Bahnabschnitt wird eingeweiht

+
Kurz hinter Altmühldorf erweitert eine Weiche die eingleisige Strecke auf zwei Gleise. Dort können sich Züge begegnen, die bislang aufeinander in den Bahnhöfen warten mussten.

Mühldorf - Am Samstag wird der Ausbau des Bahnabschnitts zwischen Mühldorf und Ampfing feierlich eingeweiht. Die Stimmung in der Region ist trotzdem sehr verhalten.

Mit dem Bahnvorstand und zwei Ministern ist das Fest denkbar hochkarätig besetzt. Die Gäste, die am Samstag nach Mühldorf kommen, wollen einen Festtag feiern. Dabei sollte ihnen klar sein: Den Bahnnutzern in der Region ist nicht zum Feiern zu Mute. Im Vorfeld des Festakts am Mühldorfer Bahnhof weht Bahnvorstand Rüdiger Grube und den beiden Verkehrsministern Peter Ramsauer (CSU) und Martin Zeil (FDP) ein eher kühler Winterwind entgegen.

Denn die positiven Auswirkungen des Ausbaus sind gering, die Sorgen um die nächsten Schritte dafür umso größer. So hat sich zuletzt Ramsauers Parteifreund, der heimische Abgeordnete Stephan Mayer (CSU), in einem drängenden Brief an Bahnchef Grube gewandt und "endlich eine angemessene Anbindung des Chemiedreiecks an das bundesdeutsche Schienennetz" gefordert. Mayer verlangte, den "zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing und Tüßling-Burghausen nach Kräften zu fördern und zwar deutlicher als bisher erkennbar".

Die zweigleisig ausgebaute Bahnstrecke:

Zweigleisiger Bahnausbau Ampfing - Mühldorf

Andere werden sogar noch deutlicher: Vertreter der chemischen Industrie in Burghausen haben mit der Verlagerung von Investitionen gedroht, sollte die Bahn ihren Zusagen zum Ausbau nicht nachkommen; Pendler fragen sich, welchen Nutzen der Ausbau zwischen Mühldorf und Ampfing bringt, wenn sich die Fahrzeit nach München bei lediglich zwei Zügen leicht um drei oder sechs Minuten verkürzt hat?

7,8 Kilometer ist der Abschnitt lang, der am Samstag eingeweiht wird, er hat 59 Millionen Euro gekostet. Geplant wird seit Jahrzehnten, 1985 taucht der Ausbau München - Mühldorf- Freilassing im Bundesverkehrswegeplan auf. Die ersten Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Ampfing - Mühldorf liefen in den späten 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. 2005 folgte der Beschluss, den Abschnitt auszubauen, im April 2007 gab es den legendären Spatenstich mit Ministern und Staatssekretären, dem knapp eineinhalb Jahre lang keine Bautätigkeit folgte.

Trotz dieser Entwicklung spricht die Bahn in ihrer Einladung zum Fest am Samstag von "einem weiteren Meilenstein für die Verbesserung" der Anbindung "des bayerischen Chemiedreiecks an das überregionale Schienennetz". Die bisherigen Meilensteine nach Ansicht der Bahn sind: der Bau eines elektronischen Stellwerks und der laufende Neubau der Ehringer Brücke, die für den zweigleisigen Ausbau zwischen Mühldorf und Tüßling vorbereitet wird. Ein zweites Gleis liegt dort allerdings nicht.

Dank der Finanzierung durch die Konjunkturprogramme plant die Bahn derzeit den Streckenabschnitt Altmühldorf - Tüßling. Die Entwurfsplanung soll noch heuer fertig sein, vielleicht sagt Bahnchef Grube am Samstag etwas dazu. Die Bahn hätte allerdings viel mehr Geld aus den Konjunkturprogrammen zur Verfügung gehabt, als sie ausgeben konnte. Gut 34 Millionen gab sie aus, die übrigen etwa 117 Millionen verfallen.

2013 soll der Ausbau für Mühldorf - Tüßling beginnen können, auf den vor allem die chemische Industrie wartet. Sieben Eisenbahn- und Straßenbrücken müssen neu gebaut werde, Dammbauwerke und sieben Durchlässe, 23 Kilometer Gleis, 44 Weichen und ein elektronisches Stellwerk in Tüßling. "Die Realisierung der geplanten Maßnahme kann sofort bei Vorliegen des Baurechts und nach Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und der Deutschen Bahn AG erfolgen", hat die Bahn Mayer in einem Brief mitgeteilt. "Erst vor wenigen Tagen hat Ramsauer, dem Bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsminster Martin Zeil, seine Zusage für die rechtzeitige Bereitstellung der Finanzierungsmittel erneuert."

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser