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Prozess um Kinderpornoplattform

Kinderschänder jammert vor Gericht - So beklagt einer der „Boystown“-Betreiber sein Schicksal

In die Geständnisse der vier Angeklagten mischt sich immer wieder das Jammern über das eigene Schicksal. So auch bei einem 41-Jährigen, der die Qualen des Doppellebens beklagt.
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In die Geständnisse der vier Angeklagten mischt sich immer wieder das Jammern über das eigene Schicksal. So auch bei einem 41-Jährigen, der die Qualen des Doppellebens beklagt.

Auch der dritte und vierte Angeklagte hat im Kinderpornoprozess vor dem Frankfurter Landgericht gestanden. Einer klagte dabei aber über schweres Schicksal, der andere will nur eine Nebenrolle gespielt haben.

Frankfurt/Mühldorf – Die ersten Worte des Angeklagten (41) aus Nordrhein-Westfalen im Frankfurter Prozess um die Kinderschänder-Plattform „Boystown“ klangen wie ein Geständnis: „Die Anklage ist vollumfänglich richtig, ich bestreite nichts. Das Leid, das ich den Opfern von ‚Boystown‘ zugefügt habe, ist nicht entschuldbar. Es beschämt mich unendlich“, sagte er. Vor dem Frankfurter Landgericht sind derzeit vier Männer angeklagt. Darunter ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Mühldorf, der in dem Netzwerk eine zentrale Rolle gespielt hatte.

900 000 Dateien auf dem Rechner

Doch nach dem Geständnis fiel der Koch aus Nordrhein-Westfalen, der selbst als Angestellter eines Millionärs in Marbella ein Kind missbrauchte, wieder in einen Singsang voller Selbstmitleid zurück: „Man lebt ein Doppelleben. Und wenn man andere Leidensgenossen findet, ist man erleichtert, und dann tauscht man sich auch aus“, begründete er seine jahrelange Administratoren-Position im Darknet.

Auszeichnung fürs beste Video

Er moderierte die geheimen Foren, zeichnete Nutzer für „das beste Video“, „die beste Bildbearbeitung“ mit Titeln wie „Superstar“ oder „Megastar“ aus. „Es gab ein Belohnungssystem. Je mehr Beiträge einer verfasst hat, desto höher ist er aufgestiegen und hat ein Abzeichen bekommen, das unter seinem Nutzernamen als Banner eingeblendet wurde. Jeder wollte Superstar sein“, sagte der 41-Jährige. Sein eigener Lohn? „Lob, Bestätigung, Anerkennung, das hab ich bekommen.“

Den seltenen Status „Guru“ verlieh er dem Hamburger Power-User „Puzzy“. Hinter diesem Pseudonym verbarg sich ein Veteran der Pädophilen-Szene (66), der am Freitag, 23. September, ebenfalls gestand. „Ich habe nur gepostet, hatte keine Funktion bei Boystown“, sagte er in einer Erklärung seiner Anwältin. Doch als er im April 2021 festgenommen wurde, hatte er 3601 Beiträge auf „Boystown“ verfasst, 900.000 kinderpornografische Dateien auf seinem Rechner gespeichert und in Chats gestanden, in seinem Leben schon mit „300 bis 350 Jungs und Mädels rumgemacht“ zu haben. In seinem Browser-Verlauf fanden die Ermittler zudem Hinweise auf einen Poppers-Shop für schmerzhemmende und entspannende Drogen und einen Sexpuppen-Versand mit Kindermodellen.

Rolle nicht beschönigt

Im Gegensatz zu dem 66-jährigen Hamburger beschönigte der Mann aus Nordrhein-Westfalen seine Rolle in dem Netzwerk nicht. Er sei zunächst aus Neugier in einen der Chats hineingestolpert und dann auf der Hierarchie-Leiter immer höher geklettert. „Es war dieser Reiz, mit anderen Leuten seine Probleme zu besprechen.“

Als er durch Hinweise niederländischer Fahnder in der Küche seiner Mutter in Büren von der GSG9 überwältigt wurde, legte er ein umfangreiches Geständnis ab und belastete auch seine Mitangeklagten: „Ich war erleichtert, dass es vorbei ist. Die Ermittler haben Druck gemacht, bei der Festnahme wurde ich geschlagen. Mir wurde gesagt, wenn ich den Administrator ‚Newbee‘ ablenken würde bei der Festnahme, würde es bei ihm glimpflicher abgehen.“ Daraufhin verwickelte er „Newbee“, den IT-Fachmann aus dem Landkreis Mühldorf (49), in einen Chat: „Ich wusste, dass er eh festgenommen wird, daher habe ich zugestimmt“, sagte der Koch.

Urteil wir Ende November erwartet

Er gab an, jede Strafe des Gerichts akzeptieren zu wollen – jammerte aber zugleich über die Knast-Bedingungen: „Nach dem ersten Verhandlungstag nahm mich der Abteilungsleiter im Gefängnis gleich unter Verschluss. Die Leute hatten die 18-Uhr-Nachrichten gesehen, und nun stand die Rufanlage nicht mehr still. Ich wurde bedroht, sitze seitdem 24 Stunden allein auf der Zelle.“

Dieses Schicksal dürften er und seine Mitangeklagten noch sehr viele Jahre erdulden müssen. Ein Urteil wird für Ende November erwartet.

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