Ehemaliges KZ-Außenlager Mühldorf 

Gedenkstätten an die Nazi-Zeit: Ende April sollen sie fertig sein

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Landkreis Mühldorf– Mal raus an die frische Luft und einen Spaziergang machen im Wald. Das ist für gewöhnlich gut für Körper und Geist. Im Mühldorfer Hart kommt da aber etwas hinzu, das nicht so gewöhnlich ist: Geschichte.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten errichtet derzeit im Mühldorfer Hart Gedenkorte für das ehemalige KZ-Außenlager Mühldorf. „Damit wird der Siegerentwurf eines Wettbewerbs realisiert, der die drei historischen Areale beim ehemaligen Rüstungsbunker, dem Waldlager und dem Massengrab für die Öffentlichkeit zugänglich macht“, heißt es. Zweieinhalb Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Ende April soll alles fertig sein.

Es hat etwas Surreales

Rehe hüpfen, Vögel pfeifen und die frische Luft auf der einen und das, was hier passiert ist auf der anderen Seite: Es hat etwas Surreales, geht man durch diesen Wald. Er ist von geschichtlicher Bedeutung. Unvorstellbare Gräueltaten haben hier stattgefunden. Es gibt kaum noch Zeitzeugen und sehen tut man nur noch wenig, wenn man es nicht weiß. Der Rüstungsbunker – klar – der ist bekannt. Da gibt’s aber noch mehr wie eben das Waldlager oder das Massengrab.

Massengrab im Mühldorfer Hart. 2100 Menschen wurden hier verscharrt.

„Das ist lange her“?

Schule, Fach Geschichte, Thema NS-Zeit: Was gab es da nicht unvorstellbare Verbrechen. Wir haben alle davon gehört und Jahreszahlen gepaukt. Heute scheint es, als wäre das weit weg. Zwei oder sogar drei Generationen liegen zwischen damals und jetzt. Im Fernsehen gibt es Dokumentationen. Bilder und Filmaufnahmen werden darin gezeigt. Weil sie meist schwarz-weiß sind, verstärkt sich der Eindruck, dass das lange her ist. Falsch! Es sind keine hundert Jahre und so mancher Großvater weiß noch, wie das war als er Kind war.

Mühldorfer Hart: Was hier passiert ist, ist unvorstellbar

Horror-Ort Appellplatz

Es sind nur noch wenige Zeitzeugen und genauso wie die schwinden, schwinden auch die Stätten, wo es passierte, wie eben die im Mühldorfer Hart. Beispiel: Appellplatz im Waldlager. Menschen mussten dort antreten, der Willkür ausgesetzt, nicht wissend, was tun, wie tun, um bloß nicht aufzufallen. Manche waren dabei wohl schon mehr tot als lebendig.

Geradeaus und dann rechts: Dort war der Appellplatz des Waldlagers der KZ-Außenstelle Mühldorf

Das Waldlager mit dem Appellplatz ist einer der drei Gedenkorte, die errichtet werden. Das Landesamt für Denkmalschutz hat den Boden zum Denkmal erklärt. Das bedeutet, dass man nicht einfach wild drauf los bauen kann. Auf einer speziellen und vor allem rückbaubaren Konstruktion entstehen Wege aus Betonplatten. Die Wege sollen interessierte Besucher an den Orten vorbei führen und ausgesuchte aber auch nicht zu viele Infotafeln sollen informieren.

Auf einem Bodendenkmal Gedenkorte zu errichten bedarf der richtigen Technik: Alles muss rückbaubar sein. So gibt es Ankernägel auf denen die Wegekontruktion aufgebracht wird.

„Haben Sie Sorge wegen möglichem Vandalismus?“

Ende April sollen die Gedenkorte fertig sein. Das freut die, die am Prozess der Planung beteiligt waren. Es gehe um die historische Bedeutung und nicht um Besucherrekorde. Freilich wirft das Fragen auf wie etwa: „Haben Sie Sorge wegen möglichem Vandalismus?“

Vandalismus habe es bei den bisherigen Schautafeln schon gegeben, heißt es. Hakenkreuze seien schon eingeritzt worden, gar mit Luftpistolen hätten sich Menschen schon an den Bäumen beim Massengrab schon „verewigt“. Was also tun? Solche Erscheinungen würden dazu gehören und seien kein Grund, dieses Projekt nicht umzusetzen.

Schulterschluss

Die Bayerischen Staatsforsten als Grundstückseigentümerin, das staatliche Bauamt bis hin zum Arbeitskreis KZ-Gedenkstätte und dem „Verein für das Erinnern“: Alle ziehen an einem Strang. Dieser dunkle Teil der Geschichte soll erfahrbar sein. Zusammen mit der Dauerstellung im Haberkasten zur NS-Zeit soll nicht vergessen werden, was hier in der Region einmal war.

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