Umstrittenes Projekt

Kies aus dem Grundwasser holen? Freudlsperger plant in Mühldorf neuen Abbau

Wie ein Blick in die Sahara: Die Kiesgewinnung der Firma Freudlsperger an der Nordtangente erfolgt im Trockenabbau. Jetzt will das Unternehmen das Gelände erweitern, um dort die Anlagen zur Verarbeitung aufzustellen. Danach soll Kies auch im Grundwasser gewonnen werden.
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Wie ein Blick in die Sahara: Die Kiesgewinnung der Firma Freudlsperger an der Nordtangente erfolgt im Trockenabbau. Jetzt will das Unternehmen das Gelände erweitern, um dort die Anlagen zur Verarbeitung aufzustellen. Danach soll Kies auch im Grundwasser gewonnen werden.

Zunächst geht es nur um die Erweiterung des Betriebsgeländes an der Mühldorfer Nordtangente. Danach aber will die Firma Freudlsperger eine neue Abbaumethode beantragen. Die ist im Stadtrat umstritten.

Mühldorf – Mit einer Erweiterung des Betriebsgeländes will die Firma Freudlsperger langfristig den Kiesabbau an der Mühldorfer Nordtangente sichern. Dazu gehört in Zukunft auch eine Umstellung der Produktionsmethoden vom derzeitigen Trockenabbau zum Nassabbau im Grundwasser.

Anlagen auf dem Gelände verlegen

Grundsätzlich hat der Mühldorfer Stadtrat die Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht, an dessen Ende die Erweiterung des Betriebsgeländes an der Nordseite der Kiesgrube stehen soll. Dort soll vor allem die Recyclinganlage untergebracht werden, dazu Teile der Kiesverarbeitungsanlagen

Aufbereitung soll in einem Bereich konzentriert werden

„Wir wollen die Aufbereitungsanlagen auf einem Teil des Betriebsgeländes konzentrieren“, begründet Thomas Wolfmeier, einer der beide Geschäftsführer des Neuöttinger Unternehmens, die Planungen.

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Die Recyclinganlage wurde laut Freudlsperger 2019 genehmigt und läuft bereits. Um den Kiesverbrauch einzudämmen, dient sie der Aufarbeitung und Wiederverwendung von Bau- und Abbruchmaterialien. Darüber hinaus füllt Freudlsperger wie in der Genehmigung gefordert, Teile der Kiesgrube wieder auf. Dafür darf nur leichtbelastetes Material verwendet werden.

Langfristig geht es um den Nassabbau

Langfristig dient die Verlagerung der Maschinen in den nördlichen Bereich der Kiesgrube dem Erhalt des Abbaus an der Nordtangente. Denn Freudlsperger plant die Umstellung auf sogenannten Nassabbau, der aber nicht Teil des derzeit laufenden Verfahrens zu Änderung des Bebauungsplans in diesem Bereich ist, wie Wolfmeier betont. „Den Nassabbau werden wir demnächst beantragen.“

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Da damit die die Kiesgrube unter Wasser steht, können bestimmte Betriebsteile nicht mehr dort betrieben werden und werden nach Norden verlegt. Trotzdem hält das Unternehmen an der Umstellung der Produktion fest. „Mit dem Nassabbau werden wir das Vorkommen besser nutzen können, ohne weitere Flächen zu verbrauchen“, sagt Wolfmeier.

Grüne kritisieren die Pläne

Kritik an diesem Vorhaben kam von den Grünen. Stephan Schinko verwies auf die notwendigen Eingriffe in das Grundwasser, in dem der Kies abgebaut werde. Er nannte den Nassabbau eine „kritisierte Technik“.

Grüne sehen Gefahren für das Grundwasser

Auf Anfrage betonte Schinko, dass der Grundwasserspiegel in dem Bereich sehr tief liege, deshalb der Kontakt mit den Abbaumaßnahmen gar nicht nötig sei. „Es gibt in unserer Schotterebene genügend Kiesvorkommen oberhalb des Grundwasserspiegels. Es ist nicht notwendig, so tief zu gehen.“ Wenn die Arbeiten so nah am oder im Grundwasser durchgeführt würden, „besteht immer die Gefahr der Verschmutzung“. Auch eine Wiederauffüllung könne das Grundwasser belasten.

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Dem widerspricht Freudlsperger-Geschäftsführer Wolfmeier. Nach seinen Angaben handelt es sich um eine verbreitete Abbaumethode, die in vielen Landstrichen wie Landshut anzutreffen sei. Dort habe sein Unternehmen über eine Partnerfirma auch bereits Erfahrungen mit dem Nassabbau gemacht. „Ich bin der Überzeugung, dass es nicht schädlich ist.“

Für Nassabbau neues Verfahren notwendig

Im derzeitigen Verfahren das betonte Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner vor dem Stadtrat, gehe es nicht um die Genehmigung des Nassabbaus, sondern lediglich um die Nutzung des nördlichen Betriebsgeländes für die Verarbeitung des Kieses und das Recycling. Für den Nassabbau brauche Freudlsperger eine neue Genehmigung.

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