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Kreisjugendwart Michael Matschi berichtet

Nachwuchsprobleme bei den Feuerwehren? So ist die Lage im Kreis Mühldorf

Haben die Feuerwehren ein Nachwuchsproblem? Vielerorts ist diese Klage jedenfalls zu vernehmen. innsalzach24.de hat beim Kreisjugendwart Michael Matschi nachgefragt, wie sich die Lage im Kreis Mühldorf darstellt.

Landkreis Mühldorf - Drehen Nachwuchsprobleme den Feuerwehren das Wasser ab? Aus vielen Regionen hört man, dass sich zu wenige junge Menschen für den Feuerwehr-Dienst zu begeistern wissen. Die Corona-Pandemie habe die Situation zudem verschärft. Probleme, die es auch im Kreis Mühldorf gibt? Kreisjugendwart Michael Matschi bestätigt, dass Corona-bedingt Übungen, Veranstaltungen, Prüfungen und Wettbewerbe abgesagt werden mussten, was die Nachwuchswerbung naturgemäß erschwere oder gar verunmögliche. Erst seit kurzem sei zudem ein Übungsbetrieb in den Jugendfeuerwehren wieder möglich, „und das mit FFP2-Maske, Teilnehmerbeschränkung von neun Jugendlichen und Abstandsregeln“, so Matschi.

Man wolle von Seiten der Feuerwehren jedenfalls nichts erzwingen, schließlich stehe der Gesundheitsschutz des Nachwuchses und eine möglichst schnelle Rückkehr zum normalen Schulbetrieb an erster Stelle: „Deshalb haben wir als Vorgabe für die Durchführung von Jugendübungen eine stabile Inzidenz unter 100 vorgegeben – nur wenn die Kinder in den Schulen Präsenzunterricht haben, sollen auch Jugendübungen stattfinden“, führt Matschi aus. Der Kreisjugendwart weiß wovon er spricht, hat er doch selbst zwei Töchter, welche sich „nichts mehr wünschen als Präsenzunterricht an ihrer Schule“. Die älteste Tochter sei mit „Leidenschaft“ bei der Jugendfeuerwehr Lauterbach, und auch sie riskiere keine unnötigen Kontakte. Die letztendliche Entscheidung, ob die Kinder zur Übung gehen dürften, liege aber bei den Eltern. Und ob eine Feuerwehr Jugendausbildung betreibe, müssten die Kommandanten entscheiden.

Nachwuchsprobleme? Matschi gibt Entwarnung

Doch auch wenn die Corona-Krise sicher ihre Erschwernisse mit sich brachte - bei der Frage nach Nachwuchsproblemen kann Matschi in der Gesamtheit betrachtet Entwarnung geben. „Viele andere Verbände und Organisationen verzeichnen Rückläufe in ihren Mitgliederzahlen – bei den Jugendfeuerwehren sind die Zahlen nahezu stabil, wir konnten uns sogar leicht steigern.“ Zu Beginn des Jahres 2020 habe es 805 Jugendliche in den Feuerwehren gegeben, davon 539 Jungen und 266 Mädchen. Am Jahresende seien es insgesamt 772 Jugendliche gewesen, davon 511 Jungen und 261 Mädchen. Dabei handle es sich um „normale Schwankungen“, wie es auch ohne Corona gegeben habe. Setzt man die Zahlen in Vergleich mit jenen vorheriger Jahre, zeigt sich ein stetiger Zuwachs. 2001 waren es noch 581 Jungen und 88 Mädchen, also 669 Jugendliche. 2010 dann 587 Jungen und 162 Mädchen, somit 749 Jugendliche.

Mädchen „Garant für den Zuwachs in den Jugendorganisationen“

Auffallend sind die besonders starken Zahlen-Steigerungen bei den Mädchen. Für Matschi sind die Mädchen in den Feuerwehren „Garant für den Zuwachs in unserer Jugendorganisation“ - ohne sie hätten diese die Mitgliederzahlen das Niveau der letzten Jahre nicht erreicht. „Frauen als Jugendwarte hat es früher nicht gegeben, jetzt sind sie stark in der Ausbildung vertreten, tragen Verantwortung und machen einen tollen Job auch im aktiven Feuerwehrdienst“, verdeutlicht Matschi.

