Vorkommen stark zurückgegangen

Mühldorfs Kiebitze sind zurück - Das Kiebitz-Schutzprojekt im Landkreis Mühldorf

Der Kiebitz brütet inzwischen auch im Landkreis Mühldorf überwiegend auf Ackerflächen.
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Der Kiebitz brütet inzwischen auch im Landkreis Mühldorf überwiegend auf Ackerflächen.

Mühldorf a. Inn - Der ein oder andere Spaziergänger hatte in den vergangenen Wochen vielleicht das Glück, im Landkreis Mühldorf das beeindruckende Schauspiel eines großen Kiebitzschwarms zu beobachten. Die teilweise sogar bis zu 200 Individuen zählenden Gruppen traten an unterschiedlichen Tagen an verschiedenen Orten im Landkreis auf. 

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Beim Anblick solch großer Ansammlungen der auffällig schwarz-weiß gefärbten Vögel wird kaum jemand vermuten, dass der Kiebitz bei uns zu den stark gefährdeten Vogelarten gehört. Doch der Eindruck täuscht. Denn bei den Kiebitzschwärmen der vergangenen Wochen handelt es sich überwiegend um Kiebitze auf dem Durchzug, die auf ihrem Weg in weiter nordöstlich gelegene Brutgebiete hier im Landkreis nur einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Die Zahl der Kiebitzbrutpaare, die im Landkreis Mühldorf tatsächlich bleibt und dort regelmäßig brütet, ist sehr viel geringer. Schätzungen aus dem letztjährigen Kiebitz-Schutzprojekt beziffern ihre Anzahl auf lediglich 50 bis 60 Brutpaare. Viele persönliche Erfahrungsberichte von Landwirtinnen und Landwirten im Rahmen des Projektes zeigten, dass der Wiesenbrüter früher im Landkreis Mühldorf sehr viel häufiger war. Bayernweite Datenerhebungen zu Kiebitzbeständen untermauern diese Einschätzung. Sie zeigen, dass die Kiebitzvorkommen innerhalb der vergangenen 20 Jahre um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind.

So wie hier bei Lamprechten bei Neumarkt-Sankt Veit waren in den vergangenen Wochen im Landkreis Mühldorf vielerorts große Kiebitzschwärme zu beobachten.

Unser Feldvogel braucht Hilfe

Der Kiebitz ist damit bayernweit und so auch im Landkreis Mühldorf in seinem Bestand stark gefährdet. Brütete dieser Vogel früher in der Regel auf extensiven Wiesen, so sind die Nester heute überwiegend auf Äckern zu finden. Denn in den heutzutage intensiv genutzten Wiesen findet der Kiebitz keine geeigneten Stellen mehr für seine Nester. Aber auch auf den Äckern sind die gut getarnten Nester des Bodenbrüters natürlich nicht sicher, denn die Felder wollen ja schließlich im Frühjahr bewirtschaftet werden.

Das vor einigen Jahren im Landkreis Mühldorf ins Leben gerufene Kiebitz-Schutzprojekt, eine Kooperation zwischen dem Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV), dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), dem Bayerischen Bauernverband (BBV), der Wildland-Stiftung Bayern und der unteren Naturschutzbehörde, kümmert sich auch in diesem Frühjahr wieder gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort um den Schutz des Kiebitzes und seiner Neststandorte. Dank des großen Engagements im Kiebitzschutz seitens aller Projektpartner konnten im vergangenen Jahr im Rahmen des Projektes 51 Kiebitznester auf Ackerstandorten markiert werden. 23 Gelege davon verzeichneten einen Schlupferfolg.

Für den Kiebitz im Einsatz

Die ehrenamtlichen Kiebitz-HelferInnen der LBV Kreisgruppe Mühldorf sind inzwischen wieder unterwegs, um auf den Ackerflächen nach balzenden Kiebitzen Ausschau zu halten. Wie bereits im letzten Jahr wird sich die Projektkoordinatorin Esther Lindner vom LPV Mühldorf dann wieder mit den BewirtschafterInnen in Verbindung setzen und um die Genehmigung für das Betreten der Flurstücke und das Markieren der Neststandorte bitten, so dass die Nester mit zwei Stecken jeweils ca. 5 m vor und nach dem Nest markiert werden können. Dadurch hat der Landwirt die Möglichkeit, die ansonsten auf dem Feld kaum erkennbaren Gelege bei der Bewirtschaftung zu umfahren und damit vor der Zerstörung zu bewahren. Als Anerkennung für ihre Mithilfe erhalten die LandwirtInnen auch in diesem Jahr wieder eine Nestprämie für jedes erfolgreich geschlüpfte Nest. Finanziert wird die Nestprämie durch die großzügige Unterstützung des Landkreises Mühldorf sowie der jeweiligen Gemeinde.

Zusätzliche Hilfe für den Kiebitz

Natürlich ist mit der Markierung des Nestes der Schlupferfolg des Kiebitzes noch nicht gesichert. Denn auch natürliche Feinde wie der Fuchs oder der Marder gefährden maßgeblich den Bruterfolg der Vögel. Zur Freude aller Projektpartner erfährt das Kiebitz-Schutzprojekt heuer hier eine zusätzliche Unterstützung aus der Jägerschaft aus dem Landkreis Mühldorf.
Und auch jeder Einzelne kann etwas zum Schutz des gefährdeten Wiesenbrüters beitragen. Mit Hilfe einer mobilen Beschilderung soll ab diesem Jahr während der Brutsaison an Feld- und Spazierwegen auf vorhandene Kiebitz-Brutgebiete hingewiesen werden. Bitte bleiben Sie in diesen Bereichen auf den Wegen und nehmen Sie ihre Hunde an die Leine. Denn querfeldein laufende Personen und freilaufende Hunde verursachen eine starke Störung der brütenden Kiebitze. Für die Vögel bedeutet dies großen Stress und einen hohen Energieverbrauch. Gelege und Jungvögel werden dadurch verlassen und ohne Schutz zurückgelassen, teilweise wird die Brut sogar aufgegeben.

Die Erfahrungen aus den letzten Jahren des Kiebitz-Schutzprojektes haben gezeigt, dass die noch verbliebenen Kiebitze im Landkreis Mühldorf langfristig nur mit unterstützenden Maßnahmen und unter Beteiligung Aller Aussichten auf eine Bestandserholung haben. Im Rahmen des Kiebitz-Schutzprojektes wollen wir deshalb gemeinsam mit allen Projektpartnern und mit der Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte, der Jägerinnen und Jäger und der Bevölkerung dem Kiebitz helfen.

Sollten Sie balzende Kiebitze auf Ackerflächen beobachten, dann freuen wir uns über eine Meldung an untenstehenden Kontakt. Für mehr Informationen zum Projekt wenden Sie sich ebenfalls an den Landschaftspflegeverband Mühldorf, Projektkoordinatorin Esther Lindner, Tel.: 08631 – 699 576, E-Mail: esther_lindner@lpv-muehldorf.de .

Pressemeldung des Landschaftspflegeverband Mühldorf a. Inn e.V.

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