Investoren kaufen Anteile

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Wenn Wasser die Turbinen in Töging antreibt, wollen künftig Finanzinvestoren, so genannte „Heuschrecken“ künftig mitverdienen. Der Verbund will sie mit fast einem Drittel an den Kraftwerken beteiligen.

Töging - Der österreichische Stromanbieter Verbund will sich von 26,5 Prozent seiner Anteile an den Innkraftwerken trennen. Interesse haben drei Finanzinvestoren, im Volksmund „Heuschrecken“ genannt.

Der Zusammenschluss regionaler Bieter, die Energieallianz Bayern, ist verärgert.

Vor einem Jahr hat Österreichs größter Stromanbieter die 13 Kraftwerke entlang des Inns von Eon gekauft. Der Energieversorger musste sich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von ihnen trennen. Zu diesem Zeitpunkt wollte die "Energieallianz Bayern", ein Zusammenschluss von Kommunen und Stadtwerken, die Kraftwerke ebenfalls kaufen. Den Zuschlag erhielten am Ende die Österreicher für inoffizielle 1,4 Milliarden Euro; sie sollen 200 Millionen Euro mehr geboten haben als die Energieallianz.

Mit bis zu 30 Prozent wollte der Verbund nach Absprache mit dem Freistaat Bayern Kommunen und Stadtwerke beteiligen. Doch der Zusammenschluss von Kommunen und Stadtwerken, die "Innkraft Bayern GmbH", brachte unter Führung des Landkreises Altötting nur knapp 3,5 Prozent zusammen. Bei Vertragsunterzeichnung war die Rede davon, die Anteile erhöhen zu wollen. Die "Energieallianz Bayern", die ursprünglich um alle Kraftwerke mitgeboten hatte, hatte aus Kostengründen kein Interesse und kritisierte, dass mit der Beteiligung kein Strombezug zu Herstellerkonditionen verbunden sei.

Entsprechend verwundert ist Geschäftsführer Joachim Martini, dass Verbund nicht das Gespräch mit der Energieallianz Bayern wegen eines möglichen Einstiegs gesucht habe. Nach wie vor habe das Konsortium Interesse, Anteile der Inn-Kraftwerke zu halten. Dass jetzt Finanzinvestoren im Gespräch sind, dafür hat er nur wenig Verständnis. "Finanzinvestoren geht es nur ums Geld. Stadtwerke sind nicht so aufgestellt und können sich bei der Preisgestaltung nicht alles erlauben. Außerdem sind der Natur- und Hochwasserschutz ein wichtiges Thema."

Dass der Verbund sich zum jetzigen Zeitpunkt von den restlichen 26,5 Prozent der Anteile trennen will, steht nicht in Zusammenhang mit der geplanten Kapitalerhöhung des Unternehmens, die die Bundesregierung erst vorige Woche absegnete. "Von Beginn an gab es das Angebot, dass es insgesamt 30 Prozent der Anteile zu kaufen gibt. Und zwar anteilig zu dem Preis, den Verbund für die Wasserkraftwerke bezahlt hat", sagt ein Verbund-Sprecher auf Nachfrage. Zu den Finanzinvestoren gab er keine näheren Auskünfte. Nur so viel, dass es sich dabei um europäische Firmen handelt, aber keine aus Österreich.

Mit den möglichen Investoren steht der Stromanbieter in Verhandlungen. "Es gibt noch keine Zusagen." Anderweitige Interessenten hätten somit durchaus die Möglichkeit, sich Anteile zu sichern. Wie die Innkraft Bayern GmbH auf die Verhandlungen mit den Finanzinvestoren reagiert, ist nicht klar. Gestern war niemand zu erreichen.

13 Wasserkraftwerke stehen in Bayern entlang des Inns zwischen Rosenheim und Passau. Das Kraftwerk in Töging ist mit einer Leistung von rund 85,3 Megawatt das leistungsstärkste.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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