Jugendamt nimmt 14 Kinder in Obhut 

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14 Kinder nahm das Jugendamt 2010 aus Familien im Landkreis Mühldorf.

Mühldorf - Vernachlässigt von der drogensüchtigen Mutter, misshandelt vom Vater - manchmal ist es dringend notwendig, dass das Jugendamt eingreift. Im Landkreis Mühldorf war das 2010 14-mal der Fall.

Vernachlässigt von der drogensüchtigen Mutter, misshandelt vom alkoholkranken Vater - eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus. Auch bei uns gibt es Fälle, in denen das Jugendamt Heranwachsende schützen muss und sie vorübergehend in Obhut nimmt. 14-mal griffen Mitarbeiter im Landkreis Mühldorf im Jahr 2010 ein, das geht aus Zahlen des Landesamtes für Statistik hervor.

Das heißt, die akut gefährdeten Kinder und Jugendlichen werden vorübergehend in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht oder in Heimen. In vielen Fällen schließt sich an diese Inobhutnahme beziehungsweise Herausnahme aus Pflegefamilien oder Einrichtungen eine Hilfe zur Erziehung an. Einige kehren dann zu den Eltern zurück, andere kommen fest in einer Pflegefamilie oder im Heim unter. Wieder andere benötigen stationäre Hilfe in einem Krankenhaus oder der Psychiatrie.

Oft wenden sich die Jugendlichen in ihrer Not selbst ans Jugendamt - das erfolgte im Landkreis Mühldorf vergangenes Jahr in elf Fällen. Manchmal sind es auch die Eltern, aber die meisten Hinweise auf vernachlässigte, misshandelte oder missbrauchte Kinder kommen von der Polizei, von Erzieherinnen und Lehrern, von Nachbarn oder Kinderärzten.

Bayernweit ist die Zahl dieser Schutzmaßnahmen "stark gestiegen", betonen die Statistiker vom Landesamt für Statistik in einer Pressemeldung. Die Jugendämter kümmerten sich im Jahr 2010 um 2883 gefährdete Kinder und Jugendliche, das sind elf Prozent mehr Betroffene als ein Jahr zuvor (2009: 2596) und rund 53 Prozent mehr als vor fünf Jahren (2006: 1882). Die gewaltige Steigerung beruht Soziologen zufolge einerseits auf einer höheren Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Fälle wie der Hungertod der siebenjährigen Jessica 2005 in Hamburg oder des, vom drogensüchtigen Vater vernachlässigten, zweijährigen Kevin 2006 in Bremen haben die Menschen sensibler gemacht. Andererseits sehen die Experten auch schwieriger werdende Lebensverhältnisse von vielen Familien.

Das trifft nicht nur auf Bayern zu, sondern aufs ganze Bundesgebiet: 36.300 Kinder und Jugendliche wurden übers Jahr 2010 hinweg für einige Stunden oder Tage in Bereitschaftspflegefamilien oder Einrichtungen untergebracht. Das sind 42 Prozent mehr Inobhutnahmen als noch fünf Jahre zuvor.

Die Jugendamtsmitarbeiter haben dabei mit Säuglingen genauso zu tun wie mit 14-Jährigen. Mit Einheimischen ebenso wie mit unbegleiteten Flüchtlingen aus dem Ausland.

Zurück in den Freistaat: Am häufigsten betroffen sind hier Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren. Zwei Drittel aller Inobhutnahmen im Jahr 2010 entfallen auf diese Altersgruppe. Wobei mit 1586 Fällen die meisten Minderjährigen im Alter von 14 bis 18 Jahren waren.

Im Landkreis Mühldorf waren vier betroffene Kinder unter 14 Jahren, die übrigen zehn waren zwischen 14 bis 18 Jahren alt. Bei allen 14 Schutzmaßnahmen handelte es sich um Inobhutnahmen. Herausnahmen aus Pflegestellen oder Einrichtungen gab es hier vergangenes Jahr nicht.

Der häufigste Grund für eine Schutzmaßnahme war in Bayern die Überforderung der Eltern. Dahinter folgen Beziehungsprobleme, Anzeichen für Misshandlung und Vernachlässigung.

sus/Mühldorfer Anzeiger

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