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Mensch und Krähe

Sie schreien und verdrecken alles – Krähenplage ärgert Mühldorfer

Ihre Zahl ist noch einmal gestiegen: Die Krähensiedlung entlang der Eichkapellenstraße ist gewachsen und hat sich Richtung Westen erweitert. Enzinger
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Ihre Zahl ist noch einmal gestiegen: Die Krähensiedlung entlang der Eichkapellenstraße ist gewachsen und hat sich Richtung Westen erweitert. Enzinger

Über 100 Krähenpaare nisten wieder im Mühldorfer Grüngürtel mitten in der Stadt. Anwohner finden das Geschrei und den Dreck unerträglich, eine Vertreibung der Vögel kommt nicht in Frage

Mühldorf – Sie haben die alten Nester wieder bezogen, neue gebaut, ihre Heimstatt erweitert. Wahrscheinlich sind es mehr geworden, als die 90 Paare, die die Stadt im vergangenen Jahr gezählt hat: Die Krähen im Grüngürtel an der Hangkante in Mühldorf.

Klaus Röhricht, der in der Eichkapelle wohnt, hatte im vergangenen Jahr Alarm geschlagen und auf die hohe Belästigung durch Kot und Lärm hingewiesen.

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„Man nennt das ja singen“, sagt er schulterzuckend. Seine Hoffnung, dass der Krähenschwarm heuer ein neues Plätzchen suchen würde, hat sich zerschlagen. „Es sind viel mehr geworden.“

Verjagt – aber nur ein paar Bäume weit

Röhricht selbst ist aktiv geworden, hat in die Hände geklatscht, gerufen – mit mäßigem Erfolg. Fünf Bäume gegenüber seines Grundstückes seien heuer zwar krähenfrei geblieben, auf den übrigen aber Brutpaare hinzugekommen. Andere Gartenbesitzer habe glänzende CD-Scheiben in die Bäume gehängt oder Plastikraben, mit mäßigem Erfolg.

Es gehört zu den Problemen, die inzwischen viele Gemeinden haben: Krähen sind durch Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes und der europäischen Vogelschutzrichtlinie geschützt, sie sind gesellig, standorttreu und suchen die Nähe zum Menschen.

Wichtiges über Krähen lesen Sie beim Bund Naturschutz: Rabenvögel in der Schusslinie

Vertreiben, das weiß auch Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner, lassen sie sich nur schwer. Sie beruft sich auf die Regierung von Oberbayern, die auf Anfrage noch einmal klar gemacht habe, dass es verboten sei, die Nester der Vögel zu entfernen. „Dies gilt auch, wenn diese Fortpflanzungsstätten nicht besetzt sind und jährlich wieder aufgesucht und genutzt werden, was bei der Saatkrähe regelmäßig der Fall ist.“

Vergrämung kann zu Zersplitterung der Gruppe führen

Vor allen anderen Versuchen, die Vögel zu vertreiben, warnt die Regierung ausdrücklich: „Wir möchten erneut darauf hinweisen, dass Vergrämungsmaßnahmen zu einer Zersplitterung in mehrere Teilkolonien führen können.“ Oftmals führe das zu einem Anstieg des Bestands.

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Wer es trotzdem versuchen wolle, müssen den Vögeln einen anderen Standort anbieten, an dem sie in Ruhe brüten könnten. „Da gezielte Umsiedlungs- oder Lenkungsmaßnahmen nicht möglich sind, bieten sich bereits existierende Koloniestandorte mit Zuwachspotential an.“ Dafür böte sich als Standort „Mößling“ an, schreibt die Regierung an die Stadt – die das vehement ablehnt.

Fluchtpunkt Mößling?

„Mößling kommt als „Zielstandort“ für eine Vergrämung nicht in Frage“, sagt Weichselgartner. Dort gebe es schon länger das Problem, dass die Saatkrähen sich im Trinkwasserschutzgebiet angesiedelt hätten. Die Fällung von Bäumen habe dazu, das die Zahl gestiegen sei. „Jetzt haben wir weniger Bäume aber dafür mehr Vögel im Wasserschutzgebiet“, sagt Weichselgartner. Sie fürchtet, dass ein Teil der Stadtvögel von dort kommt und gleichzeitig neue Tiere eine Heimat im Wasserschutzgebiet gefunden hätten.

