Lauterbacher Feuerwehr lehnte zu hohe Forderung der Diebe ab - Was passiert nun mit dem Maibaum?

30 Kästen Bier für einen Maibaum

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Der Platz für den Maibaum vor dem Feuerwehrhaus bleibt in diesem Jahr leer. Den zu hohen Forderungen der Maibaumdiebe wollten die Verantwortlichen nicht nachgeben.

Heldenstein/Lauterbach - Dort, wo eigentlich ein Maibaum in die Luft ragen sollte, ist nichts. Denn mit den Maibaumdieben ließ sich keine Einigung erzielen.

Die Halterung für den Maibaum vor dem Lauterbacher Feuerwehrhaus bleibt in diesem Jahr leer. Denn mit den Maibaumdieben ließ sich keine Einigung erzielen. Überzogene Forderungen geben die Lauterbacher Feuerwehrler als Grund an. Bei 30 Kästen Bier als Auslöse hörte der Spaß auf.

Eine Woche vor dem ersten Mai war der Baum ausgewählt, gefällt und geschöpst worden. Doch schon in der ersten Nacht war er auch schon wieder weg. Maibaumdiebe nutzten die Gunst der Stunde. Denn: "Wir hatten keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen", gibt Feuerwehr-Vorstand Georg Sax zu.

Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Maibaumdiebe: Die Langfinger der Spobrax Hüttn aus Schwindegg hatten den Baum in ihre Gewalt bekommen. Seit 2000 schlagen sie Jahr für Jahr zu, berauben mal hier, mal dort örtliche Vereine ihrer Maibäume, um sie dann gegen Lösegeld zurückzubringen.

Schon einige Male wurde auch die Lauterbacher Wehr Opfer der Maibaumdiebe. Stets gab es gegen eine entsprechende Auslöse den Baum zurück. "Diese Forderungen bewegten sich aber immer im Rahmen", erklärt Sax. An fünf Tragerl Bier und eine Brotzeit beim Zurückbringen will sich Sax erinnern, das sei üblich, meint er.

Thomas Herzog, einer der Verhandlungsführer der Diebe, kann diese Zahl nicht bestätigen. "Das letzte Mal haben wir den Baum 2008 von den Lauterbachern gestohlen. Damals gab es 22 Tragerl Bier und zusätzlich beim Aufstellen Biermarkerl", so viele, "dass wir sie nicht weiterbrachten". Selbst dann habe man seitens der Lauterbacher Wehr die Markerl bereitwillig gegen Bierkästen eingetauscht. "Das war allerdings noch unter der alten Vorstandschaft", erklärt Herzog den Unterschied zur gegenwärtigen Situation.

30 Tragerl waren gaudihalber gefordert

Entsprechend hoch waren die Diebe - gaudihalber wie sie sagen - auch diesmal eingestiegen: "Freilich setzten wir die Auslöse hoch an. Man benötigt ja Verhandlungsspielraum." Von 30 Tragerl Bier war anfangs die Rede und für jeden Maibaumdieb eine Brotzeit. Auf jeden Fall aber viel zu hoch für die Feuerwehr. "Das ist mehr, als die Wehr beim Aufstellen bei schönem Wetter erwirtschaftet", behauptet Sax. Mit Brauchtum und Tradition habe die Forderung nichts mehr zu tun, diese ist "schamlos übertrieben".

Im Zuge der Verhandlungen ließen sich die Maibaumdiebe zwar runterhandeln, aber mit weniger als 15 Kästen Bier wollten sich auch die Maibaumdiebe nicht zufrieden geben. Dann aber auch nur unter der Voraussetzung, dass sie keine Kränze binden. Das hätte die Lauterbacher Wehr selbst erledigen sollen. Eine Einigung war nicht in Sicht: "Die hohen Forderungen wollten wir uns nicht gefallen lassen", sagt Sax. Wenn die Maibaumdiebe weiterhin auf mehr als fünf Kästen Bier beharren sollten, "brauchen wir gar nicht wieder zum Verhandlen kommen", so sei laut Herzog das letzte Verhandlungsgespräch beendet worden. Sax verteidigt die Haltung der Wehr: Es handle sich um Profi-Diebe, die sich auf diese Art einen Biervorrat anlegen wollten. Andere Vereine seien froh, dass die Feuerwehr nicht auf die hohen Forderungen eingegangen sei. Dies hätte wohl im nächsten Jahr höhere Preise nach sich gezogen.

Maibaum-Arithmetik: Pro Meter ein Tragerl

Die Maibaumdiebe sehen es ganz anders. Durch ihren Geiz würden die Lauterbacher die Preise ruinieren. "In Oberornau haben wir sogar schon mal 34 Kästen ausgehandelt", eine ordentliche Menge für das Diebsesgesindel, das sich aus rund 30 Gleichgesinnten zusammensetzt. Herzog führt dabei eine ganz eigene Maibaum-Arithmetik ins Feld: 22 Meter sei der Baum ungefähr groß, "für jeden Meter ein Tragerl Bier." Dass dem Verein damit kaum noch Erlöse aus dem Fest blieben, glaubt Herzog nicht. "Wir hätten doch auch eigene Leute mitgebracht, die konsumiert hätten." Auf umgerechnet 250 Euro schätzt er die Ausgaben der Lauterbacher für die "hohen Forderungen" der Diebe. Im Gegenzug hätten die Diebe aber auch das Stangerl geschliffen, gehobelt und Kränze gebunden. "Wir hätten uns viel Arbeit gemacht", erklärt dazu auch Christian Windstoßer von den Maibaumdieben. Schließlich wäre der Baum auch mit einem Pferdegespann geliefert worden.

Ein Konsens war nicht in Sicht und für die Lauterbacher klar: Plan B musste her und so wollte die Wehr nur drei Tage vor dem geplanten Maibaumaufstellen noch für einen Ersatzbaum sorgen. Doch wegen schlechtem Wetter haben sie sich dann doch dagegen entschieden.

Diebe zeigen sich kompromisbereit

Und so fristet das Objekt der Begierde immer noch sein Dasein in der Obhut der Diebe. Was damit geschehen soll, bleibt unklar. Die Lauterbacher hätten angekündigt, den Dieben das Stangerl in Rechnung zu stellen. Die wiederum spielen mit dem Gedanken den Baum an ihrer Hütte aufzustellen. Eines aber werde nicht geschehen. Nämlich den Baum schwarz anzustreichen und ihren Besitzern, etwa scheibchenweise, zurückzubringen. Dies könne passieren bei gescheiterten Verhandlungen, wissen Sax und Herzog. "Das macht bloß Arbeit und bringt ja doch nix", winkt Herzog ab. Gleichzeitig hofft er immer noch auf eine Einigung. "Wir wären auch mit zwölf Tragerl Bier zufrieden", schickt er ein Friedensangebot zur Lauterbacher Wehr. Windstoßer würde sich sogar mit nur zehn Tragerl zufrieden geben. Vielleicht endet ja mit den Eisheiligen die frostige Beziehung zwischen Dieben und Feuerwehr und es kommt doch noch zu einer Einigung? Der Mai dauert noch einige Tage, es wär also immer noch ein Maibaum, der dann in Lauterbach aufgestellt würde.

je/hi/Mühldorfer Anzeiger

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