Hilfe für Migrantenkinder

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Mit Mohamed (links) fing alles an: "Er machte zusammen mit meinem Sohn bei mir zu Hause oft seine Hausaufgaben, konnte Nichtverstandenes hinterfragen und hatte bald bessere Noten in der Schule." Viele machten das gute Beispiel nach und heute kommen schon 40 Migranten-Grundschulkinder nachmittags zu Steffi Rothkäppel (Mitte stehend, rechts daneben Renate Angermann) und den anderen ehrenamtlichen Helferinnen von ISIS.

Mühldorf - Konzentriert arbeiten sechs Grundschulkinder rund um den großen Esstisch in einer Doppelhaushälfte im Norden Mühldorfs an ihren Hausaufgaben.

"Disziplin und Fleiß sind bei uns sehr wichtig", sagt Steffi Rothkäppel, die die Schüler betreut. Die Kinder kommen aus der Türkei, aus Marokko, dem Irak, aus Serbien, Spanien, Russland und anderen Ländern. "Sie können teilweise nur wenig Deutsch und wären ohne Hilfe oft schon in der ersten Klasse verloren", erklärt Renate Angermann, die zusammen mit Steffi Rothkäppel im Oktober 2008 ISIS gegründet hat. ISIS steht für "Initiative für Soziales, Integration und Schülerhilfe" und ist eine neue soziale Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Mühldorf.

Die zehn ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sind meist selbst Mütter. Renate Angermann hat vier Kinder, Steffi Rothkäppel fünf. "Wir haben also die nötige Erziehungserfahrung", sagen sie. "Man braucht außerdem sehr viel Geduld, Nerven und Durchsetzungsvermögen, auch Disziplin und einen konsequenten Erziehungsstil, um den Kindern, die oft nicht gelernt haben zu lernen und aus fremden Kulturen stammen, das deutsche Schulsystem näherzubringen."

Rothkäppel, Angermann und die anderen ISIS-Mitarbeiterinnen beraten die Familien bei Integrationsproblemen, verbringen Freizeiten mit den Eltern, informieren sie über deutsche Bräuche und Sitten, sie lesen mit den Kindern, geben Nachhilfe oder Einzelförderungen, sie schaffen und pflegen die Kontakte zu den Zuwandererfamilien, sind Bindeglied zwischen den Kulturen - und zwischen Migranten-Eltern und der Schule. Schnell hat sich unter den Grundschulkindern und auch -lehrern der große Erfolg von ISIS, "den wir mit wirklich kleinen Mitteln erreichen", herumgesprochen: Aus einem türkischen Buben, der als Erstklässler mit dem Sohn Rothkäppels in die Schule ging und ab und an mit ihm Hausaufgaben machte, wurden inzwischen 40 Kinder, die in verschiedenen Gruppen bei den ISIS-Mitarbeiterinnen zu Hause an vier Nachmittagen in der Woche eine Stunde lang ihre Hausaufgaben unter Aufsicht machen können.

Die Kinder und die Zuwandererfamilien sind glücklich, dass es die AWO-Einrichtung in Mühldorf und zwischenzeitlich auch in Waldkraiburg gibt. Freundschaften hätten sich entwickelt, man lerne voneinander, koche zusammen, tausche sich aus. "Und die Erwachsenen sind froh, dass sie in uns Ansprechpartner auf gleicher Ebene haben und bedanken sich mit ihrem Vertrauen, aber auch mit Handarbeiten, Einladungen, kleinen Geschenken", sagt Angermann. Der Erfolg gibt ISIS recht: "Die Kinder haben anfangs oft große Probleme mit der deutschen Sprache, mit der Schule, den Hausaufgaben, mit dem ganzen Umfeld bei uns in Deutschland, das ihnen ja fremd ist." Aber nach einiger Zeit Betreuung geht es meist schon besser.

"Sie bekommen mehr Selbstvertrauen, haben dann auch Spaß am Lernen, sind stolz auf ihre besseren Noten und setzen sich schließlich selbst höhere Ziele, wollen teils auch auf weiterbildende Schulen, helfen sich gegenseitig und träumen teilweise sogar von einem Studium in Deutschland", freuen sich die Initiatorinnen von ISIS und bekommen ein ganz dickes Lob von den Kindern: "Ohne die ISIS-Betreuung hätten wir es nie geschafft, so gute Noten zu schreiben", sagt ein Schüler.

Die Frauen bemerken diese Zustimmung sehr genau. "Es kommt aber auch jede Menge Positives zurück - besonders wenn man sieht, wie die Kinder aufblühen, weil sie endlich etwas mehr verstehen und lernen können und dann auch in der Schule bessere Noten schreiben, das ist uns der größte Lohn." Die Arbeit mit den Grundschülern ist nicht das Ende der Pläne. Eine Hausaufgabenbetreuung für Hauptschüler ist in Vorbereitung. In der kommenden Woche informiert sich Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber über das Angebot.

eig/Mühldorfer Anzeiger 

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