Mühldorfer Landrat im Interview: Rück- und Ausblick nach zwei Monaten im Amt

Mühldorfs Landrat Heimerl: "Diese Krise ist noch nicht vorbei"

Mühldorf am Inn: Landrat Maximilian Heimerl zieht Fazit nach zwei Monaten im Amt
+
Landrat Maximilian Heimerl (CSU) betont, die Corona-Krise sei noch lange nicht ausgestanden.

Mühldorf am Inn - Anfang Mai trat Maximilian Heimerl (CSU) nach seiner Wahl das Amt des Landrats im Kreis Mühldorf an. Im Interview mit innsalzach24.de gibt er einen ersten Rück- und Ausblick.

Wie waren die ersten zwei Monate im Amt? 


Heimerl:Zweifellos geprägt von dramatischen Ereignissen. Mein erster offizieller Termin war ja die Mahnwache zur Anschlagsserie in Waldkraiburg. Gottseidank haben da unsere Ermittlungsbehörden sehr schnell einen Erfolg erzielt und diesem Spuk ein Ende bereitet. Sonst war die Zeit natürlich von der Bewältigung der Corona-Pandemie geprägt. Damit sind wir ja auch noch auf absehbare Zeit beschäftigt. Daneben galt es natürlich, sich vor Ort einzuarbeiten, die Mitarbeiter, Strukturen und Abläufe kennenzulernen. Und natürlich zu überlegen, ob und was man vielleicht verbessern kann.

Heimerl bei der Mahnwache zur Anschlagsserie in Waldkraiburg. Sie war sein erster offizieller Termin.

Wo wir bei der Mahnwache sind: Schon im Zuge der Anschlagsserie in Waldkraiburg aber auch wieder angesichts der Protestbewegung in den USA kam das Thema von Rassismus in der Region zur Sprache. Der Verein “Mühldorf ist bunt” wies damals auf Taten insbesondere in der Kreisstadt hin. Wie sehen Sie das?

Das wir hier im Landkreis ein grundlegendes Rassismus-Problem haben sollen geht mir zu weit. Aber ich stehe definitiv dafür, dass wir jegliche extremistischen Entwicklungen sehr ernst nehmen müssen. Egal von welcher Seite das kommt, müssen wir gemeinsam versuchen, es im Keim zu ersticken. Dazu gehört, dass man sich aktiv dagegen stellt. Der Mord an George Floyd war eine furchtbare Tat. Friedlicher Protest dagegen ist wichtig und richtig.

Kommen wir zum großen Thema zu Beginn ihrer Amtszeit:  Sie selbst waren mit CoVid19 infiziert und mussten in Quarantäne. 

Ja, ich habe diese Krankheit am eigenen Leib gespürt. Gottseidank war es nicht dramatisch, die Symptome überschaubar. Aber es ist schon eine Beeinträchtigung. Das eigene soziale Leben wird runtergefahren. Man macht sich Sorgen: Wen habe ich vielleicht angesteckt? Am Ende jemand aus meiner eigenen Familie? Ich kann jeden nur mahnen: Dass man nur einen milden Krankheitsverlauf hat, ist trotz Alters, Fitness und so weiter keine Garantie. Halten Sie sich also alle bitte weiter an die Vorgaben zum Infektionsschutz!

Landrat Max Heimerl beim Besuch der KFZ-Zulassungsstelle in Mühldorf. "Krise ist noch nicht vorbei."

Welche Herausforderungen kommen auf den Landkreis durch die Corona-Krise zu und wie wollen Sie diese bewältigen? 

Man muss immer bedenken, dass wir immer noch im Krisenmanagement sind! Diese Krise ist noch nicht vorbei. Auch wenn wir uns das wünschen mögen. Man sehe die Meldungen aus Nordrhein-Westfalen, den Ausbruch in Gütersloh. Das zeigt, wie schnell die Zahlen wieder hoch gehen können. Hier im Landkreis hatten wir vor dem Lockdown bei Infizierten teils über 50 Kontaktpersonen. Währenddessen waren es dann nur noch drei bis fünf. Daran sieht man: Wenn wir im Zuge der Lockerungen wieder einzelne Fälle im Landkreis haben werden, etwa durch Reiserückkehrer, kann das ganz schnell gehen. 

Die Auswirkungen zeigen sich insbesondere in finanzieller Hinsicht. Die Gemeinden beklagen massive Gewerbesteuerausfälle. Auch wird man sehen müssen, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. Daher wissen wir auch nicht, wie groß der finanzielle Schaden für den Landkreis-Haushalt ausfallen wird. Das Ziel ist klar: Wir wollen versuchen unsere Investitionen möglichst wie geplant durchzuziehen. Denn das setzt ja auch Impulse für die Wirtschaft, etwa durch Bauprojekte, und gibt ihr quasi eine "Starthilfe" beim Wiederanspringen. Wir werden auch nicht um das Aufnehmen von Schulden herumkommen. Dabei muss man aber bedenken, dass wir trotz eifrigen Schuldenabbau in den letzten Jahren immer noch zu den höchstverschuldeten Landkreisen Bayerns gehören. Da haben wir also weniger Spielraum.

Video Lockerungen Corona

Kann der Landkreis insbesondere durch die Corona-Krise betroffenen Unternehmen und Gemeinden helfen? 

Unternehmen konnte viel schon durch unser Team von der Kreis- und Regionalentwicklung im Landratsamt geholfen werden. Gerade in den ersten Tagen und Wochen gab es über 300 Einzelgespräche mit Selbstständigen und Unternehmern. Alle Infos gibt's auch auf unserer Homepage. 