Stadt/Land: Gibt es Unterschiede im Landkreis Mühldorf?

Insgesamt besehen scheint die Entwicklung im Landkreis, was die Zahlen bei der Jugendfeuerwehr anbelangt, also alles andere als entmutigend. Aber gibt es lokal betrachtet Unterschiede - etwa ein mögliches Stadt-Land-Gefälle? Matschi: „Ich sehe das Problem Stadt / Land auch gar nicht so problematisch“. Wobei er einwendet, dass es in den Städten „natürlich“ schwieriger sei den Kontakt mit den Jugendlichen zu finden als vielleicht in kleineren Ortschaften. „Unsere Stadtfeuerwehren stehen aber rein personell nicht so schlecht da – da wird auch sehr gute Arbeit geleistet. Die vier Stadtfeuerwehren aus Waldkraiburg haben insgesamt 40 Jugendliche in ihren Reihen ( Waldkraiburg 15 – St. Erasmus 13 – Pürten 11 – Ebing 1).“ Im Stadtgebiet von Mühldorf haben die drei Feuerwehren Altmühldorf (6), Mössling (11) und die Stadt Mühldorf (12) zusammen 29 Jugendliche. In der Stadt Neumarkt gibt es 39 für das ganze Stadtgebiet. Natürlich vermische sich gerade in Neumarkt und Waldkraiburg der Stadt / Land Charakter, was für Mühldorf – Altmühldorf – und Mössling vielleicht nur bedingt gelte. „Einen Trend, dass die Jugendfeuerwehren in der Stadt in der Krise sind, sehe ich aber nicht“, bekräftigt Matschi. In den ländlichen Gemeinden sähen die Zahlen mit einigen Ausreißern ähnlich aus. Alleine in Oberneukirchen beispielsweise gebe es 34 Feuerwehranwärter, in Heldenstein 20, in Haag 23.

Corona-Situation bleibt Thema

Nichtsdestoweniger bereitet die Corona-Situation dennoch Sorgen. „Ich bin auch nicht so blauäugig zu glauben, dass uns das jetzige zweite Corona-Jahr nicht schaden wird – natürlich bricht uns in diesem Jahr ein weiterer Jahrgang größtenteils weg“, bringt er seine Bedenken zum Ausdruck. „Jugendliche wollen was erleben, die muss man mit Aktion und Ausflügen, Eis- und Pizzaessen, Wasserschlachten, Wettbewerben und Zeltlager begeistern – das alles geht derzeit leider nicht und das macht die Nachwuchsgewinnung schwierig und verschärft natürlich die Situation.“

Zwar gibt die Kreisorganisation alles, um weitestgehend zu unterstützen. Matschi verweist auf ein im Herbst abgehaltenes Tagesseminar für zehn neu im Amt befindliche Jugendwarte im Feuerwehrausbildungszentrum Mühldorf. „Das hat uns Kreisjugendwarten viel Spaß gemacht und den Teilnehmern sicher einen Überblick über ihre Rechte, Pflichten und Möglichkeiten in der Jugendausbildung gegeben – aber ehrlich, den ganzen Tag mit Maske und Abstand ist das Ganze nicht das Selbe wie vor der Pandemie.“

Hoffnung auf „Feuerwehrnormalität“

Die Situation werde auch in diesem Jahr sehr schwierig bleiben, weil überörtliche Veranstaltungen nicht möglich sind. Matschi hofft, dass man mit der Weiterführung des begonnenen Wissenstests 2020 und mit der Durchführung der Bayerischen Jugendleistungsprüfungen den Kontakt zu den Jugendfeuerwehren intensivieren und somit auch wieder ein wenig „Feuerwehrnormalität“ herstellen kann.

(dp)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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