Künftig reicht ein Rezept

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Fünf Jahre harte Arbeit, dafür gab es eine Magnum-Flasche für ein richtiges Fest: Hans Dworzak (links) und Josef Hell, die Konstrukteure des SAPV-Modells auf dem Land.

Mühldorf - Der Mühldorfer Anna- Hospizverein stellt das erste ambulante Team zur Versorgung todkranker Schmerzpatienten außerhalb der Städte, das die Krankenkassen anerkannt haben.

Beim gestrigen Festakt wurde klar: Ohne diese Anerkennung hätte der Verein die Arbeit einstellen müssen.

1,5 Millionen Euro haben Spender und Mitglieder des Anna-Hospizvereins seit der Gründung vor 15 Jahren aufgebracht und damit unter anderem die spezialisierte, ambulante Betreuung von todkranken Menschen finanziert. Ohne finanzielle Absicherung bauten die Haupt- und Ehrenamtlichen um Vereinsgründer Dr. Hans Dworzak und Vorstand Josef Hell in den letzten fünf Jahren ein System auf, dank dessen sterbende Menschen zuhause betreut und begleitet werden konnten. Das Geld, das der Verein hat, ist fast aufgebraucht, schon Ende 2009 stand die Arbeit auf der Kippe, sagte Dworzak beim Festakt im Stadtsaal. "Aber ein Zurück durfte es nicht geben."

Seit dem 1. Januar hat der Verein die Sicherheit, dass es weiter geht (wir berichteten). Die Krankenkassen haben die "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung" (SAPV) in Mühldorf anerkannt, künftig reicht ein Rezept des behandelnden Arztes, damit die Krankenkassen die Leistungen des SAPV-Teams bezahlen.

Grund genug für Bayerns Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml nach Mühldorf zu kommen: "Mit Blick auf ganz Bayern ist es ein Segen. Wir sind stolz, dass wir heute das erste SAPV-Team auf dem Land vorstellen können." Bislang gibt es neun von den Kassen anerkannte Teams, die ausschließlich in den Städten tätig sind.

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt eine Zahl, die Hell während des Festakts nannte: Die Hälfte aller Menschen, die 2010 im Landkreis gestorben sind, wurden vom Hospizverein begleitet: 600. Obwohl diese Zahl absehbar steigen wird, war der Weg zum gestrigen Festakt lang und steinig.

Am Ende der Verhandlungen mit den Kassen stand der Anerkennungsvertrag. Und für den lobten die Beteiligten die jeweils anderen: Staatssekretärin Huml die Kassen, weil sie die Betreuung Sterbender nicht zum Konkurrenzmerkmal gemacht, sondern gemeinsame Verhandlungen ermöglicht hätten; Kassenverhandlungsführer Olaf Miklis lobte Josef Hell, weil der durch Koordination und Konzeption den Weg zum Vertrag geebnet und in ganz Bayern zur Verbesserung der Palliativversorgung beigetragen hätte; und schließlich Josef Hell die Staatsregierung, weil Sozialministerin Christa Stewens schon 2006 die Verbindung von ambulanter und stationärer Betreuung in Mühldorf als "Modellprojekt bezeichnet" habe. Seitdem habe das Gesundheitsministerium die Bemühungen der Mühldorfer unterstützt.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer (CSU) nannte die Arbeit des Mühldorfer SAPV-Teams "beispielgebend und zukunftsweisend für ganz Bayern", Landrat Georg Huber hob die gute Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus hervor.

Mit dem Hospizhaus bietet der Verein alle Leistungen rund um die Betreuung und Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen unter einem Dach. Unter 08631 / 1857100 können sich Hilfesuchende 24 Stunden am Tag an den Verein wenden.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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