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Rapider Anstieg der Corona-Infektionen

Inzidenz über 100 und Schulen vor Schließung: Mühldorfer Landrat sendet Hilferuf an Staatsregierung

Werden die Stühle in den Kindertageseinrichtungen wieder hochgeklappt? Die steigenden Corona-Inzidenzen im Landkreis Mühldorf geben Anlass zur Sorge.
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Werden die Stühle in den Kindertageseinrichtungen wieder hochgestellt? Die steigenden Corona-Inzidenzen im Landkreis Mühldorf geben Anlass zur Sorge.

In einem offenen Brief hat sich Mühldorfs Landrat Max Heimerl (CSU) am Sonntag (28. Februar) an den Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek gewandt. Es geht ihm darum, wie man Schulen auch bei steigenden Infektionszahlen offen halten kann. Heimerl macht einen konkreten Vorschlag.

Mühldorf – Der Mühldorfer Landrat fordert im offenen Brief nicht nur eine Anpassung der Regelungen in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zugunsten der Öffnung von Schulen und Kitas. Er bringt auch Schnelltests ins Spiel, die den Betrieb der Einrichtungen sicherstellen und eine Schließung abwenden könnten.

Hintergrund: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat am Wochenende weiter zugenommen. Das Landratsamt in Mühldorf meldete insgesamt 51 neue Ansteckungen mit SARS-CoV-2. Die Positiv-Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hat den maßgeblichen Wert von 100 überschritten. Sie beträgt laut RKI zum Stichzeitpunkt (28. Februar 2021) 112,2.

Für die Schulen und Kitas bedeutet die Überschreitung der 100er-Inzidenz, dass die Einrichtungen eigentlich geschlossen werden müssen. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Bayerischen Staatsregierung wurde die Öffnung am Montag noch sichergestellt. Die Hoffnungen ruhten dabei auf einen Rückgang der Infektionen.

Schon am Samstag die kritische Marke überschritten

„Doch leider haben wir die Trendwende bislang nicht geschafft“, bedauerte Heimerl am Sonntagnachmittag, nachdem weitere Zahlen bekannt geworden sind. Schon am Samstag war die 100er-Grenze der 7-Tage-Inzidenz überschritten worden (106,2), nachdem im Landkreis Mühldorf 31 neue bestätigte Corona-Fälle hinzugekommen waren.

Das hatte zur Folge, dass bereits ab Sonntag, 28. Februar, die nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr in Kraft getreten ist. „Die Ausgangssperre kann erst wieder aufgehoben werden, wenn die 7-Tage-Inzidenz an sieben aufeinander folgenden Tagen unter dem Wert von 100 liegt“, erklärt die Pressestelle des Landratsamtes dazu. 20 weitere bestätigte Fälle wurden dann am Sonntag gemeldet.

Kindertagesstätten sind auch betroffen

Wie es aus dem Mühldorfer Landratsamt weiter heißt, sind auch Kindertagesstätten von positiven Corona-Fällen betroffen. Eine Gruppe der Kindertagesstätte Familienbrücke „St. Severin“ in Kraiburg befindet sich aufgrund eines positiven Falls in Quarantäne. Aufgrund eines positiven Falls im Kindergarten Nuntius Pacelli in Ampfing ist auch dort eine Gruppe in Quarantäne geschickt worden. Derzeit gibt es im Landkreis Mühldorf 190 aktive Fälle, am Samstag lag diese Zahl noch bei 198. Kindertagesstätten sind auch betroffen.

Die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen ab Dienstag sei nach den gängigen Richtlinien des Infektionsschutzes die logische Konsequenz. Mit dem Auf und Ab der Inzidenzzahlen und dem damit verbundenen Auf und Zu der Einrichtungen wachsen nach Ansicht des Mühldorfer Landrats Max Heimerl (CSU) Unverständnis und Widerstand der betroffenen Eltern, Schüler, Kinder und Einrichtungen spürbar.

Landrat fordert verlässliche Öffnung von Schulen und Kitas

„Die aktuelle Regelung mit dem starren Inzidenzwert von 100 wird von den Menschen abgelehnt und ist in der Praxis kaum umsetzbar“, macht der CSU-Politiker deutlich. Es entstünden nach Ansicht Heimerls, der früher selbst Lehrer und vor Amtsantritt Leiter einer Berufsschule war, Problem- und Konfliktfelder von der Kinderbetreuung bis zur Schülerbeförderung. „Auch die Betriebe brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und können nicht kurzfristig auf Mitarbeiter verzichten“, argumentiert Mühldorfs Landrat.

Bei Kindern und Jugendlichen seien schon jetzt zum Teil Bildungs- und Entwicklungsdefizite und soziale Folgen von Schließungen erkennbar. „Wir brauchen wirkungsvolle und zugleich akzeptierte Regelungen zum Infektionsschutz, um die Solidarität und Unterstützung der Bevölkerung nicht zu verlieren“, schreibt der Landrat, der dringend für eine Anpassung der geltenden Regelungen in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und eine verlässliche Öffnung der Schulen und Kitas plädiert.

Tests wären genügend vorhanden. Die deutliche Ausweitung der Testkapazitäten an den Einrichtungen, wirkungsvolle Hygienekonzepte, Mindestabstände an den Schulen und Maskenpflicht würden dann ein Offenhalten der Einrichtungen weiterhin möglich machen, ist sich Heimerl sicher.

Landkreis will am Montag entscheiden, wie es nach steigender Inzidenz weitergeht

Er gibt in seinem Schreiben auch zu bedenken, „dass die inzidenzunabhängige Öffnung von Baumärkten oder Friseuren als Ungleichbehandlung gegenüber den Kindern und Jugendlichen empfunden wird“. Eine zeitnahe Änderung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sei nötig, um die Allianz von Gesetzgeber und Verwaltung mit der Bevölkerung nicht zu verlieren und um damit umsetzbare und akzeptierte Regelungen zu schaffen.

Im Laufe des Montags will die Behörde dann auf Grundlage des Infektionsgeschehens und mit Blick auf die weitere zu erwartende Entwicklung entscheiden, ob Schulen und Kindergärten weiterhin geöffnet bleiben können.

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