Ein Rennfahrerleben in Bildern

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Sie warfen einen ganz genauen Blick auf die Bilder, die den Vater und Großvater zeigen: Tochter Dagmar Behncke, Sohn Georg Meier und Enkel Florian.

Mühldorf - Es war ein Abend im Zeichen einer Motorsport-Legende. Im Haberkasten-Obergeschoß wurde die Ausstellung „Ois gwunna“ eröffnet, die an die Erfolge des Rennfahrers Schorsch Meier erinnert.

Zugleich stellte Autor Stefan Knittel einen neuen Bildband über den gebürtigen Mühldorfer vor.

"So ein Rummel": Immer wieder schüttelt Edith Meier den Kopf und gibt ein wenig verlegen ein Autogramm nach dem anderen. "Ich weiß gar nicht, warum ich dauernd unterschreibe. Ich bin doch gar nicht gefahren. Das war doch mein Mann, der Schorsch." Und wie er damals gefahren ist, in den 30er und 40er Jahren.

Rund 100 großformatige Fotografien zeugen in der Ausstellung im Haberkasten von seinen großen Erfolgen auf dem Motorrad und im Rennwagen. Und über 100 Gäste bei der Vernissage und Buchvorstellung sind der beste Beweis dafür, dass die Stadt und die Motorsportwelt Schorsch Meier noch längst nicht vergessen hat.

"Ich wünschte, er hätte das hier noch erlebt": Witwe Edith Meier blättert mit Autor Stefan Knittel (rechts) und Bürgermeister Knoblauch in dem neuen Bildband.

Dabei war sich die Witwe vor rund einem Jahr gar nicht so sicher, ob sie das alles zulassen soll. "Das ist doch schon so lange her. Ob das noch jemand interessiert?", war laut Stefan Knittel die erste Reaktion, als ihr der Autor zusammen mit Peter Zollner die Idee von der Buchveröffentlichung unterbreitet hatten. Doch dann haben sie sich gemeinsam erinnert an diesen außergewöhnlichen Rennfahrer, dieses Riesentalent, den "großen Sohn der Stadt", wie ihn Bürgermeister Günther Knoblauch nannte. "Und wenn Heppenheim nach dem WM-Titel in der Formel1 künftig Vettelheim heißt, dann müssen wir Mühldorf in Meierdorf umbenennen." Schließlich war Meier, der vor einer Woche 100 Jahre alt geworden wäre, ein echter Star seiner Zeit, gewann als erster Ausländer die Tourist Trophy auf der Isle of Man in der 500er Klasse und wurde 1949 zum Sportler des Jahres gewählt.

Und so schwelgen die Rennsportfans zwei Stunden lang im Haberkasten-Obergeschoss in Erinnerungen, bestaunen die ausgestellte BMW Kompressor, die eigens aus dem BMW-Museum aus München hierher gebracht wurde, und lauschen aufmerksam dem Interview, das Meier 1995 auf Einladung des MSC Mühldorf gegeben hat.

Mit Willi Haslbeck ist sogar ein Weggefährte da, der noch zusammen mit Schorsch Meier gefahren ist; mit Monika Sollinger die Tochter des langjährigen Werksmechanikers Sepp Hopf. Und Sandbahn-Weltmeister Alois Wiesböck ist an diesem Abend einer der letzten, der sich von den Bildern losreißen kann. Auch er hat am Ende das neue Buch von Stefan Knittel im Gepäck: "Georg Schorsch Meier - Sein Leben in Bildern".

Die Ausstellungsmacher beim Fachsimpeln: Stadtarchivar Edwin Hamberger (links) und Peter Zollner mit der BMW Kompressor.

Die Witwe Edith Meier ist zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Heimweg nach München. Zuvor hatte sie mehr als einmal die unglaubliche Geschichte erzählen müssen, wie sie ihren Schorsch kennen gelernt hat. Nach dem Rennen am Nürburgring hatte Meier eine Anzeige in der Zeitung aufgegeben, mit der er das Mädchen in der Lederhose gesucht hat, das in der Kurve immer so schön gewinkt hat. "Mein Vater hat die Anzeige entdeckt. Und so habe ich ihm geschrieben." Zahlreiche Briefe habe Meier auf die Annonce hin bekommen, doch "meiner war der Richtige". 39 Jahre waren die beiden dann verheiratet. "Er fehlt mir jeden Tag", sagt Edith Meier. "Und ich wünschte, er hätte das hier noch erlebt."

Die Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Ois gwunna" im Obergeschoss des Haberkastens ist noch bis zum 28. November zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr; Samstag und Sonntag von 13 bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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