Hoffnung auf 30 Prozent

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Das Wasserschloss wird "Österreicher": Der Verbund hat die Innkraftwerke von Eon gekauft und bietet den Landkreis und Kommunen eine Beteiligung an. Was die kosten wird und ob die Kommunen sie sich leisten können, steht noch nicht fest.

Mühldorf/Rosenheim - Der Verkauf der 13 Innkraftwerke an den österreichischen Energieversorger "Verbund" hat die Hoffnungen auf eine regionale Lösung zunächst zerschlagen. Städte und Landkreise am Inn setzen jetzt auf eine 30-prozentige Beteiligung.

Einen 30-prozentigen Anteil an den Innkraftwerken hat der "Verbund" den Anliegern angeboten. Das bestätigten gestern Vertreter des "Verbunds". "Bayerische Interessen sollen berücksichtigt werden", betonte "Verbund"-Sprecherin Beate McGinn.

Damit stünde das kommunale Bieterkonsortium "Energieallianz Bayern" nicht als der große Verlierer des Bieterwettstreits mit zuletzt drei Konkurrenten da. Kommunen und Stadtwerke konnten dabei nicht der Preisvorstellung von Eon entsprechen. Auch den Tausch von Produktionskapazitäten konnten die kommunalen Versorger nicht anbieten, wie dies der österreichische "Verbund" mit seinem Speicherkraftwerk im Zillertal getan hat.

über den Kaufpreis haben beide Seiten Verschwiegenheit vereinbart, inzwischen ist aber bekannt, dass die "Energieallianz" knapp eine Milliarde Euro geboten hat. "Verbund"-Geschäftsführer Wolfgang Anzengruber bezifferte den Verkaufswert nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters auf "mindestens eine Milliarde Euro", die zu zwei Dritteln aus Barzahlungen und zu einem Drittel aus Stromlieferungen aus dem Zillertal über einen Zeitraum von 20 Jahren bestünden. Der tatsächliche Verkaufswert dürfte aber nach Informationen von Verhandlungsteilnehmern deutlich höher liegen.

Das kommunale Bieterkonsortium hat sich in den letzten Tagen vor der Entscheidung am Freitagnachmittag vor allem auf politischer Ebene um verstärkte Einflussnahme bemüht. Die hat zwar nicht zu einem Zuschlag geführt, könnte aber den Druck auf den "Verbund" erhöht haben, eine Zusammenarbeit mit den Kommunen und Landkreisen zu suchen. Dabei steht noch nicht fest, ob die bisher als regionaler Anbieter aufgetretene "Energieallianz Bayern" weiter handelt oder ob sich einzelne Kommunen beteiligen. Altöttings Landrat Erwin Schneider sprach gestern von der Möglichkeit einer "Vorschaltgesellschaft".

In welcher Form auch immer: Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch, der sich von Anfang an für den Kauf der Kraftwerke eingesetzt hatte, hofft auf eine Einigung mit dem "Verbund": "Ohne eine Beteiligung wäre es ein Affront gegen kommunale und regionale Interessen in Sachen Stromversorgung und Hochwasserschutz". Und weiter sagte Knoblauch: "Eine Beteiligung von 30 Prozent würde unseren Interessen entsprechen, das würden wir sehr begrüßen." 100 Megawatt, knapp ein Drittel des Gesamtpakets, hat der "Verbund" angeboten.

Ob es zu einer Vereinbarung kommt ist offen, Verhandlungen gab es bis jetzt nicht. Entscheidend sei, was ein Megawatt kosten werde, sagte Knoblauch. Zu seinen Preisvorstellungen wollte sich der "Verbund" gestern nicht äußern. Altöttings Landrat Erwin Schneider bezifferte den Umfang der 30-prozentigen Beteiligung auf eine "dreistellige Millionensumme".

Von einem Glücksfall sprach Rosenheims stellvertretender Landrat Josef Huber: "Wir sind vom Verlierer zum Gewinner geworden." Der "Verbund" sei ein guter Partner, von dem die ganze Region profitieren werde. "Wir hätten keinen besseren Partner finden können, auch wenn noch viele Details zu klären sind."

Die 13 Innkraftwerke mit einer Leistung von 312 Megawatt und einer Jahresproduktion von 1800 Gigawattstunden sollen in eine Gesellschaft eingegliedert werden, die der "Verbund" in Bayern unterhält. Unternehmenssitz werde Töging sein, bestätigte Anzengruber. Er versprach außerdem, die 217 Mitarbeiter zu bisherigen Bedingungen zu übernehmen.

Eon will mit dem Verkauf einer Aufforderung der europäischen Kommission nachkommen. Die EU hatte den Stromerzeuger aufgefordert, Kraftwerke mit einer Leistung von 5000 Megawatt abzugeben, einen Teil davon hat Eon schon verkauft. Die EU muss dem Verkauf der Innkraftwerke noch zustimmen, Anzengruber geht aber von einer "Formalität" aus.

ha/hon/rob

Sehen Sie hier das Video zur Pressekonferenz

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