Audioguide durch KZ-Außenlager

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"Es gibt wenige Städte, die sich so mit diesem Thema befassen": KZ-Überlebender Mannheimer im Gespräch mit Nino Wenzel (links) und Patrick Kaufmann.

Mühldorf - Was in vielen Museen üblich ist, soll es ab Frühsommer auch für das KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart geben: einen vertonten Führer, den sich Interessierte im Internet herunterladen können.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Mühldorfer Anzeiger:

Hörend durchs Bunkergelände

Erstmals produzieren Schüler in Zusammenarbeit mit der "Stiftung Zuhören" sogenannte Audioguides, Hörführer für das ehemalige KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart. Dabei arbeiten 26 Gymnasiasten mit zehn Hauptschülern zusammen.

Was in vielen Museen üblich ist, soll es ab Frühsommer auch für das KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart geben: einen vertonten Führer, den sich Interessierte im Internet herunterladen können. Diese Tondateien sollen Beschreibungen der wichtigsten Plätze des Lagers beinhalten, Interviews mit Zeitzeugen und Fakten rund um den Bau der NS-Rüstungsfabrik im Wald zwischen Mühldorf und Waldkraiburg.

Was diese Tondateien enthalten können, stellten die Schüler unter Leitung von Elke Dillmann vom Bayerischen Rundfunk in der Aula der Hauptschule vor. Die Schüler spielten den Gästen der Auftaktveranstaltung die Reportage eines Besuchs am Bunker und eine Umfrage unter Passanten vor, interviewten den Lehrer Josef Wagner, der sich gemeinsam mit dem Verein "Für das Erinnern" seit Jahrzehnten für den Bau einer Gedenkstätte im Mühldorfer Hart einsetzt, oder den KZ-Überlebenden Max Mannheimer. Er machte im Gespräch mit zwei Schülern erneut die Leitidee deutlich, die hinter seiner Arbeit steht: "Ich möchte helfen, uns von einer Diktatur zu bewahren und die Demokratie zu stärken." Dabei dankte Mannheimer ausdrücklich den Mühldorfern, die sich sehr stark mit ihrer Geschichte beschäftigt hätten. Zugleich machte er klar, dass der Weg noch nicht am Ziel sei: "Die Informationstafeln im Mühldorfer Hart sind wunderbar, aber zu wenig. Wir brauchen auch ein Museum, in dem das Geschehen genau dargestellt wird."

Staatssekretär Dr. Marcel Huber berief sich ausdrücklich auf den KZ-Überlebenden, den er vor Schülern und den Vertretern verschiedener Einrichtungen und Organisationen zitierte: "Ihr seid nicht für das verantwortlich, was geschehen ist. Aber dafür, dass es nicht wieder geschieht." Huber stellte sich ausdrücklich hinter die Einrichtung einer Gedenkstätte, gab aber zu: "Bis jetzt ist es uns nicht gelungen, in den Dingen bis auf eine klare Konzeption wirklich voran zu kommen." Noch immer seien die Fragen der Verkehrssicherung, des Eigentums, der Sprengmittelfreiheit und der Investitionen rund um den Bunkerbogen ungeklärt. Lösungen erwartet sich Huber von einer großen Konferenz, an der unter anderem auch Vertreter des Bundesfinanzministeriums teilnehmen wollen. Bislang ist lediglich im ehemaligen Waldlager ein gestalteter Gedenk- und Informationsort entstanden.

Damit sich Besucher leichter über die Ereignisse in den beiden letzten Kriegsjahren informieren können, werden die Hauptschüler und Gymnasiasten in den kommenden Monaten unter Anleitung der "Stiftung Zuhören" und des Bayerischen Rundfunks Audioguides erstellen. Es werden professionelle Medien sein, mit denen die Schüler, von persönlicher Erfahrung ausgehend, fachlich fundierte Führer erstellen. Interessierte können sich die sogenannten Podcasts im Internet herunter laden, nach Angaben von Josef Wagner soll es aber auch Leihgeräte geben, die sich zum Beispiel Angehörige und ehemalige Häftlinge ausleihen können.

Über die Zusammenarbeit der Schüler freuten sich vor allem die Schulleiter Hildegard Hajek-Spielvogel und Anselm Räde. "Auf die Zusammenarbeit mit dem Ruperti-Gymnasium sind wir besonders stolz", sagte Hajek. Für Anselm Räde zeigt die Zusammenarbeit "die Qualität beider Schularten". Die Rektoren gehen davon aus, dass sich die Jugendlichen der zehnten Klassen durch das Medium Podcast besonders eindrücklich mit dem Thema befassen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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