Nach Unfällen im Kreis Mühldorf am Inn

Landwirte mit Traktor und Co. im Verkehr: Das sollten Sie wissen

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Zwei schwere Unfälle mit Traktoren ereigneten sich Ende Juni im Landkreis Mühldorf am Inn.
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Landkreis Mühldorf/Region - Ende Juni sorgten zwei schwere Unfälle für Aufsehen. Wir haben uns bei der Polizei, dem Bauernverband und der landwirtschaftlichen Sozialversicherung erkundigt, wie man so etwas vermeiden kann. 

An einem Samstagvormittag ereignete sich zunächst um 9 Uhr in Wiesbach ein folgenschwerer Unfall. Ein Auto rammte ein Traktorgespann, woraufhin sich dieses überschlug. Der Schaden war enorm. Kurz darauf, um 10.45 Uhr, ereignete sich ein Unfall in der Nähe von Salmanskirchen. Dabei wurde ein abbiegender Traktor von einem Auto gerammt und brach auseinander. "Die Unfallzahlen sprechen für sich", bemerkt Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. "Über das ganze Jahr 2018 hinweg hatten wir 2018 im Landkreis Rosenheim 40, im Landkreis Traunstein 27, im Landkreis Altötting 12, im Landkreis Mühldorf 10 und im Berchtesgadener Land sogar nur vier Unfälle mit beteiligten landwirtschaftlichen Geräten. Natürlich ist jeder Unfall einer zu viel. Aber im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern beziehungsweise Fahrzeugarten sind das doch relativ wenig Fälle."

Die Unfallstatistik für die Landkreise Rosenheim, Traunstein, Altötting, Mühldorf und Berchtesgadener Land für die Jahre 2017 und 2018.

Das bedeute aber nicht, dass es beispielsweise ungefährlich sei, in einer unübersichtlichen Situation ein Traktorgespann im Zweifelsfall einfach einmal zu überholen. "Wenn im ländlichen Raum eine der landwirtschaftlichen Saisonen, Aussaat, Ernte und so weiter ist, sollte man sich als Verkehrsteilnehmer darauf einstellen und besonders aufmerksam fahren. Wenn ein Traktor den Verkehr aufhält dann einfach auch mal geduldig sein und überlegt handeln. Das klappt, wie die Unfallzahlen zeigen, offenbar in unserer Region zwar nicht schlecht, aber es kracht halt doch noch des öfteren." Es gelte wie immer die in der Straßenverkehrsordnung angeratene gegenseitige Rücksichtnahme. "Das gilt sowohl für den Autofahrer als auch den Landwirt. Wenn ich sehe, dass hinter meinem 'Bulldog' schon eine lange Schlange an Autos, die nicht überholen kann herzieht, einfach mal, sofern es die Verhältnisse zulassen, rechts ranfahren und sie vorbeilassen." 

Bauernverband und Versicherung haben Thema im Blick

Beim Bauernverband hat man das Thema sehr im Blick."Das Thema  ist ein Dauerbrenner, weshalb wir uns schon lange und auch weiterhin damit beschäftigen. So hat der Bauernverband auf Bundesebene in Zusammenarbeit mit den Maschinenringen und den Lohnunternehmern seit längerem eine Informations-Kampagne unter dem Motto "Miteinander reden – sicher ankommen" laufen um alle Beteiligten zu sensibilisieren und auch, um um Akzeptanz für den landwirtschaftlichen Straßenverkehr bei der Bevölkerung zu werben", berichtet Bauernverbands-Pressesprecher Markus Peters. 

Auch Robert Höfer von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau betont, dies sei ein wichtiges Thema. "Gerade in der arbeitsreichen Erntesaison ist ein sicherer, gut ausgebildeter routinierter Fahrer, der intensiv in das Fahrzeug eingewiesen wurde und der ausreichend Zeit für die Fahrt eingeplant hat, ein guter Garant für unfallfreies Fahren. Vorausgesetzt natürlich, das Fahrzeug entspricht allen Vorschriften, ist gut gewartet und alle technischen Einrichtungen funktionieren einwandfrei." Fahrerschulungen seien eine intensive Unterweisung in das Fahrzeug und in die Aufgabe durch den Unternehmer und eine Arbeitsplanung mit Zeitpolstern helfen, Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden. Die Versicherung bezuschusse für ihre Mitglieder eine Vielzahl an Maßnahmen.

Die wichtigsten Tipps von Polizei, Bauernverband und Versicherung für Landwirte:

  • Bei schwierigen Straßen- und Parkplatzsituationen Ernte- und Transportarbeiten rechtzeitig ankündigen
  • Bei Fahrzeuggespannen unbedingt die zulässige Höchstgeschwindgkeit einhalten.
  • Nachtarbeiten nur bei Unaufschiebbarkeit, eventuell Erntearbeiten in einem Gebiet auf mehrere Termine verteilen.
  • Beleuchtungseinrichtungen müssen einwandfrei funktionieren und sind sauber zu halten.
  • Ausreichende Ladungssicherung vornehmen: So kann eine Verschmutzung der Fahrbahn, die auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich werden kann, vermieden werden.
  • Gegebenenfalls Vorbereitungen zur Straßenreinigung treffen und Verschmutzungen absichern und kenntlich machen.
  • Für Transparenz bei Transporten sorgen: Wenn nötig, insbesondere bei Biogasanlage, Anwohner informieren und möglichst weder den Ortskern noch Siedlungsgebiete durchfahren.
  • An Fahrsicherheitstrainings teilnehmen. 
  • Gegebenenfalls die Anschaffung von Modulspiegeln und Kamera-Monitor-Systeme erwägen, um Tote Winkel zu vermeiden.

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