Pressemitteilung Bündnis 90 / Die Grünen

Arm in Oberbayern?

Landkreis Mühldorf - Andreas Krahl, Mitglied des Landtages Bündnis 90/Die Grünen, wollte es genau wissen: wie geht es den Bürger*innen der Landkreise, für die er im Rahmen seiner parlamentarischen Arbeit zuständig ist.

Leiden die Menschen in Garmisch-Partenkirchen, Weilheim/Schongau, Mühldorf und Altötting unter der Wohnungsknappheit und den damit verbundenen hohen Mieten? Immerhin wurden 2015 in Bayern weitaus weniger Wohnungen gebaut, als in den Jahrzehnten zuvor. Von Armut bedrohte Menschen geben bereits heute im Schnitt fast die Hälfte ihres Geldes für Mieten aus. Alleinerziehende oft mehr, bis zu zwei Drittel. Wer ist in den Land- kreisen von Armut bedroht oder arm? Wer arbeitet in prekären Beschäftigungsverhältnissen?

Wer Wohngeld beantragt, sollte ein gewisses Talent zum Ergattern von Schnäppchen haben oder beste Beziehungen in die Immobilienbranche: für drei Personen im Haushalt gibt es in Mühldorf und Altötting höchstens 506 Euro, in Weilheim 626 Euro und in Gar- misch wenig mehr. Ein Blick in den Anzeigenteil der Lokalpresse zeigt, wie viel von ohnehin knappen Gehältern noch draufgelegt werden muss.

Wer kann überhaupt von seiner*ihrer Arbeit leben? Wer hat aufgrund der Preise eigentlich keine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe? Wer ist wo so arm, dass z.B. ein Kinobesuch oder eine Tasse Kaffee unterwegs nicht zu bezahlen ist? Die Staatsregierung ging in ihrer Antwort leider nur auf die in Bayern niedrige Mindestsicherungsquote ein: glücklicherweise leben im Freistaat nicht ganz fünf Prozent der Bürger*innen von Hartz 4. Richtig ist auch, dass auf Kreisebene keine Statistiken zur Armutsgefährdung erhoben werden.

Zahlen zu den Durchschnittseinkommen

Was allerdings vorliegt, sind Zahlen zu den Durchschnittseinkommen, die in Bayerns Süden durch Autoindustrie, Finanzanbieter und IT Dienstleister bis zu 47% über dem Landesschnitt liegen. Gesundheitsberufe, das Gastgewerbe, Bau und Handwerk bringen jedoch auch in Oberbayern keine Märchengehälter auf die Konten. Hier verdienen die Menschen als Angestellte nur ungefähr die Hälfte, Frauen deutlich weniger als Männer. Und so ist auch die Armut in Bayern überwiegend weiblich und oft alleinerziehend.

Wir wissen auch, dass der Mindestlohn in Deutschland und erst recht im teuren Oberbayern seinen Namen nicht verdient, wenn jemand davon auskömmlich leben soll, geschweige denn, ausreichende Rentenanwartschaften erwirtschaften will.

Steigende Wohnkosten, hohe Lebenshaltungskosten und längst nicht alle können von ihrer Rente gut leben: sich oder der Familie etwas zu gönnen bleibt für viele ein Luxus. Gerade für Frauen, die Kinder erzogen und Eltern betreut haben: von den mit der Gießkanne verteilten Wahlgeschenken bleibt denen, die ohnehin viel zu wenig haben, am Ende nichts, weil es Löcher stopft und wegen der Mehrkosten durch die Finger rinnt.

Kein Wort zur Armut im Koalitionsvertrag

Die Großmutter mit Rentenansprüchen unter der Mindestsicherung kann das Landespflegegeld nicht der betreuenden Tochter oder Enkelin zustecken und damit ihre Wertschätzung ausdrücken, so wie es von der Staatsregierung geplant war. „Armut in Oberbayern ist da, sie trifft Singles, Familien mit zwei Eltern und Alleinerziehende und Kinder: die können dann nicht mit zur Skifreizeit oder die Einladung zum Kindergeburtstag annehmen. Armut trifft alte Menschen in Oberbayern, die nicht genug Rentenansprüche sammeln konnten, oder hauptsächlich familiäre Care-Arbeit geleistet haben.

Traditionell sind das auch heute immer noch ganz überwiegend Frauen. Ein wacher Blick in die Statistiken, die Lohnentwicklungen und die tatsächlichen Kosten macht die Armut greifbar“, fasst Andreas Krahl zusammen. „Man muss sich nur trauen, hinzuschauen und die Risse in der Vorstufe zum Paradies zu erkennen.“ „Im Koalitionsvertrag zur „bürgerlichen Koalition“ zwischen CSU und FW findet sich zur Armut nicht ein einziges Wort. Arme Menschen sind auch hier von der Teilhabe ausgeschlossen,“ resümiert Krahl bitter.

Pressemitteilung Bündnis 90 / Die Grünen

Rubriklistenbild: © dpa

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