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Hilfe an jedem Tag, zu jeder Zeit

Krisendienst Psychiatrie Oberbayern hilft nicht nur am Telefon sondern auch mit Hausbesuchen

Eine Nummer für jeden der psychische Hilfe braucht: Bezirksrätin Claudia Hausberger und Alexander Scheitz vom Krisendienst.
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Eine Nummer für jeden der psychische Hilfe braucht: Bezirksrätin Claudia Hausberger und Alexander Scheitz vom Krisendienst.

Seit einem halben Jahr gibt es den Krisendienst Psychiatrie Oberbayern. Er hilft nicht nur am Telefon, sondern kommt auch nach Hause

Mühldorf/Altötting – Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens einmal in eine Krise kommen und das seelische Gleichgewicht verlieren, weil bestimmte Ereignissen oder Lebensumstände ihn belasten. Er hat das Gefühl der Hilflosigkeit und weiß nicht, wie er all die negativen Dinge, die ihm sein Leben erschweren, bewältigen soll. Der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern hilft diesen Menschen, er wurde vor sechs Monaten gegründet.

Kein leichter Start für die Einrichtung

Mühldorfs Bezirksrätin Claudia Hausberger (CSU) sieht das erste halbe Jahr als Beleg für die Notwendigkeit dieser Hilfe für Betroffene, Angehörige, Jugendliche oder Fachkreise. Dabei war der Start nicht leicht. „Bis wir endlich den Krisendienst Oberbayern einführen konnten, mussten viele organisatorische Hürden gemeistert und finanzielle Fragen geklärt werden“, sagt die 49-Jährige, die auch Behindertenbeauftragte des Landkreises Mühldorf ist.

Im Dezember 2020 war es endlich soweit. Der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern gemeinnützige GmbH wurde gegründet. Das Personal besteht nach Angaben Hausbergers aus Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen, die professionell beraten können.

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Geht ein Anruf ein, wird er an die zuständige Leitstelle weitergeleitet. „Die Hilfesuchenden können kostenfrei unsere Krisendienstnummer wählen“, sagt Alexander Scheitz (39) Gebietskoordinator für Oberbayern und zuständig für die Region Südostbayern.

Zu seinem Aufgabengebiet gehören die Landkreise Mühldorf, Altötting, Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim. „Wenn eine telefonische Beratung nicht hilfreich ist, kommen mobile Ausrückteams zum Einsatz“, sagt er.

Früher seien diese Hilfestellen nur zu bestimmten Zeiten besetzt gewesen, jetzt seien die mobilen Ausrückteams sieben Tage in der Woche zwischen 8 und 21 Uhr im Einsatz.

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Ab 1. Juli sollen die Ausrückteams rund um die Uhr im Einsatz sein und das sieben Tage die Woche. Sie setzen sich aus dem Sozialpsychiatrischen Dienst Mühldorf des Diakonischen Werks Traunstein, einer Tochtergesellschaft und der Gesellschaft zur Förderung des Krisendienst Psychiatrie in Oberbayern (GKP) zusammen.

Den Startschuss für den Dienst gab ein dramatisches Ereignis: „Als im 2016 ein Amokläufer im Olympia-Einkaufszentrum in München mehrere Menschen tötete und verletzte erkannte man, wie enorm wichtig eine Anlaufstelle für Menschen in Krisensituationen ist. Auch der Politik wurde bewusst, dass man den Krisendienst braucht“, sagt Hausberger.

Verschiedene Angebote

Welche Hilfeleistung ein Mensch benötige sei von Fall zu Fall unterschiedlich. „Dem einen reicht ein Telefongespräch, damit es ihm wieder besser geht und andere wiederum müssen in eine Klinik eingewiesen werden“, sagt Scheitz. Der Krisendienst sei ein großes Netzwerk. „Zu unseren Kooperationspartnern zählen unter anderem die Unterbringungsbehörden, die Verkehrsbetriebe, die die Hoffnung haben, mit unserer Unterstützung Menschen vom Suizid abzuhalten und natürlich auch die Kliniken des Bezirks Oberbayern“, sagt Scheitz.

Wichtig sei, dass jeder der mit einer Krisensituation zu tun hat, sich an den Krisendienst wenden könne. Nicht nur Betroffene, sondern auch deren näheres Umfeld. Oft litten Angehörigen mit, wenn jemand psychische Probleme hat. Auch diese erhielten Hilfe im Ernstfall. Aufgabe des Krisendienstes sei es psychisch Kranke zu entstigmatisieren, Versorgung von Krisenbetroffenen Menschen zu gewährleisten und zu verbessern.

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Klartext vom Sternekoch: „Das Problem ist, dass euren Scheiß keiner fressen will...“Deshalb biete der Dienst auch Tageskliniken für Menschen an, die nicht komplett in einer Klinik untergebracht sein wollen und vor allem möchte man Betroffenen mehr Möglichkeiten schaffen, die richtige Hilfe zu erhalten. „Leute, die in einer seelischen Notlage sind, sollten auf alle Fälle Hilfe annehmen und das Krisentelefon nutzen. Nur so kann ihnen geholfen werden“, raten Scheitz und Hausberger.

Der Krisendienst ist kostenlos erreichbar unter 08 00/6 55 30 00

Infos und Zahlen aus dem Jahr 2020 zum Krisendienst

In ganz Oberbayern gingen etwa 20.000 Anrufe beim Krisendienst ein. Es folgten 1900 mobile Einsätze. Im Landkreis Mühldorf waren es 248 Telefonanrufe. 40 Einsätze waren mobil. In ganz Oberbayern waren 61,2 % der Anrufer weiblich und 38,4 % männlich. Das Durchschnittsalter der Anrufer lag bei 42 Jahren. Bei 61,2 % riefen die Betroffenen selbst beim Krisendienst an. 22,5 % der Anrufer waren Angehörige und bei den restlichen Fällen waren es Polizei, Fachstellen oder sonstige Anrufer (zum Beispiel Nachbarn, Arbeitskollegen).

Durch Corona haben sich die Einsatzzahlen nicht großartig verändert. Bei den Anrufen waren immer wieder Corona, Sorgen und Ängste ein großes Thema. Viele Menschen riefen während Corona auch bei der Telefonseelsorge an. Das Ausmaß von Corona auf die psychische Gesundheit kann laut dem Gebietskoordinator Krisendienst Oberbayern, Alexander Scheitz, aktuell noch nicht abgeschätzt werden.

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