Knoblauch wettert gegen CSU-Aktion

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Der Töginger Brunnenweg bildet die Grenze zwischen der Stadt Töging und der Gemeinde Erharting. Aus diesem Grund wird das geplante Logistikzentrum zwar südlich der Autobahn, aber auf Erhartinger Flur angesiedelt werden - und damit sehr nah am Töginger Wasserschutzgebiet.

Töging/Mühldorf/Erharting - Logistikzentrum am Wasserschutzgebiet: Mühldorfs SPD-Bürgermeister Günter Knoblauch ist über eine CSU-Aktion "stocksauer" und sieht hunderte Arbeitsplätze in Gefahr.

Über Stadtgrenzen hinweg zusammenarbeiten, gemeinsam Arbeitsplätze schaffen - ein Logistikzentrum einer Verbrauchermarktkette in Autobahnnähe zwischen Erharting, Töging und Mühldorf soll mittels eines interkommunalen Zweckverbandes so ein Vorhaben möglich machen.

Was hinter verschlossenen Rathaustüren diskutiert wurde, gelangte durch Anfragen der Töginger CSU-Stadtratsfraktion über den nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkt "Gründung eines Zweckverbandes für die Errichtung eines Logistikzentrums in der Gemeinde Erharting" an die Öffentlichkeit. Mühldorfs SPD-Bürgermeister Günter Knoblauch ist darüber "stocksauer" und sieht hunderte Arbeitsplätze in Gefahr.

Günter Knoblauch ist "stocksauer".

Tögings CSU-Fraktionssprecher Dr. Tobias Windhorst wies nach der Stadtratssitzung am Mittwoch auf die Brisanz der Umstände einer Gewerbe-Ansiedlung auf einem 16 Hektar großen Gelände südlich der Autobahn hin: Das Logistikzentrum stünde zwar nicht auf Töginger Flur, aber im Wasserschutzgebiet der Stadt. Bürger haben Windhorst zufolge ein Recht auf Informationen zum Thema Trinkwasser. Die Stadt hat seit etwa einem Jahr Probleme mit dem Trinkwasser, setzt wiederholt Chlor und Bestrahlungstechnik zur Entkeimung ein. Die Ursache der Belastung ist unbekannt. Ergebnisse eines Trinkwasser-Gutachtens stehen aus.

Ein Logistikzentrum ist denkbar, wenn Töging auf sein Wasserschutzgebiet verzichtet. Allerdings müsste die Stadt dann andere Quellen erschließen, etwa durch eine Kooperation mit Mühldorf oder Altötting. Erharting müsste zudem Mühldorf ins Boot holen, um das Gebiet an den Kanal anschließen zu können. Für Mühldorfs Bürgermeister Knoblauch steht fest, dass eine öffentliche Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt das Projekt und damit zwischen 300 und 400 oder mehr Arbeitsplätze gefährdet. Es gebe dann Arbeitsplätze ebenso für hohe und mittlere Qualifikationen als auch im Bereich niedriger Qualifikationen - wo sie Knoblauch zufolge dringend gebraucht werden.

Knoblauch vermutet hinter Windhorsts Vorstoß im Stadtrat den Versuch, daraus "parteipolitisch Kapital zu schlagen. Wenn Dr. Windhorst keine Arbeitsplätze will, dann soll er das sagen", so Knoblauch - schließlich sei die Problematik bei der Ansiedlung auch Windhorst bewusst. Angesichts von Grundstücksverhandlungen sei dessen Verhalten "ungeschickt" gewesen.

Der Töginger Stadtrat hat sich in nicht-öffentlicher Sitzung gegen die Gründung eines Zweckverbandes ausgesprochen. Nach der Entscheidung im Mühldorfer Stadtrat gefragt, sagte Knoblauch: "Bei uns brauchen wir nicht darüber reden." Der Erhartinger Gemeinderat soll laut Verwaltungs-Chef Walter Gruber am Mittwoch, 5. Mai, über das Thema informiert werden.

Eine Belastung durch den Lieferverkehr für Töging schloss Knoblauch mit dem Hinweis auf die Anfahrt zu einem Logistikzentrum über die Autobahnausfahrt bei Mühldorf aus.

Nach Angaben Knoblauchs war das Logistizentrum zunächst in Mühldorf vorgesehen. Dort sei man aber "preislich nicht hingekommen".

Über das weitere Vorgehen will Knoblauch in den kommenden Wochen mit den Bürgermeistern von Erharting und Töging sprechen. Walter Gruber, zuständiger Verwaltungs-Chef von Erharting, betonte gestern, bis dahin gegenüber der Presse "Stillschweigen bewahren zu wollen". Tögings SPD-Bürgermeister Horst Krebes verwies als Grund für die Nicht-Öffentlichkeit erneut auf Grundstücksverhandlungen hin und will zum Thema Logistikzentrum heute auf einer Parteiversammlung Stellung nehmen.

Knoblauch kündigte für kommenden Montag ein Pressegespräch an.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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