Kommentar von innsalzach24-Reporter Jens Zimmermann

Kitas bleiben im Corona-Lockdown offen: Ent- oder Belastung für Familien?  

Kitas bleiben offen, aber nur für Kinder ohne Schnupfen und Husten. Für Reporter Jens Zimmermann ist das keine Entlastung, sondern eher eine Belastung für Familien.
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Kitas bleiben offen, aber nur für Kinder ohne Schnupfen und Husten. Für Reporter Jens Zimmermann ist das keine Entlastung, sondern eher eine Belastung für Familien.

Zwar wurden im Zuge des „Lockdown Light“ im November die Kitas nicht geschlossen. Die Regierung will damit die Familien entlasten. Doch mit einigen Auflagen scheint dies fraglich, meint zumindest Reporter Jens Zimmermann im Kommentar. 

„Wir wollen Eltern entlasten und Beschäftigte schützen. Die Aufrechterhaltung der Kindertagesbetreuung hat für uns weiterhin oberste Priorität“, erklärt die Bayerische Familienministerin Carolina Trautner. Anders als noch im Frühjahr müssen Kitas im Teil-Lockdown im November nicht schließen.


Kitas im Corona-Lockdown offen: Entlastung für Familien?

So weit, so gut. Der Ansatz scheint logisch, wären da nicht gewisse Auflagen. Viele Eltern werden sich zunächst gefreut haben, so auch ich als junger Familienvater. Aber die Freude hielt nicht lange. Denn der Besuch der Kinder mit milden Symptomen wie Schnupfen oder gelegentliches Husten untersagt ein Erscheinen. Zumindest ab einen Inzidenzwert von über 50, so die Empfehlung der Regierung.


Diese wälzt die Verantwortung nämlich auf die Gesundheitsämter ab. Für die Kitas gibt es analog zur Corona-Ampel einen Drei-Stufen-Plan mit empfohlenen Maßnahmen. Doch wer die täglichen Zahlen der Neuinfektionen verfolgt wird abschätzen können, dass der Wert in den nächsten Wochen wohl nur noch selten darunter liegen wird bzw. wieder schnell in die Höhe schießen kann. Planbar ist das nicht.

Schnupfen und Husten gehören zur Entwicklung

Doch wie auch erfahrene Eltern wissen: Schnupfen und Husten gehören im Herbst/Winter einfach dazu. Kaum hat ein Kind die Erkältung überstanden, kommt auch schon wieder die nächste Rotznase. Denn das ist auch ganz normal und trainiert das kindliche Immunsystem. Zehn bis zwölf Infekte pro Jahr sind normal und dauern in der Regel zwischen sieben und zehn Tage.

Auch hierfür gibt es in vielen Landkreisen eine offene Hintertür. Kinder mit einem negativen Corona-Test dürfen auch mit Symptomen in die Kita. Spielen wir das doch mal durch: Am Montagmorgen stellen Eltern fest, dass ihr Kind Schnupfen hat. Bekommt man am selben Tag noch einen Testtermin? Vielleicht ja. Im Idealfall liegt das Ergebnis am Dienstag vor. An zwei bis drei Tagen benötigt man auf jeden Fall eine alternative Kinderbetreuung.

Wie lange ist ein Test gültig?

Und wie lange ist so ein negativer Test gültig? Das steht nicht mal im Rahmen-Hygieneplan für die Kindertagesbetreuung. Aber man kann davon ausgehen, dass es analog zur Regelung bei Grenzpendlern ist, die jede Woche einen negativen Test benötigen. Jetzt dauert so ein Infekt manchmal bis zu zehn Tage. Wieder Test, wieder auf ein Ergebnis warten: Somit fallen von zehn Betreuungstagen schon mal vier sicher aus, vermutlich eher fünf bis sechs. Bis zum nächsten Schnupfen...

Im Landkreis Mühldorf wird die Regel sogar noch strenger ausgelegt: „Bei Krankheitssymptomen ist der Schulbesuch bei allen Schularten erst nach negativem Test und 24 Stunden Symptomfreiheit möglich“, heißt es auf der Webseite des Landratsamtes unter häufig gestellten Fragen. Der Schulbesuch wird hier gleichgesetzt mit Kitas. Hier benötigt man wohl für zehn Tage eine Alternative.

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Test für Kinder kein Zuckerschlecken

Zusätzlich stelle ich mir vor, wie mein Kind auf so einen Corona-Test reagiert. Wer mit seinem Kleinkind schon beim Arzt war, weiß wovon ich spreche. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Kindern kann man die Situation leider noch nicht erklären. Bei zehn Infekten pro Jahr kann man demnach hochgerechnet von 20 Tests ausgehen. Die Vorfreude steigt.

Selbstverständlich kann und will ich jetzt hiermit die Maßnahmen im Lockdown nicht bewerten. Corona muss weiterhin ernst genommen werden. Vielmehr ärgere ich mich aber über so manche Aussagen und die Kommunikation. Denn in der aktuellen Situation der Kindertagesbetreuung sind wir meiner Meinung nach meilenweit von einer Entlastung entfernt. Hinzu kommen die unterschiedlichsten Regelungen, in dem sich niemand mehr auskennt. Viele Familien dürften das eher als Belastung sehen - trotz geöffneter Kitas.

Verfasst von Jens Zimmermann (jens.zimmermann@ovb24.de)

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