DAS SAGEN POLITIKER ZUM A8-AUSBAU - TEIL 8

"Ich bezweifle, ob ein Tempolimit das Problem von vielen Autos löst"

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Günther Knoblauch (70) stammt aus Mühldorf am Inn, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Der Diplom-Verwaltungswirt ist seit 2013 Mitglied des Landtages.

Landkreis - Sechsspurig soll die A8 werden, Standstreifen erhalten und generell für die Zukunft fit gemacht werden. Dennoch wird weiter über Sinn und Unsinn des Ausbaus diskutiert. Wir haben Politiker der Region nach ihrer Meinung gefragt. Heute: MdL Günther Knoblauch (SPD).

Der geplante A8-Ausbau spaltet die Region. Und das nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich. Viele sind für einen sechsspurigen Komplettausbau plus Standstreifen, viele würden aber auch den Ausbau der vierspurigen Autobahn und den Anbau von Standstreifen an die vorhandene Trasse befürworten.


Wie positionieren sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Region zu dem Projekt? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der SPD-Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch

Wie oft sind Sie selbst auf der A8 zwischen München und Landesgrenze zu Österreich unterwegs? Welche Erfahrungen haben Sie auf der Strecke gemacht? Haben Sie dabei schon mal im Stau gestanden?


In den vergangenen Wochen bin ich mehrmals selbst auf der A8 zwischen Traunstein und Rosenheim unterwegs gewesen. Einen Stau habe ich dabei nicht erfahren müssen. Was mich stört, sind auch Staus, die wegen Grenzkontrollen an drei von 108 Grenzübergängen durchgeführt werden und zudem der heimischen Wirtschaft schaden.

Der Bundesrechnungshof hat jüngst angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau samt zuschaltbaren Standstreifen für den Bereich Chiemsee-Landesgrenze/Salzburg ausreichend sei angesichts der Verkehrsbelastung dort. Halten Sie einen vierspurigen Ausbau der A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze mit zuschaltbaren Standstreifen, zum Beispiel bei viel Verkehr in der Ferienzeit, für ausreichend? Zum Beispiel wenn ein Tempolimit mit 120 oder 130 km/h eingerichtet würde?

Straßen sollten immer bedarfsgerecht rechtzeitig ausgebaut werden. Dabei gilt es abzuwägen zwischen Spitzenzeiten und Normalbetrieb. Wenn es Hinweise des Bundesrechnungshofes gibt, gilt es, den Ausführungen nachzugehen. Ich bezweifle, ob ein Tempolimit das Problem von vielen Autos löst.

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen Inntaldreieck und Salzburg? Können Sie die Argumente der 4+2-Befürworter nachvollziehen, zum Beispiel in puncto Flächenverbrauch?

Natürlich spielt der Flächenverbrauch, der exorbitante Eingriff in die Landschaft bei der Abwägung eine Rolle. Oftmals provozieren überzogene Ausbaupläne mehr Gegnerschaft als die Orientierung am erweiterten Mittelmaß wie bei 4+2.

Auch der Bundesrechnungshof argumentiert gegen einen sechsspurugen Ausbau plus Standstreifen zwischen Inntaldreieck und Salzburg. Dadurch könnten Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro eingespart werden. Halten Sie das nicht für ein lohnenswertes Ziel?

Weitere Informationen

Der Bundesverkehrswegeplan hat einen vorgegebenen Finanzrahmen, der nicht zuletzt auf Initiative der SPD in der Groko erweitert wurde. Gleichwohl sind Einsparungen immer eine Aufgabe – insbesondere, wenn wie bei uns in der Region mehrere Großprojekte einer dringenden Verwirklichung bedürfen. Ich möchte hier nur als Beispiel die Bahnstrecke Mühldorf-Freilassing oder Traunstein-Mühldorf oder den Brenner-Basistunnel nennen. Dringend notwendiger Schienenausbau einerseits und Einsparungspotential andererseits gilt es zu nutzen.

Die Region lebt ja auch von der Natur, den Bergen und folglich den Besuchern, die hierher kommen. Sehen Sie den Faktor Tourismus beziehungsweise Attraktivität der Region gefährdet, wenn eine moderne sechsspurige Autobahn eine Art Schneise hindurchschlägt?

Eingriffe in Natur und Landschaft führen immer zu Diskussionen. Ich glaube aber nicht, dass der Tourismus unmittelbar geschädigt würde. Aufgabe der Autobahnbauer ist sicher auch, die Eingriffe auszugleichen. Der notwendige Eingriff wäre allerdings in diesem Fall enorm.

Wie dringend ist der Handlungsbedarf an der bestehenden A8 zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus Ihrer Sicht?

Der Ausbau ist dringlich – aus Gründen der Sicherheit, die im Vordergrund stehen. Aber auch im Interesse der Feuerwehren und Rettungskräfte, die vor unnötigen Einsätzen durch mehr Raum bewahrt werden können.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von der A8 aus? Was muss Ihrer Meinung nach an der Strecke unbedingt verbessert werden?

Ich wünsche mir, dass endlich Entscheidungen getroffen werden, alle Argumente geprüft werden, aber schnell gebaut wird. Endlose Diskussionen dienen weder der Sicherheit des Verkehrs oder der Bewältigung des Verkehrs und schon gar nicht den Menschen in der Region, für die wir Verantwortung tragen.

ksl

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