Der Holocaust hat versagt

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Erinnerung an einem idyllischen Ort: Am ersten Bunkerbogen gedachten gut 100 Gäste der Räumung des KZ-Außenlagers im Mühldorfer Hart. Dabei wurde der Ort der Ermordung von 2911 Menschen zum Zeichen der Zuversicht und der Zukunft.

Mühldorf - "Ein Tag der Zuversicht": Gemeinsam mit Gästen aus Ungarn erinnerten etwa 100 Menschen aus der Region an die Auflösung des KZ-Außenlagers im Mühldorfer Hart.

Dr. Lászl Harsányi, Direktor des Holocaust Memorial Center in Budapest, machte aus dem Gedenken einen Tag der Zuversicht.

80 Prozent der Opfer des KZ-Außenlagers im Mühldorfer Hart waren ungarische Juden: 2384, junge Männer zumeist, viele jünger als 30 Jahre, 303 waren noch keine 20 Jahre alt, als sie in der Rüstungsfabrik Weingut durch Arbeit ermordet wurden. Dass sie heute mehr als eine Nummer sind, schrieb Direktor Harsányi bei seiner Rede während der Gedenkfeier den Aktivitäten in der Region, vor allem dem Verein "Für das Erinnern" zu: "Sie machen nicht nur den Ort sichtbar, sondern die Opfer wieder zu Personen, an die man sich als Mensch erinnern kann und nicht nur als Zahlen in einer Kette." Das gemeinsame Gedenken von Deutschen und Ungarn habe eine wichtige Botschaft, sagte Harsányi, Sohn von KZ-Opfer: "Der Holocaust hat versagt, denn wir haben einen Weg zueinander gefunden." Nicht nur das Leid sei gemeinsames Leid geworden: "Wir haben auch eine gemeinsame Zukunft."

Die Gedenkfeier, zu der der Verein seit 2000 einlädt, zeigte sichtbar, dass - anders als vor elf Jahren - inzwischen auch politische Entscheidungsträger hinter der Einrichtung einer Gedenkstätte stehen. Stellvertretende Landrätin Eva Köhr sprach von der Aufgabe des Landkreises, den Ort der "Erinnerung an unvorstellbares Leid" zu erhalten, Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber versprach: "Wir nehmen jede Möglichkeit der Entwicklung dieses Ortes wahr." Er schränkte aber ein: "Dieser Auftrag ist noch nicht in dem Maße umgesetzt, wie ich es mir vorstelle." Er kündigte ein Gespräch mit Vertretern des Bundesfinanzministeriums im Juni an, um die noch immer ungeklärten Eigentumsfragen und das Problem der Übertragung des Geländes an die bayerische Gedenkstättenstiftung zu diskutieren. "Wir wollen die spürbare Zurückhaltung des Bundes überwinden."

Dass die Erinnerung an die NS-Gräuel nicht allein Aufgabe von Erwachsenen ist, machte Zehntklässlerin Dagmar Huber deutlich. Seit Monaten beschäftigen sich Schüler des Ruperti-Gymnasiums und der Hauptschule mit der Erstellung von sogenannten Audioguides, die Besucher durch Waldlager, Bunkergelände und ehemaliges Massengrab führen sollen. Marion Glück-Levi, Vorsitzende der "Stiftung Zuhören", die die Produktion der Hörführer zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk begleitet, würdigte die Arbeit der Schüler. Es sei schwierig, nach so langer Zeit das Geschehen zu begreifen. Die Audioguides seien aber ein gutes Mittel, Jugendliche zum Hinhören zu bewegen. "Auch zum Hinhören auf sich selbst, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen." Nur so sei zu erreichen, dass eine Gewaltherrschaft und ihre Methoden "nie wieder gesellschaftlicher Konsens" würden.

Am Vormittag empfing Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch im Rathaus die Delegation des ungarischen Holocaust Memorial Center. Auch Knoblauch bekannte sich zur Aufgabe, das Bunkergelände zu gestalten: "Unser Ziel ist eine Gedenkstätte, um das Geschehene aufzuarbeiten. Zum einen um die Verbindung mit den Opfern aufrechtzuerhalten, zum anderen um den jungen Menschen zu zeigen, dass Vergangenheit das eine und Zukunft das andere ist."

ha/hon/Mühldorfer Anzeiger

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