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Täglich 20.000 Fahrzeuge auf der B12 im Landkreis Mühldorf

Die gefühlte Todesstrecke: Wie gefährlich ist die B12 wirklich? 

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Immer wieder ereignen sich schwere Unfälle auf der B12 im Landkreis Mühldorf. 
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Landkreis - Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen in der Region - häufig auf der Bundesstraße B12, die sich auf einer Länge von 30 Kilometern quer durch den Mühldorfer Landkreis schlängelt. Woran liegt es, dass diese Strecke derart unfallträchtig ist? Und kann die künftige A94 Linderung bringen? 

Die Bundesstraße B12 im Landkreis Mühldorf führt vom Landkreis Ebersberg in nordöstlicher Richtung zur momentanen Baustelle der Autobahn A94 Anschlussstelle Heldenstein und weiter durch die Gemeindebereiche Haag, Reichertsheim, Rattenkirchen und Heldenstein. Rund 30 Kilometer Länge nimmt die B12 im Mühldorfer Landkreis ein. 

Auf diesem Streckenabschnitt verkehren täglich insgesamt rund 20.000 Fahrzeuge, davon bilden 20 Prozent den Schwerlastverkehr

Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Stocker ist bei der Polizeiinspektion Mühldorf am Inn Sachbearbeiter für den Bereich Verkehr. Er hat sich auf Nachfrage der Redaktion die Unfallstatistik über das Verkehrsgeschehen der vergangenen fünf Jahre, im Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2018, auf der B12 im Landkreis Mühldorf angesehen und kann zusammenfassen: 

  • In den letzten fünf Jahren ereigneten sich auf diesem Streckenabschnitt 844 Verkehrsunfälle. Davon waren 145 mit Personenschaden (17,18 Prozent), 160 mit Sachschaden (18,95 Prozent) und 539 Kleinunfälle (63,86 Prozent). 
  • Bei den 145 polizeilich registrierten Verkehrsunfällen mit Personenschaden wurden neun Personen getötet und 247 Personen verletzt, wovon 196 Personen leicht- und 51 Personen schwere Verletzungen davontrugen.
  • 74 polizeilich registrierte Verkehrsunfälle ereigneten sich mit Unfallflucht, davon neun Verkehrsunfälle mit Personen- und 65 Verkehrsunfälle mit Sachschaden.
  • Von den 74 Verkehrsunfällen mit Unfallflucht konnten 31 Fälle geklärt werden, dies entspricht einer Aufklärungsquote von 42 Prozent.
  • Sieben Verkehrsunfälle geschahen unter Alkoholeinwirkung, davon waren fünf Verkehrsunfälle mit Sachschäden und zwei Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen vier Personen verletzt wurden. 
  • Zwei Verkehrsunfälle wurden unter Drogeneinwirkung registriert, ein Unfall mit Sachschaden und ein weiterer Unfall mit einer getöteten und einer verletzten Person. 
  • In den vergangenen fünf Jahren kam es zu 33 polizeilich registrierten Verkehrsunfällen, bei denen die überhöhte Geschwindigkeit die ermittelte Unfallursache ist. Davon wurden 18 Verkehrsunfälle mit Personenschäden, davon mit vier getöteten, 24 verletzten Personen und 11 Verkehrsunfälle mit erheblichen Sachschäden polizeilich aufgenommen. 
Die Zahl der Verkehrsunfälle auf der B12 im Mühldorfer Landkreis in den vergangenen fünf Jahren im Überblick. 

Auf das Jahr 2018 gemünzt, registrierte die Polizei insgesamt zehn Verkehrsunfälle mit Personenschaden, davon drei mit getöteten und sieben Unfälle mit schwerverletzen Personen auf der B12 im Bereich des Landkreises Mühldorf. Dabei wurden drei Personen getötet und 11 Personen schwer verletzt. Die genaue Statistik speziell für das vergangene Jahr stehe laut Stocker noch aus und werde erst mit der polizeilichen Unfallstatistik für das Jahr 2018 veröffentlicht. 

Schwere Unfälle im Mühldorfer Landkreis: 

Die B12 muss nach schweren Unfällen immer wieder gesperrt werden. Der jüngste Unfall ereignete sich am Neujahrstag 2019: Eine Frau ist bei einem folgenschweren Zusammenstoß auf der B12 bei Haag tödlich verletzt worden.

Ebenfalls zum Jahresbeginn hat sich auf der Einschleifung von der B12 zur A94 zwischen Heldenstein und Rattenkirchen ein Lkw-Unfall ereignet, weswegen die B12 für fünf Stunden gesperrt werden musste.