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Die Konsequenz ist für betroffene Anwohner zwischen Freibad und Altmühldorfer Tal niederschmetternd sein. „Nachdem nicht absehbar ist, dass durch eine Vergrämungsaktion tatsächlich eine Verbesserung und nicht eher eine Verschlechterung erreicht wird, sehen wir uns aktuell nicht in der Lage, sinnvolle Maßnahmen planen“, sagt Weichselgartner.

Krähensichere Mülleimer

Aktiv ist die Stadt in einem anderen Bereich: Sie rüstet die Mülleimer im Stadtgebiet auf krähensichere Behälter um. Denn Anwohner beklagen, dass der Müll die Vögel anziehe und sie den Dreck auf den Wegen verteilten. „Bei neuen Abfalleimern wird grundsätzlich die krähensichere Variante genommen mit Abdeckung“, sagt Wichselgartner. „Das hat auch den Vorteil hat, dass keine größeren Hausmüllsäcke entsorgt werden können.“

Im Stadtgebiet Mühldorf gibt es nach ihren Angaben derzeit 407 Abfalleimer. Damit fallen für die Mitarbeiter im städtischen Bauhof jährlich 60 000 Leerungen an.

Keine Gefahr für den Hubschrauber

Keine Gefahr besteht laut dem Inn-Klinikum für den Hubschrauber-Landeplatz. Auf Anfrage teilt Sprecher Mike Schmitzer mit: „Es wurden uns weder von den Piloten, noch der Leitstelle oder unserer Technikabteilung Beeinträchtigungen gemeldet.“ Die Vögel seien in diesem Jahr zwar näher an den Landeplatz herangerückt, würden den Flugverkehr aber nicht behindern, sagt auch die Regierung von Oberbayern: „Wie Ihnen am 26. November 2019 mitgeteilt, ist die Gefährdung der Sicherheit von Hubschraubern im Zusammenhang mit den Saatkrähen nach intensiver Recherche durch die Regierung nicht gegeben“, heißt es in einem Schreiben an die Stadt.

So wurde Weilheim die Krähen los – zum Teil

Nicht nur Mühldorf hat massive Probleme mit den geschützten Krähen, auch andere Städte klagen darüber. In Weilheim nisteten die Tiere in großer Zahl am Oberen Graben in der Innenstadt. „Die Zeiten vom Nestbau über Brut und Aufzucht sind für viele in der Bevölkerung fast unerträglich, Lärm von frühmorgens durchgehend bis spät in die Nacht, Verdreckung durch Kot“, schildert der Leiter der Bauverwaltung, Manfred Stork“ die Situation in Weilheim.

Vertrieben Krähen ließen sich in der Nachbarschaft nieder

Nach Genehmigung durch Naturschutzbehörden durfte die Stadt die Tiere in diesem Frühjahr vertreiben. Sie hat Astgabeln ausschneiden lassen, um die Plätze für Nester zu reduzieren und eine Spezialfirma engagiert, um die Tiere mit den Schreien von Raubvögeln und den Angstrufen von Krähen aus Lautsprechern zu verjagen. Mit Erfolg, wie Stork sagt: „Es haben sich dort keine Brutpaare mehr niedergelassen. Die Krähen sind nicht zurückgekommen.“

Neuen Standort schmackhaft machen

Allerdings gesteht Storck das ein, was Mühldorfs Stadtbaumeisterin Weichselgartner fürchtet: „Jede Vergrämung hat den negativen Effekt, dass sich die Vögel nicht grundlegend aus dem Stadtgebiet vertreiben lassen, sondern sich die nächstgelegenen hohen Bäume außerhalb des Vergrämungsbereiches suchen.“ Laut Storck will Weilheim im nächsten Schritt „den Vögeln die freie Natur“ wieder schmackhaft machen“. Er sagt aber auch: „Ob und wie das gelingt, bleibt abzuwarten.“

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