Neonazi im Museum? Landrat nimmt Abel in Schutz

Mühldorf - Landrat Georg Huber hat Museumsleiterin Dr. Susanne Abel gegen Vorwürfe in Schutz genommen, sie habe wissentlich einen mutmaßlichen Neonazi im Kreismuseum beschäftigt.

Abel habe nichts von den rechtsradikalen Machenschaften des Ein-Euro-Jobbers gewusst. In der schriftlichen Stellungnahme der Pressestelle des Landratsamts, die gestern Nachmittag in der Redaktion des Mühldorfer Anzeigers einging, heißt es, Abel habe erst nach einem Urlaub am 25. August 2008 durch einen anderen Mitarbeiter erfahren, dass sich der 27-Jährige an einem Computer des Kreismuseums rechtsradikal betätigt habe: "Während der Abwesenheit von Frau Abel war zu keinem Zeitpunkt ersichtlich, dass er rechtsradikalen Aktivitäten nachgeht", steht in der Stellungnahme. Das Museum beendete laut Landratsamt das Arbeitsverhältnis mit dem Ein-Euro-Jobber am 8. September rückwirkend zum 1. September, weil der junge Mann wiederholt nicht zur Arbeit erschienen war.

Der Neonazi hatte seine Tätigkeit am 5. März 2008 begonnen und sich im Bewerbungsgespräch deutlich von seiner früheren Gesinnung distanziert. "Auf Nachfrage teilte er mit, dass er als Jugendlicher der rechtsradikalen Szene angehört, sich aber vor Jahren von dieser losgesagt habe", heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts. "Er teilte mit, dass er als Jugendlicher die größte Dummheit seines Lebens gemacht und sich habe tätowieren lassen." Diese Tätowierungen waren laut Landratsamt "keiner konkreten politischen Gesinnung zuzuordnen", seine Kleidung habe der anderer junger Leute entsprochen.

"Im Nachhinein gemachte Anschuldigungen (der Mitarbeiter, Anm. d. Red.) lassen jedoch nicht erkennen, dass Frau Abel hier ein vorsätzliches oder fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen ist, weil sie hätte erkennen müssen, welches Gedankengut der Bewerber in sich trägt."

Gleichzeitig weist das Landratsamt Vorwürfe zurück, nach Bekanntwerden der Klagen über den Führungsstil Abels untätig geblieben zu sein. Am 9. Juni habe es ein Gespräch zwischen Abel, dem Mühldorfer Stadtarchivar Edwin Hamberger und Michael Stadelmann, zuständiger Abteilungsleiter im Landratsamt, gegeben. Dabei habe sich heraus gestellt, dass ein Termin für ein weiteres Gespräch im Beisein der Fördervereinsvorsitzenden Eva Köhr erst am 29. Juni möglich sein werde. Stadelmann räumte gestern ein, danach keinen Kontakt zu den Mitarbeitern aufgenommen zu haben. Er betonte zugleich "die Intention, warum zu diesem Zeitpunkt Schuldvorwürfe gemacht werden, ist mehr als deutlich". Seine Aussage zielt offensichtlich auf die anstehende Verlängerung des Vertrags von Abel, über die der Kreistag am 10. Juli entscheidet.

Davor werden sich die Fraktionsvorsitzenden mit dem Verhältnis zwischen Abel und Mitarbeitern befassen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

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