"Ich trete nicht zurück"

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"Ich trete nicht zurück": Die umstrittene Vorsitzende des Tierschutzvereins, Christa Kurzeja-Farrnbacher.

Teising - Die Mitglieder des Tierschutzvereines Altötting-Mühldorf haben ihrer Ersten Vorsitzenden Christa Kurzeja-Farrnbacher klar das Misstrauen ausgesprochen.

132 von 135 Stimmberechtigten votierten auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag im Reiterhof gegen sie. Nun soll auf einer weiteren Versammlung in vier Wochen die Vereinsspitze neu gewählt werden. Christa Kurzeja-Farrnbacher ließ das Ergebnis kalt: "Ich trete nicht zurück."

Polizeibeamte beobachteten das Geschehen vor dem Gebäude, ein privater Sicherheitsmann stand neben dem Rednerpult. Erst langsam löste sich die Schlange Wartender vor dem Saal auf. Die Einlass-Prozedur war langwierig. Sogar Bürgermeister mussten ihren Personalausweis vorzeigen, Namen von Mitgliedern wurden notiert, Stimmzettel ausgegeben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Kurzeja-Farrnbacher bereits Journalisten von der Versammlung ausgeschlossen. Tageszeitungen sollten nach ihrem Willen bleiben dürfen, Wochenblatt und Fernsehen wieder gehen. Sie blieben dennoch.

Von Beginn an ging es hitzig zu, heftiger, langer Applaus brandete nach der Begründung des Misstrauensvotums auf, das mit 132 zu drei eindeutig gegen Kurzeja-Farrnbacher ausfiel. Sie soll für finanzielle Verluste verantwortlich sein, dem Ansehen des Vereins geschadet haben.

Ruhe wird in den Verein dennoch so bald nicht einkehren. Zwar wurden Zweiter wie Dritter Vorstand sowie Schatzmeisterin neu gewählt, doch Kurzeja-Farrnbacher kündigte noch in der Versammlung die rechtliche Prüfung der gerade durchgeführten Wahlen an (siehe Kasten).

Zweiter Vorstand Max Wochinger und Dritter Vorstand Rosemarie Winichner wollen "geregelte Bahnen im Tierheim" schaffen und damit das Hickhack beenden, das den Verein seit einer Mitgliederversammlung im März durchschüttelt. Damals hatte Kurzeja-Farrnbacher mit Unterstützung vieler plötzlicher Neumitglieder den alten Vorstand überraschend abgelöst. Damit war ein mit Hilfe einer Vereinserbschaft geplanter Tierheim-Neubau als Ersatz für die maroden Baracken in Kronberg geplatzt (wir berichteten).

Seitdem schaukeln sich gegenseitige Vorwürfe hoch. Anzeigen wurden erstattet. Der im April mitgewählte damals neue Zweite und Dritte Vorstand traten zurück, wegen Unstimmigkeiten innerhalb der Vorstandschaft. Der Altöttinger Landrat forderte vor wenigen Tagen von Kurzeja-Farrnbacher brieflich mehr Transparenz im Vereinsgeschehen, auch Lokalpolitiker sollten an der außerordentlichen Mitgliederversammlung teilnehmen, Journalisten frei berichten dürfen.

Mitwählen durften auch etwa 100 während der vergangenen Woche neu aufgenommene Tierschützer. Diese hatte Peter Nofz in den Verein aufgenommen, nachdem ihn das Vereinsgericht kurzfristig als Notvorstand eingesetzt hatte - aufgrund einer attestierten Erkrankung Kurzeja-Farrnbachers, die rechtzeitig zur Mitgliederversammlung wieder gesundete.

Bis zur Wahl hatten der auf einer Mitgliederversammlung im Frühjahr von Kurzeja-Farrnbacher überraschend als Vorsitzender abgelöste Manfred Zallinger, verschiedene Bürgermeister und Rechtsanwälte vor dem Saal über den Versammlungsablauf und Wahlberechtigungen der kurzfristig aufgenommenen Mitglieder verhandelt. Die Neumitglieder durften schließlich wählen. Ein Anwalt ging danach von einer bevorstehenden Anfechtung der Wahl aus.

Die Bürgermeister einiger Gemeinden, die Fundtierverträge mit dem Tierheim Kronberg haben, kamen der Aufforderung aus der Versammlung nach, die Wahl zu kontrollieren. Sie sammelten Wahlzettel ein und zählten die Stimmen aus. Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer erklärte am Anfang der Veranstaltung, er sei hier, um mitzuhelfen, dieses "Kasperltheater" zu beenden.

Der neue Zweite Vorsitzende Max Wochinger wurde mit 154 von 198 Stimmen gewählt, Dritte Vorsitzende -Winichner mit 149 Stimmen. Die neue Schatzmeisterin Hedi Schwaegerl aus Mühldorf erhielt 157 Stimmen. Die Gegenvorschläge Kurzeja-Farrnbachers, Manuela Losse und Gabriele Breitschopf, hatten jeweils keine Chance.

Berthold Merkel, Vorsitzender des Bayerischen Tierschutzbundes, scheiterte mit seinem Vorschlag, die Wahlzettel nach dem Wahlgang aus "logistischen Gründen" zu vernichten.

Kurzeja-Farrnbacher kommentierte die Misstrauens-Entscheidung auf Anfrage damit, dass es danach vielleicht wieder um den Tierschutz gehe.

Mühldorfer Anzeiger/rob

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