Kaufen als Kunde, nicht als Bittsteller

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Ab heute steht der Wohlfahrtsladen seinen Kunden offen. Über 40 Ehrenamtliche tragen zum Gelingen des Konzepts bei.

Töging - Die Stadt hat einen Wohlfahrtsladen. Nach der Eröffnungsfeier gestern steht das Geschäft ab heute Kunden zwischen 10 und 12 Uhr in der Wolfgang-Leeb-Straße 13 offen.

"Es ist traurig, dass wir in unserer vergleichsweise reichen Gesellschaft so etwas brauchen", sagte der BRK-Kreisvorsitzende und Altöttinger Bürgermeister Herbert Hofauer bei der Eröffnung. Mit der Einrichtung in Töging betreiben die Arbeiterwohlfahrt und der BRK Kreisverband Altötting gemeinsam den jetzt fünften Wohlfahrtsladen im Landkreis Altötting. Für Hofauer eine "erfreuliche Zahl", trotz der damit verbundenen Ursachen. Wer von Hartz IV und 359 Euro leben müsse, der stelle "schnell fest, wieviel Monat am Ende des Geldes noch übrig sei", so Hofauer, und: "Die Wirtschaftskrise kommt bei immer mehr Menschen an." Besucher des Wohlfahrtsladens sollen sich Hofauer zufolge als Kunden fühlen und nicht als Bittsteller. Schließlich sei Einkaufen auch ein soziales Erlebnis.

Tögings Bürgermeister Horst Krebes sagte, das Engagement der Unterstützer wie der AWO-Ortsvorsitzenden Marianne Kasböck oder der anderen über 40 ehrenamtlichen Helfer spreche für den Gemeinsinn in Töging. Die Stadt selbst beteiligt sich mit 50 Prozent der Miet- und Nebenkosten an dem Laden. Den Laden in der Wolfgang-Leeb-Straße habe die Familie Demmelhuber zu einem "ganz fairen Preis" vermietet.

Altöttings Landrat Erwin Schneider sagte, er habe ein "mehr als offenes Ohr" für die Bitte Hofauers, der Landkreis möge sich finanziell an der Einrichtung beteiligen. In Sachen Armut werde in Deutschland "eine gewisse Welle auf uns zu rollen", so Schneider. Schon jetzt würden hierzulande elf Millionen Menschen an der Armutsgrenze leben. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter lobte Schneider als Menschen, die "mehr tun als ihre Pflicht".

BRK und AWO betreiben entsprechende Einrichtungen bereits in Altötting, Burgkirchen, Garching und Neuötting. Das im Preis verbilligte Angebot reicht von Lebensmitteln, die von örtlichen Supermärkten, Bäckereien und Obsthändlern gespendet werden, über Alltagswaren vom Spielzeug über den Kochtopf bis hin zur Kleidung.

Freuten sich über die Eröffnung (von links): Stiftsprobst Monsignore Günther Mandl, Pfarrer Johann Albrecht Klüter, BRK-Ehrenvorsitzender Seban Dönhuber, Bürgermeister Horst Krebes, Landrat Erwin Schneider und BRK-Kreisvorsitzender Herbert Hofauer.

Für den Bezug von Lebensmitteln sind Berechtigungsausweise notwendig, die BRK und AWO im Laden oder die Stadtverwaltung ausstellen. Berechtigt ist, wer Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter, Wohngeld, Erwerbsunfähigkeitsrente oder Kindergeldzuschuss bezieht. Mit diesem Ausweis bekommen Berechtigte auf die übrigen Waren 50 Prozent Rabatt. Die übrigen Waren wie in der Second-Hand-Kleider-Abteilung kann jedermann kaufen.

Auch die örtliche Wirtschaft unterstützt den Wohlfahrtsladen. Bei der Eröffnung überreichten vom Werbering Töging Vorstandsmitglied Klaus Maier und Schriftführerin Sylvia Schmidpeter Warengutscheine im Wert von 300 Euro. Dies soll keine einmalige Aktion bleiben. Die 90 im Werbering eingebundenen Betriebe wollen den Laden dauerhaft unterstützen. "Je mehr sie in Töging einkaufen, desto mehr kann der Werbering spenden", so Maier.

Den kirchlichen Segen spendeten gemeinsam der evangelische Stadtpfarrer Johann Albrecht Klüter sowie der Altöttinger Stiftsprobst Monsignore Günther Mandl, der in dem Wohlfahrtsladen eine "Oase der Hoffnung, Ermutigung, der konkreten Hilfe" sah. Klüter forderte dazu auf "hinzusehen statt wegzuschauen" und sich zu engagieren.

Die Betreiber AWO und BRK im Landkreis Altötting bitten um gut erhaltene Sachspenden für den Betrieb des Wohlfahrtsladens.

Die Öffnungszeiten des Wohlfahrtsladens in der Wolfgang-Leeb-Straße 13: dienstag und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr, freitags von 15 bis 17 Uhr und samstags von 16.30 bis 18 Uhr.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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