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Serie „Summa dahoam“

Im alten Mühldorfer Freibad regierte eine Frau - Männer, Frauen und Kinder badeten noch getrennt

Das alte Mühldorfer Freibad bot nicht viel Komfort, aber dafür viel Abkühlung.
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Das alte Mühldorfer Freibad bot nicht viel Komfort, aber dafür viel Abkühlung. (Bild von 1961)

Das alte Mühldorfer Freibad hatte ein besonders Flair. Frau Reitmeier war 1961 die unumschränkte Herrscherin dieser Welt. In unserer Serie „Summa dahoam“ blicken wir auf diese Zeit zurück. Für ein Fünferl konnte das Freibad besucht werden. Männer, Frauen und Kinder streng getrennt.

Mühldorf – Hinter dem Mühldorfer Friedhof taucht bald auch schon der hohe, windschiefe Bretterzaun des alten Schwimmbades auf. An der Kasse sitzt die Frau Reitmeier. Sie ist zugleich Wirtin der gegenüberliegenden Gastwirtschaft. Die resolute Dame mittleren Alters ist eine absolute Respektsperson. Eine Kabine kostet 20 Pfennig. Das ist für uns Kinder im Jahr 1961 zu viel Geld. Also zahlen wir ein Fünferl Eintritt und belegen die Freikabinen. Das sind eigentlich nur zwei große Holzverschläge, für Mädchen und Knaben getrennt. An den dort angebrachten Haken kann man seine Kleidung aufhängen. Es ist ja nur eine Turnhose und ein Hemd. Dann geht es sofort in’s Kinderbad, den kleinen abgetrennten Teil des Frauenbades.

Im Frauenbad planschten die Mütter

Ein Eisengitter setzt die Markierung. Hier plantschten nur einige Mütter mit ihren Kleinkindern. Das Wasser reicht nur bis zu den Knien. Im Frauenbad kann man schwimmen. Wir Kinder können ganz hinten fast nicht mehr stehen. Das Wasser ist schmutzig, aber wunderbar warm. Wir verlassen das Becken erst wenn wir blaue Lippen, eine runzlige Haut und einen Schüttelfrost haben. Dann suchen wir einen Platz auf der großen Sonnenliege. Diese steht mitten auf der Wiese und ist durch die Sonne aufgeheizt.

Man kann sich nur ganz vorsichtig hinlegen. Die Holzbretter sind sehr spröde. Da habe ich mir so manchen Schiefer eingezogen. Daheim wird er dann mit einer Nähnadel unter Schmerzen entfernt. Man kann sich aber auch auf die schmale Bank, die ringsum am Bretterzaun angebracht ist, hinsetzen. Dieser Bretterzaun ist sehr hoch, damit von draußen ja keiner hereinschauen kann. Im Frauenbad treibt ein großer, schwerer Holzbalken, an den sich die Nichtschwimmer klammern können.

Einmal hatte ich wohl einen Tarzanfilm zuviel gesehen. Ich kraulte, wie Jonny Weissmüller in seiner Glanzzeit, blind an den trägen Balken. Das Ergebnis war starkes Nasenbluten und eine große Beule auf der Stirn. Das Ziel unserer Wünsche aber ist das Herrenbad.

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Wie der Name schon sagt, haben wir kleinen Burschen dort nichts verloren. Die Frau Reitmeier wacht mit Ingrimm darüber, dass das auch so bleibt. Es ist deshalb fast unmöglich, auf normalem Weg ins Herrenbad zu gelangen. Darum klettern wir über den hohen Bretterzaun, der die beiden Bäder trennt. Schon steigen wir hinauf auf das Sprungbrett und köpfein wie die Alten in das eiskalte Wasser. Es wurde erst vor ein paar Tagen frisch eingelassen. Die ganz Mutigen klettern sogar auf das Kabinendach und hechten von dort aus ins kristallklare Nass.

Heitere Stunden im Freibad

Doch schon naht das Unheil in Gestalt der Frau Reitmeier. Ihre bellende Stimme habe ich heute noch im Ohr: „Ja, de Saugribben steig’n scho wieda ins Herrenbad n’über.“ Sie packt uns bei den Ohren und zieht uns dahin, wo wir Kinder hingehören. Wir hatten einen Heidenrespekt vor dieser Frau, die ich nie habe lachen sehen. Es waren heitere Stunden, im alten Mühldorfer Schwimmbad.

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