Keiner wagte zu helfen

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Wo viele Menschen zusammen kommen, sind oft Gewalttäter dabei. Nach dem Faschingszug schlugen sie einen Unbeteiligten brutal zusammen. Niemand half dem Opfer.

Mühldorf - Am Faschingssonntag haben drei polizeibekannte Jugendliche einen ihnen völlig Unbekannten brutal zusammengeschlagen. Die Tat ereignete sich mitten auf dem Stadtplatz.

Obwohl zu der Zeit Tausende Menschen unterwegs waren, traute sich keiner dem Opfer zu helfen. Jetzt standen der Haupttäter und ein Mitangeklagter vor Gericht.

Unfassbar brutal war die Tat, der Anlass dagegen unfassbar banal. Weil er Stress mit seiner Freundin hatte, so der Angeklagte, sei er "ziemlich gereizt" gewesen. Und als er dann noch am Faschingssonntag in Begleitung von zwei Freunden gegen 17.45 Uhr vor dem Döner-Haus von einem ihm völlig Unbekannten angerempelt wurde, da "hab ich ihm halt mit der Faust ins Gesicht geschlagen". Richter Heinrich Ott fragte nach: "Warum schlagen Sie jemandem ins Gesicht, nur weil der sie anrempelt? Was ist denn daran so verbrecherisch?"

Der Angeklagte konnte keine Antwort geben. Der junge Mann, zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt und bereits mehrfach vorbestraft, wird derzeit Vater. Seine Schulden - etwa für Handyverträge, ein Fernsehgerät und Anwaltskosten - belaufen sich auf 23.000 Euro. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe bezeichnete den in Neumarkt-St. Veit lebenden jungen Mann als "nicht besonders einsichtig".

Das Gericht, neben Ott auch zwei Schöffen, mühten sich dennoch redlich, den Angeklagten die Sinnlosigkeit und Brutalität ihres Angriffs vor Augen zu führen. Doch weder der Hauptangeklagte noch sein ebenfalls auf der Anklagebank sitzender Kumpel zeigten auch nur Anflüge von Einsicht oder Reue. Der zum Tatzeitpunkt 17-jährige Mittäter ist ebenfalls kein Unbekannter vor Gericht. Derzeit sitzt er in der JVA Laufen-Lebenau ein, seine kriminelle Karriere startete er als 15-Jähriger.

Die Zeugenaussagen zu dem Fall waren erschütternd. Nach dem ersten Schlag ins Gesicht seines Opfers schlugen auch der Mitangeklagte und ein Dritter - ebenfalls ein polizeibekannter Jugendtäter - auf das Opfer ein. Als dieses am Boden lag, traktierten sie es mit Tritten; stiefeln nennt man das in der Prügelszene. Der dritte Täter sprang sogar auf das sich vor Schmerzen krümmende Opfer.

Ott wollte wissen, ob sie denn den Zustand ihres am Boden liegenden Opfers noch wahrgenommen hätten? "Mei, Blut war in seinem Gesicht, er hat sich auch noch bewegt. Also es war klar, dass der noch lebt."

Das Opfer hatte unglaubliches Glück, dass er neben zahlreichen Prellungen und einem Schock nur einen Nasenbeinbruch davontrug. Mindestens ebenso schmerzen dürfte den Mann jedoch die Tatsache, dass ihm kein einziger Passant half. Die Brutalität der Schläger war offensichtlich so groß, dass sich niemand dazwischenzugehen traute.

Am Ende verurteilte das Gericht den Haupttäter zu einem Jahr und acht Monaten Strafe auf Bewährung. Der mitangeklagte 18-Jährige wurde wieder ins Gefängnis zurückgebracht, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Über den dritten Jugendlichen wurde nicht verhandelt.

zip/Mühldorfer Anzeiger

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