Weichmacher aus der Luft

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Wie kommen die Weichmacher in unser Öl: Dieser Frage ging Dr. Karin Huber über ein Jahr lang auf den Grund.

Mühldorf -  Über ein Jahr lang hat Byodo zusammen mit dem Fraunhofer Institut untersucht, auf welchem Weg Weichmacher in Bio-Produkte gelangen. Die Ergebnisse überraschen die Experten.

Byodo stellte Organisation und Personal, das Fraunhofer-Institut analysierte die entnommenen Proben. Die Gesamtkosten des Projekts: rund 50.000 Euro.

Weichmacher sind meist komplexe organische Verbindungen, die Kunststoffen zugesetzt werden, damit diese biegbar und geschmeidig bleiben. "Zum Teil sind sie völlig harmlos, zum Teil können sie aber auch krebserregend sein oder hormonelle Auswirkungen haben", erklärt Dr. Karin Huber, die bei Byodo für das Qualitätsmanagement zuständig ist. Deshalb analysierte das Fraunhofer-Institut zunächst, mit welchen Lebensmitteln die Stoffe aufgenommen werden. Ergebnis: Vor allem in ölhaltigen Produkten ist die Konzentration auffallend hoch.

Die ersten Untersuchungen ergaben, dass Raps- und Sonnenblumenöl überhaupt nicht betroffen ist. Oliven-, Walnuss-, Distel- und Erdnussöl wiesen dagegen Konzentrationen auf, die nahe an den Grenzwerten lagen, die der "Bundesverband Naturkost Naturwaren" festlegt.

Über ein Jahr lang nahm Dr. Karin Huber daraufhin den gesamten Produktionsablauf unter die Lupe, schickte zahlreiche Proben ins Labor. "Sowohl in der deutschen als auch in der italienischen Ölmühle, mit der wir zusammenarbeiten, haben wir vor und nach jedem Verarbeitungsschritt gemessen, wie sich die Konzentraion der Weichmacher verändert. Zudem wurden die Materialien untersucht, die mit dem Öl in Verbindung kommen", erklärt Byodo-Marketingleiterin Sandra Linner. Denn bis zuletzt waren viele Experten der Meinung, dass hier eine der Quellen für die Weichmacher in den Ölen zu finden sein wird.

Doch das Ergebnis fällt anders aus. "Die Weichmacher gelangen bei Byodo nicht während der Verarbeitung in das Öl, sondern sind schon vorher in der Saat oder den Oliven vorhanden", fasst Huber zusammen. Deshalb liege der Schluss nahe, dass die Stoffe von den Bäumen, Blättern und Früchten über die Luft aufgenommen werden.

"Für unser Haus ist das natürlich erst einmal eine gute Nachricht. Es bestätigt die hohen Qualitätsstandards, die wir anlegen", sagt Linner. Andererseits lasse sich damit das Ziel, die ohnehin nur in sehr geringer Menge vorhandenen Weichmacher komplett aus den Ölen zu verbannen, nur schwer umsetzen. Weichmacher entweichen beispielsweise bei der Kunststoffverarbeitung in die Luft.

Konsequenzen will Byodo dennoch ziehen. "Wir werden künftig die Auswahl der Anbaugebiete für unsere Rohwaren noch gezielter und sorgfältiger treffen", sagt Linner. Dafür brauche es unter anderem detailiertes Kartenmaterial über die Weichmacherkonzentration in der Luft.

Nicht nur an diesem Punkt sieht Linner vor allem die Politik gefordert: "Ideal ist es erst, wenn die Weichmacher aus der Luft verschwunden sind."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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