Sonst halfen die Hilfszahlungen von Bund und Freistaat. Über 2504 Fälle wurden meines Wissens im Landkreis bewilligt, mit über 17 Millionen Euro, die ausgezahlt wurden. Was wir darüber hinaus für Gemeinden tun können ist eine schwierige Frage. Finanziell leider nichts direkt. Da hat aber der Freistaat durch das Vorziehen bestimmter Zahlungen schon viel getan. Wo wir finanziell etwas tun können, ist bei der Beratung des Landkreis-Haushalts für 2021 im Herbst. Das wird in enger Abstimmung mit den Bürgermeistern geschehen, um die finanzielle Situation der Gemeinden richtig zu würdigen. Man muss nämlich bedenken, dass der Landkreis-Haushalt und die einhergehenden Kreisumlagen-Zahlungen sonst immer von der finanziellen Lage der Gemeinden von vor zwei Jahren her gerechnet werden. 2019 war aber ein sehr gutes Jahr.

Die Pressekonferenz, auf der die Umfunktionierung des Mühldorfer Klinikums zum CoVid-Krankenhaus bekanntgegeben wurde.

Anfang des Jahres fusionierten, noch unter ihrem Vorgänger Georg Huber, die Kreiskliniken des Landkreises Mühldorf mit denen Altöttings. Hat sich diese Entscheidung bewährt? 

Rückblickend war es genau der richtige Zeitpunkt. So konnten wir sehr gezielt arbeiten und aus Mühldorf eine CoVid-Klinik machen, in der die entsprechenden Patienten isoliert waren, während die übrigen drei Kliniken des Verbunds komplett davon frei blieben. Jetzt geht es ja wieder langsam zurück zum Normalbetrieb. Aber die Verantwortlichen konnten wertvolle Lehren ziehen. Etwa was die Eindämmung einer CoVid-Infektion auf nur die betroffenen Patienten betrifft. 

Ich erwarte nun allerdings von der Bundes- und Landespolitik, dass unsere Kliniken nicht für diesen Einsatz durch heftige Defizite "bestraft" werden. Da sollte eine entsprechende finanzielle Hilfe möglich sein.

Ende des vergangenen Jahres eröffnete außerdem der neue Ausbau-Abschnitt der A94. Kann man hier bereits ein Fazit ziehen, was dieser dem Landkreis gebracht hat?

Ich hatte mich immer dafür ausgesprochen und stehe auch weiterhin dahinter. Man muss da die kurz- und langfristigen Folgen sehen und entsprechend würdigen und handeln. Kurzfristig gibt es noch für einige Anwohner Ärger mit der Lärmbelastung. Hier kann und muss man Abhilfe leisten. Meiner Ansicht nach aber nicht durch ein dauerhaftes Tempolimit auf 120 km/h, sondern mit Hilfe von aktiven Lärmschutzmaßnahmen.

Langfristig profitiert der Landkreis sehr. Angefangen bei dem Gewinn an Lebensqualität für alle Pendler, hin zu erwartbaren Zuzügen und Wirtschaftswachstum. Aber auch hier müssen wir natürlich die Entwicklung im Auge behalten und gegebenenfalls gegensteuern. Einer Überhitzung des Wohnungsmarkts durch die bessere Anbindung in die Metropolregion München etwa durch gezielte Schaffung von Wohnraum.

Von links: CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer, Max Heimerl und sein Amtsvorgänger Georg Huber am Wahlabend im Landratsamt.

Klinikfusion und A94, beides Projekte ihres Vorgängers. Wie war es nach der doch 18 Jahre dauernden Amtszeit von Georg Huber in dessen Fußstapfen zu treten? 

Er hatte natürlich eine lange Amtszeit und damit das Amt geprägt. Er hat den Landkreis sehr gut geführt, auch durch stürmische Zeiten. Aber ich sage auch: Wer immer nur in Fußstapfen anderer wandelt, hinterlässt keine eigenen Spuren. Ich setze natürlich eigene Zielewichtiges The. 

Welche großen Projekte wollen Sie nun in Ihrer Amtszeit in Angriff nehmen? 

Ich komme ja aus dem Bildungssektor. Da sollte es nicht verwunderlich sein, wenn die Bildung sowohl für einzelne als auch für ganze Region meiner Ansicht nach ein zentrales Thema ist. Unseren jungen Menschen muss da das bestmögliche Angebot geliefert werden. Der Landkreis ist da ja als sogenannter Sachaufwandsträger für die Rahmenbedingungen aktiv in der Gestaltung dabei. Wir verzeichnen hier laufende und zukünftige Investitionen von über 140 Millionen Euro. Da wurde gut geplant und wir wollen das auch trotz Corona umsetzen.

Daneben ist mir der Klimaschutz ein zentrales Anliegen. Ziel soll sein, dass landkreiseigene Gebäude bis 2030 und der Gesamtlandkreis bis 2050 klimaneutral werden. Dazu gehört auch der öffentliche Nahverkehr. Wo wir dabei sind: Mobilität für alle, vor allem aber für die jüngsten und ältesten, die darauf besonders angewiesen sind, ist ebenfalls ein zentrales Projekt. Ich bin auch nach wie vor daran, dass es eine Bus- und Bahnflat für Auszubildende und Schüler geben soll. Ich hoffe, wir werden bald einen Vorschlag präsentieren können. Wichtig ist auch die Digitalisierung in der Breite. Gerade die Corona-Krise hat ja gezeigt, wie kritisch gute Internetanbindungen und digitale Angebote sind!

Kommentare