Auf der B12 bei Marktl kam im November 2018 ein 30-Jähriger ums Leben, der als unschuldiger Beteiligter in eine Kollision eines Seat-Fahrers mit einem Lkw geriet.

Ende November 2018 kollidierte zwischen Reichertsheim und Rattenkirchen ein 27-Jähriger aus Augsburg vermutlich beim Überholvorgang mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Beide Autos brannten komplett aus, der 27-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle. 

2017 starb ein Rentner bei einem Horror-Unfall auf der B12 bei Reichertsheim.

Auf 30 Kilometern Länge zieht sich die B12 durch den Landkreis Mühldorf (rote Linie) 

 

Ursachensuche: Warum ist die B12 so unfallträchtig?

Auch Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern, ist bewusst, wie oft Einsatzkräfte und Rettungswagen zur B12 ausrücken müssen. Aber was macht die B12 so gefährlich?

Die Ursache, dass auf der B12 immer wieder schwerer Unfälle passieren, vermutet er mitunter in der Länge der Bundesstraße, die sich auf über 430 Kilometern von Lindau über München und Passau nach Philippsreut zieht. 

Aus Ungeduld werden riskante Überholmanöver

Doch auch die Ungeduld könnte eine Rolle spielen: "Es gibt zu viel Verkehr auf der B12 und dadurch entwickelt sich ein starker Überholdruck, die Autofahrer werden ungeduldig und lassen sich zu riskanten Überholmanövern hinreißen. Dabei bringt das Überholen überhaupt nichts, weil 500 Meter weiter vorne der nächste Lkw mit 60 km/h fährt. Auch Ausfahrten sind gefährlich - viele scheren noch schnell vor dem Lkw ein, obwohl es bereits zu spät ist." 

Dem kann Polizeihauptkommissar Stocker durchaus beipflichten: "Aufgrund der polizeilichen Unfallaufnahmen kristallisierten sich als Hauptunfallursachen der vergangenen Jahre überhöhte Geschwindigkeit, riskante Überholmanöver und auch die Ablenkung im Straßenverkehr durch Bedienung von Smartphones, Handys oder Navigationsgeräten heraus." 

Unfallkommission für Erhöhung der Verkehrssicherheit 

Um den hohen Unfallzahlen auf der vielbefahrenen B12 entgegen zu wirken, wurden Stocker zufolge von Seiten der Polizei verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet, darunter eine intensive Überwachung des Überholverbotes -zum Teil mit Einsatz des Polizeihubschraubers -, regelmäßige Radarmessungen zur Überwachung der Geschwindigkeit an verschiedenen Örtlichkeiten entlang der B12 oder der Einsatz des "Blitzanhängers". 

Die Unfallkommission, die sich aus dem staatlichen Bauamt, dem Landratsamt, der Verkehrsbehörde sowie der Polizei zusammensetzt, ergreife ebenso immer wieder Maßnahmen, um die Verkehrssicherheit auf der B12 zu erhöhen. So werde versucht mit Warnschildern, Überholverboten und dem Bau von Kreisverkehren die Situation zu entspannen.

Die grundsätzliche Lösung jedoch sei Seebachers Meinung zufolge die Autobahn A94, die planmäßig im Oktober 2019 von Marktl bis Mühldorf fertig gestellt werden solle. "Damit sollten sich die Unfälle auf der B12 reduzieren, denn die Wahrscheinlichkeit, auf einer Autobahn zu sterben, ist drei Mal geringer als auf Land- oder Bundesstraßen." 

Linderung durch A94-Ausbau? 

Der Meinung kann sich auch der Polizeihauptkommissar anschließen: "Durch die Eröffnung der A94 und dem dadurch resultierenden Rückgang des Verkehrs, vor allem auch dem Schwerlastverkehr, erwarten wir einen deutlichen Rückgang der Unfallzahlen auf dem Abschnitt der B12 im Landkreis Mühldorf." 

Und Seebacher ergänzt abschließend mit einem Blick in die Zukunft: "Freilich, der Regionalverkehr in die Gewerbegebiete wird bleiben und auch Unfälle wird es immer geben, denn die B12 ist und bleibt eine der gefährlichsten Strecken in ganz Deutschland. Aber es hilft schon, wenn ein großer Teil des Fernverkehrs auf die künftige A94 gelenkt wird und sich nicht mehr über die B12 schleppt."

mb

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