den Kulissen ab. Er genießt jetzt die Ruhe und Gelassenheit, hat wieder mehr Zeit für seine Frau. Dennoch wird ihn sein Amt als Mesner nicht so schnell loslassen: "Die Zeit und die Erinnerung daran kann ich nicht wegwerfen. Das wird eine Zeit dauern."

hi/Mühldorfer Anzeiger

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