Modellprojekt aus Mühldorf wird nun bayernweit verbindlich

Potentialanalyse und Vorpraktika - so gelingt der Berufseinstieg

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Das Modell aus Mühldorf kommt jetzt in ganz Bayern zum Einsatz.

Mühldorf a. Inn - Im Landkreis Mühldorf gibt es seit einem halben Jahr ein Modellprojekt, durch das Asylbewerber und Flüchtlinge auf den Einstieg in die Arbeitswelt vorbereitet werden.

Im Rahmen des „Mühldorfer Modells“ werden bereits seit September 2012 berufsschulpflichtige Asylbewerber in zweijährigen Berufsintegrationsklassen auf eine Ausbildung oder auf weitere schulische Maßnahmen vorbereitet. Neben Deutschunterricht und Wertevermittlungen stehen auch Praktika auf dem Lehrplan. Um die Belastung der Betriebe durch eine Vielzahl von Praktikanten möglichst niedrig zu halten, entwickelten die Schulleiter der beiden Mühldorfer Berufsschulen, Maximilian Heimerl und Wolfgang Gaigl, in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Waldwinkel ein Modellprojekt, das vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst genehmigt wurde.

Das Mühldorfer Integrationsmodell

Dieses Konzept sieht vor, dass alle Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen zunächst einer Potentialanalyse unterzogen werden und anschließend in einem dreimonatigen überbetrieblichen Praktikum (sogenanntes "Vorpraktikum") auf die Berufswelt vorbereitet werden. In dieser Zeit können die Schülerinnen und Schüler verschiedene Ausbildungsberufe kennenlernen und so eine fundierte Entscheidung darüber treffen, welcher Beruf für sie am ehesten in Frage kommt.

Praktische Erfahrungen erleichtern den jungen Leuten die Entscheidung für einen Berufszweig.

Das Vorpraktikum wurde im Februar 2017 eingeführt, am Ende des Schuljahres ziehen die Verantwortlichen nun eine erste Bilanz. Laut den Berufsschulleitern habe es sich bewährt, dass den externen Praktika eine Potentialanalyse mit einem nachfolgenden überbetrieblichen Praktikum im Berufsbildungswerk Waldwinkel vorgeschaltet wurde.

Von diesem Konzept profitieren beide Seiten: Die Belastung für die Betriebe wird deutlich gesenkt und die betroffenen Jugendlichen werden gezielt auf das Betriebspraktikum vorbereitet.

Das Beispiel Ahmad Ghazi

Dass sich diese Art der Berufsvorbereitung für die jungen Menschen tatsächlich bewährt, zeigt das Beispiel des 19-jährigen Ahmad Ghazi. Vor zwei Jahren kam er aus Afghanistan nach Deutschland. Da er bei seiner Ankunft noch minderjährig war, wurde Ahmad Ghazi über das Amt für Jugend und Familie in das Berufsbildungswerk Waldwinkel vermittelt, wo er von Beginn an täglich unterrichtet wurde. Im ersten Berufsintegrationsjahr lag der Schwerpunkt auf dem Sprachunterricht. Aber auch Mathematik, Arbeitstugenden und kulturelle Gegebenheiten waren Teil des Unterrichts. 

Im zweiten Jahr stand die berufliche Orientierung im Vordergrund. Im Rahmen der Potentialanalyse wurde der 19-Jährige zunächst hinsichtlich seiner Basiskompetenzen wie räumliches Vorstellungsvermögen, Genauigkeit, Arbeitstempo, Umgang mit Werkzeugen, symmetrische Wahrnehmung und Instruktionsverständnis getestet. Das Ergebnis zeigte Ahmad Ghazi seine Stärken und Schwächen auf, um sich entsprechend beruflich zu orientieren.

Die Praxis gab den Ausschlag

Nach der Potentialanalyse absolvierte Ahmad Ghazi ein überbetriebliches Praktikum in den Bereichen Technisches Produktdesign und Metall im Berufsbildungswerk Waldwinkel. Die Praxis gab für ihn letztendlich den Ausschlag, sich für den Bereich Metall zu entscheiden. „Ich habe ein kleines Spielzeugauto gebaut und somit hielt ich das Ergebnis meiner Arbeit in den Händen. Das hat mir sehr gut gefallen“, so Ahmad wörtlich. Mit einer Eignung in Form eines Zertifikats in der Tasche geht er nun auf Praktikumssuche.

„Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Betriebe Schüler mit einem solchen Zertifikat bevorzugen, weil es zeigt, dass eine berufliche Orientierung im Vorfeld stattgefunden hat und somit das Risiko eines vorzeitigen Abbruchs des Praktikums relativ gering ist“, so Peter Konietzko, Leiter des Berufsbildungswerks Waldwinkel. 

Das Beispiel Mühldorf macht nun Schule

Auch für Landrat Georg Huber ist das „Mühldorfer Modell“ ein Erfolgsmodell: „Wir sind im Landkreis Mühldorf bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen auf einem sehr guten Weg." Die positiven Erfahrungen aus dem Modellprojekt haben nun dazu geführt, dass die Potentialanalyse und das Vorpraktikum künftig für alle Berufsintegrationsklassen in Bayern verbindlich sein werden.

Pressemitteilung Landratsamt Mühldorf am Inn

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