Runter von der Couch und gemeinsam etwas tun

Repariertreff in Mühldorf: Neues Leben für kaputte Geräte

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Die zweite Chance – Wie „Wir gemeinsam“ Waschmaschine und Co. vor dem Aus rettet.
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Landkreis -  Die Regionalgruppe Altötting-Mühldorf des Vereins "Wir gemeinsam" verzeichnet großen Zuwachs an Mitgliedern und Interessenten. Ein Grund dafür ist offenbar der Repariertreff. innsalzach24.de hat nachgefragt.

Gehören Sie auch zu diesen Menschen? Morgens erst einmal eine Tasse Kaffee, das Frühstücksei darf auch nicht fehlen und – ja klar – nix ist frischer am Körper als frisch gewaschene Klamotten. Egal, wie wir unseren Tag beginnen, egal ob werktags oder am Wochenende: Es gibt so viele Sollbruchstellen um uns rum.

  • Die Kaffeemaschine brüht nicht mehr
  • das Ei bleibt kalt 
  • und die Wäsche stapelt sich schon seit vorgestern vor der kaputten Maschine.

Eine zweite Chance für kaputte Geräte

Was tun, wenn die Garantie abgelaufen ist, sich eine Reparatur nicht mehr lohnt oder was, wenn eine Neuanschaffung zu teuer ist? Auf dem Repariertreff der Regionalgruppe Altötting-Mühldorf des Vereins „Wir gemeinsam“ haben schon so einige Geräte eine zweite Chance bekommen.

Dieses tragbare Radio mit CD Spieler war ein besonders kniffliger Fall

Es sind meist ältere Herren in Pension, die mit ihrer Berufserfahrung anderen helfen. Da gibt es den Elektrotechniker, den Systembetreuer oder den Fahrradmechaniker. Bezahlt wird bei „Wir gemeinsam“ in Form von Zeit. „Der eine kann das recht gut und bekommt vom anderen, das, was der kann“, erklärt Holger Lüttich, der Leiter der Regionalgruppe Altötting-Mühldorf im Verein „Wir gemeinsam“. So könne es vorkommen, dass die Waschmaschine für ein Mal Rasenmähen wieder läuft. Mitgliedschaft und Spenden sind natürlich willkommen.

Schon 130 Mitglieder und noch viel mehr Interessenten

Gut, die Idee der gegenseitigen Hilfe ist nicht neu. Es scheint aber, als bestehe immer mehr Begeisterung für die Haltung gegen Verschwendung und natürlich immer mehr Bedarf an kostengünstigen Alternativen zu teuren Reparaturen, die in der heutigen Zeit finanziell fast schon einer Neuanschaffung gleich kommen. Zu siebt haben die Gründer der Regionalgruppe angefangen, heute, zwei Jahre später, sind es 130. Für die Facebookseite gibt es über 900 Likes.

Die Bücher-Tauschhütte in Töging

Dank vieler engagierter Einzelner entwickelt sich ein lebendiges Vereinsleben“, erzählt Holger Lüttich. „Zuletzt gab es einen Kleidertauschmarkt in Mühldorf und seit einem Jahr betreibt ein Ehepaar unsere Bücher-Tauschhütte in Töging

Schön sei es, dass die Mitglieder nicht mehr nur auf organisierte Aktionen warten so Lüttich weiter. „Sie verabreden sich auch mal spontan in kleinen Kreisen zu Privattreffen, wie letztens zum gemeinsamen Schokolade-Machen.

Es ist nicht immer das Geld, das man sparen kann“, sagt auch Wolfgang Hartmann, einer der guten Geister der Gruppe. Bei „Wir gemeinsam“ gebe es

  • Konsumverweigerer aus Überzeugung: „Wir schmeißen viel zu viel weg, was vielleicht noch gut ist“. 
  • Menschen, die sich nur ungern von ihren Sachen trennen. Das kann auch schon mal eine besondere Gürtelschnalle sein. „Man hängt halt dran, aus welchem Grund auch immer“.
  • Wieder andere, meist ältere Damen und Herren, würden es einfach nur genießen, unter Menschen zu kommen
  • Natürlich gebe es aber auch immer mehr, die sich selbst eine Neuanschaffung für 9,99, wie etwa einen Toaster, nicht leisten können.

„Jeder Hersteller macht sein eigenes Ding.“ 

Ist ein Gerät kaputt und es besteht noch Garantie, dann kriegen Sie meist ein neues“, erklärt Wolfgang Hartmann. Zur Reparatur einschicken rentiere sich für Hersteller und Kunden meist nicht. Gürtelschnallen, Knoblauchpressen, Miniradios mit CD-Spieler, kleine Backofen oder auch schon mal einen Stuhl – Das und noch viel mehr hat er schon repariert. Den einen Fehler, die eine Sollbruchstelle hat er aber jeweils noch nicht gefunden. 

Es gebe immer Bauteile, die sich schneller abnutzen als andere. „An die ranzukommen ist die hohe Kunst“, sagt Wolfgang Schönfelder. Bei modernen Kaffeemaschinen endet seine. Besonders schlimm findet er es, wenn die Bauweise eines Gerätes neben der Optik auch die technische Funktionsfähigkeit betrifft: „Wenn ich an einen Handyakku nicht mehr selbst rankomme, um ihn zu wechseln“, sagt Schönfelder, „dann habe ich keine Chance und bin vom Hersteller abhängig“.

Eine Garantie auf Erfolg gibt es beim Repariertreff natürlich nicht. Holger Lüttich beschreibt das so: „Statt allein auf der Couch zu sitzen, kommen die Menschen zusammen und tun was miteinander teilen sich ein Auto, helfen im Garten, reparieren Dinge statt sie wegzuwerfen. Das beglückt mich sehr und ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass wir noch mehr und noch viel größer werden“.

Zurück zur Waschmaschine: 

Immer wieder mal kommt es vor, dass eine Reparatur sehr einfach ist.

  • Vom Stromnetz nehmen, 
  • Deckel aufschrauben, 
  • alle Steckverbindungen dahinter lösen, 
  • wieder zusammenstecken, 
  • Deckel wieder anschrauben, 
  • Stecker in die Dose. 

Es soll schon gewirkt haben.

Der nächste Repariertreff findet am 11. Februar im Haus der Begegnung in Mühldorf statt.

Nächster Plausch&Tausch ist am 28.02. um 19:30 im Pauliwirt in Erharting.

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