Kreisverband in der Krise

Mühldorf - Der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes steht vor einer Zerreißprobe: Ein Teil des Vorstands stellt sich gegen die Vorsitzende Susanne Engelmann und will Geschäftsführer Marc Elsner suspendieren.

"Der Vorstand ist praktisch handlungsunfähig", kritisiert Henke.

Cathrin Henke, Justiziarin des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), ist sicher, dass die Mehrheit der derzeit 21 Vorstände einer Suspendierung zustimmen würde. Hintergrund der möglichen Absetzung und einer anschließenden Prüfung seiner Entlassung ist laut Henke der "völlige Vertrauensverlust" in die Arbeit des Kreisgeschäftsführers. Auch Vorsitzende Susanne Engelmann steht in der Kritik: Sie hat sich nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung am 7. Februar geweigert, fünf Beschlüsse der Vorstandschaft umzusetzen, die sich konkret mit Verträgen und Entscheidungen des Geschäftsführers befassten.

Unter anderem ging es um die Offenlegung von Tätigkeiten Elsners außerhalb des Kreisverbands, um Dienstwagenregelungen und die Eingruppierung von Mitarbeitern, 400-Euro-Verträge mit Ehrenamtlichen samt Verpflichtung zum ehrenamtlichen Engagement sowie den Wechsel des Leiters der Rettungswache. Der Vorstand hat die Beschlüsse mit nur zwei Gegenstimmen gefasst.

Zu diesem Thema äußerte sich Engelmann gestern nicht, auch einen massiven Vertrauensverlust könne sie nicht erkennen: "Wir haben in der Vergangenheit zahlreiche, offene Gespräche mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt, in welchen davon niemals die Rede war. Auch der Personalrat hat sich nie in dieser Richtung geäußert."

Gereizte Stimmung

Hält zum Geschäftsführer Elsner: Vorsitzende Engelmann.

Im Gegenteil: "Als Herr Elsner den Kreisverband übernommen hat, konnten wir die Weihnachtsgelder nicht mehr bezahlen und heute geht es dem BRK Mühldorf so gut wie selten zuvor in seiner über 50-jährigen Geschichte", machte Engelmann deutlich. "Ich stehe voll und ganz hinter unserem Kreisgeschäftsführer." Nach ihrer Aussage gibt es im Vorstand keine offenen Sachthemen, die Grund für einen Vertrauensverlust sein könnten.

Ob der Vorstoß Henkes im Zusammenhang mit einer möglichen Suspendierung Elsners mit anderen Vorstandsmitgliedern abgestimmt ist, ist fraglich. So wusste beispielsweise Beisitzerin Sissi Schätz nichts von einem entsprechenden Antrag. Sie nannte die Stimmung "ein bisschen gereizt", will aber vor einer Festlegung die Sondersitzung des Vorstands am 8. April abwarten.

Fakt ist: In einem Schreiben wandten sich Henke und elf weitere Vorstandsmitglieder am 13. März an die Bezirksvorsitzende des BRK, Christa Stewens, und legten ihr die Querelen und Missstände dar. Aus Vorstandskreisen hieß es gestern, Henke agiere keinesfalls allein, sondern könne als Sprecherin dieser Gruppe angesehen werden.

Anonymer Brief

In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Vorstandsmitglieder, aber auch Haupt- und Ehrenamtliche massiv über die Arbeitsweise des Geschäftsführers beklagt, der bereits im Jahr 2005 in der Kritik stand. Damals trat ein Großteil der Vorstandschaft zurück, mit Susanne Engelmann sollte der Neuanfang gelingen. Im Mai letzten Jahres im Rahmen derDiskussionen um die Wasserwacht eskalierte erstmals der Streit in der Vorstandschaft, seitdem herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens.

Dazu passt, dass in den nächsten Tagen Vertreter des Freistaats, Politiker im Landkreis und zahlreiche Medien einen offenen, aber anonymen Brief erhalten sollen. Das Schreiben ist auf offiziellem Briefpapier des Roten Kreuzes verfasst und trägt den Stempel der Geschäftsstelle. Nach Einschätzung Henkes stehen zehn bis 15 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter hinter dem Brief. "Das war sicher kein Einzelner", sagt sie, genauso schließt sie aus, dass der Brief aus Vorstandskreisen stammt.

Auch Florian Grünke, der als Leiter des Jugendrotkreuzes im Vorstand die Ehrenamtlichen vertritt, weiß nicht, wer den Brief verfasst hat: "Ich habe keine Ahnung", sagt Grünke, der sich sonst zur "angespannten Lage im Vorstand" nicht weiter äußern will, aber einräumt, dass der Brief die aktuelle Siutuation darstellt. "Je nachdem, wie man es sieht."

In dem Schreiben werfen die nicht bekannten Verfasser Geschäftsführer Elsner massive Verfehlungen vor. Marc Elsner will sich zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Sie seien nicht neu und nicht beweisbar und spielten sich auf der Ebene von Gerüchten ab. Er verweist ebenso wie Engelmann auf die Vorstandssitzung am 8. April, an der auch die Bezirksvorsitzende und CSU-Landtagsabgeordnete Stewens sowie Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk teilnehmen sollen.

Die Tagesordnung ist weit gefasst: So geht es um die "Situation im Kreisverband" ebenso wie um die "zukünftige Zusammenarbeit".

ha/hon/Mühldorfer Anzeiger

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