Blick in den Landkreis Mühldorf

Weihnachten 1945: Das erste Fest nach dem Zweiten Weltkrieg war voller Sorgen und Hoffnung

Weihnachten 1945 am Mühldorfer Stadtplatz beim Kriegerdenkmal mit Löwen.
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Alte Stadtansicht: Weihnachten 1945 am Mühldorfer Stadtplatz beim Kriegerdenkmal mit Löwen.

Die erste Friedensweihnacht nach sechs Jahren Krieg war eine Weihnacht voller Hoffnung, voller Fragen, voller Sorgen und Ängste. Für viele war es ein Neubeginn unter schwierigen Verhältnissen. Auch im Landkreis Mühldorf.

Mühldorf – Viele harrten der Rückkehr der Männer, der Söhne und der Lieben, die vermisst oder noch in Kriegsgefangenschaft waren. Andere standen vor dem Nichts, hatten die Heimat, Haus und Besitz verloren und kamen als Flüchtlinge in den Landkreis Mühldorf.


„Dass Frieden herrscht, macht Hunger und Frieren erträglicher“

Hans Prähofer schreibt in seinem Buch „Wie es war“ über die Weihnacht in Mühldorf 1945: „Dass Frieden herrscht, macht Hunger und Frieren erträglicher. Am Heiligen Abend 1945 in Mühldorf gelten die Gedanken der Toten des Krieges, den Vätern, Männern, Söhnen, Brüdern, die nie mehr das Licht einer Kerze sehen werden. Man bangt um die Gefangenen, betet um die Wiederkehr der Vermissten. Flüchtlinge weinen um die verlorene Heimat, sie tragen schwer an der Last der Erinnerungen.“


Die erste Friedensweihnacht vor 75 Jahren prägte eine besondere Stimmung: „Um 11 Uhr, der Mond holt blinkende Reflexe aus blechernen Instrumenten, nach langjähriger Pause hallen wieder Bläserchoräle vom Nagelschmiedturm herab. Musikmeister Rauh und seine Getreuen spielen im Geviert der Zinnen hoch über der Mühldorfer Altstadt „Hymne an die Nacht“ und „O du fröhliche“.

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Sie senden mit der innigen Weise von der stillen, der Heiligen Nacht. Um den Mühldorfern den Besuch der Christmette zu ermöglichen, ist die Sperrstunde bis 3 Uhr morgens verlängert.“ Die Mette in St. Nikolaus wird vor einer fast überfüllten Kirche abgehalten. Sie vermittelt den Menschen ein Stück Glauben an Zukunft und ein starkes Stück Zuversicht für die kommenden Aufgaben.

Amtliche Bekanntmachung der Militärregierung

Und in einer „Amtlichen Bekanntmachung“ der amerikanischen Militärregierung – der Mühldorfer Anzeiger war zu dieser Zeit noch verboten – heißt es am 21. Dezember: „Weihnachten 1945: In dunkler Wanderung sind wir entgegengegangen; nun leuchtet dein mildes Licht wieder und verklärt alles Leid und Trübsal. In tiefstem Mitgefühl gedenken wir derer, die dieses Fest in Armut und Elend verbringen müssen, der Unglücklichen aller Völker und Nationen, der einsam Trauernden, der Hungernden und Frierenden, der Vergessenen und Verstoßenen, der Kranken und Verwundeten.“

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Weiter heißt es in der amtlichen Bekanntmachung: „Und mit Schmerz gedenken wir aller Kinder, deren Augen nicht glänzen im Schein des Christbaumes. Und dieses Mitleid führt uns zum Kind in der Krippe und seinem göttlichen Evangelium. Zu ihm flüchten wir, denn hier ist Trost und Zuversicht. Zu ihm beten wir, dass Friede werde, auch in den Herzen der Menschen, und dass Versöhnung und Liebe herrsche in unserem Tun und Handeln.“

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